Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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Vehikel für andere Nutrientien oder medica-
mentöse Stoffe benützen will, wie es nicht
selten bei der Aufzucht sehr junger, säugender
Fohlen, Kälber und Lämmer zu geschehen hat.
Man sucht sich zu diesem Zwecke auf dem
Dachboden gutes, feinstengeliges, aromatisches
Heu aus, das möglichst noch die Blüthen und
Samen enthält (s. Heublumen), in welch letzteren
besonders die Eiweisskösper enthalten sind,
infundirt und kocht gelinde (Infusodecoct),
jedoch nur kurze Zeit; man erhält dann ein
nicht zu verachtendes, zugleich die Verdauung
anregendes Nährsurrogat, das immerhin auch
als Klystier auf einige Zeit der Noth den
Stoffwechsel zu unterhalten vermag. Wesent
lich erhöht wird der Nähreffect, wenn das
Infus mit einer geringen Beimischung von
Salzsäure ( l / 4 — l /% %) bereitet wird, um mehr
Eiweisskörper löslich zu machen, oder den
Nährklystieren Alcoholica, z. B. Bier, Wein,
Branntwein oder auch Malzextract beigegeben
werden; andere, namentlich stickstoffreiche
Substanzen können ja ohne bestimmte Vor
bereitung (Peptonisirung) nicht oder kaum
vom Mastdarm aufgesaugt werden. Bei sehr
jungen Säuglingen, wenn die Secretion von
Milch eine unzureichende oder die Mutter weg
gestorben ist, sucht man ebenfalls durch Surro
gate nachzuhelfen oder die für die jungen
Thierchen noch zu substantielle Milch anderer
Thiere, wie z. B. für Fohlen die Kuhmilch
(wegen des zu reichlichen Butter- und Case'in-
gehaltes) mit Wasser, besser Heuthee zu ver
dünnen, wenn nachfolgende Magendarmkatarrhe
mit den so gefürchteten Durchfällen vermieden
werden sollen. Vogel.
Heu käse, aus Magermilch, im französi
schen Departement der Seine-Införieure be
reitet, 25 cm im Durchmesser, 8 cm hoch, so
genannt, weil sie gegen Ende der Reifezeit
in feuchtes Heu oder Grummet gewickelt
werden. Feser.
Heukörbe, s. Futterraufen.
Heulen, s. Sinnesäusserungen.
Heumilben, auf Heu vorkommende Aca-
riden (s. d.).
Heuschrecken, Schrecken, bilden fünf
Familien der Ordnung Geradflügler. Alle
Heuschrecken machen eine unvollkommene
Verwandlung durch. Die aus dem Ei schlü
pfende Larve unterscheidet sich nur durch
geringere Grösse, weniger bestimmte Farbe
und das Fehlen der Flügel von dem voll
kommenen Insect. Nach jeder Häutung werden
die Flügelläppchen immer grösser, bis sie
nach der letzten die volle Grösse erlangt
haben und die Geschlechtsreife der Schrecke
eingetreten ist. Warme günstige Sommertage
begünstigen das Gedeihen dieses Ungeziefers,
welches sich hauptsächlich von Pflanzen nährt.
Zwei Gruppen: Springer (Saltatoria),mit
den Familien: 1. Feldheuschrecken (Acrididae),
2. Laubheuschrecken (Locustidae), 3. Grab
heuschrecken (Gryllidae).— Schreiten (Gres-
soria), mit den Familien: 1. Fangheuschrecken
(Mantidae) und 2. Gespenstheuschrecken
(Phasmidae).

Saltatoria:
1. Feldheuschrecken. Körper von den
Seiten zusammengedrückt; Kopf nach unten
gerichtet, Gesichtstheil und die Stirn nach
vorne (wie beim Pferd), daher die volkstüm
liche Bezeichnung Heupferd. Die Beine haben
dreigliedrige Tarsen mit Haftlappen. Schenkel
und Hinterbeine, welche meist die Länge des
Körpers übertreffen (die vier vorderen sind
zierlich und zart), sind am Grunde verdickt,
ausgenommen die Gattung Pneumora. Die
ziemlich gleich grossen Flügel und Fühler sind
kürzer als der halbe Körper. Einige Arten
haben nur Flügelstumpfe. Die Oberlippe ist
in der Mitte des unteren Randes ausgeschnitten
und am stärksten unter allen Insecten ent
wickelt. Nebenaugen sind fast immer vor
handen. Die Legscheide, mit deren Hilfe
die Eier im Herbste in lockere Erde gelegt
werden, aus denen im Frühjahre die junge
Brut entsteht, theilt sich in eine obere und
eine untere Klappe, welche beide aus zwei
Hälften gebildet werden.
Die Mitglieder dieser Familie sind die
eigentlichen Heuschrecken, welche wir den
Sommer über, namentlich an warmen Tagen,
auf Wiesen und Feldern antreffen. Sie fressen
besonders gern weiche Pflanzentheile. Es
gehören hieher: Tetrix subulata, T. bipunctata;
Pneumora; Oedipodamigratoria, die Wander
heuschrecke, im südlichen und östlichen
Europa. Ungeheure Schwärme unternehmen
gemeinsame Züge, verbreiten sich verheerend
und zerstörend über Getreidefelder und Triften;
sie ist die grösste der bei uns vorkommenden
Arten. Gegenmittel: Gemeinsames sofor
tiges Einschreiten; Straucheggen; Walzen;
Gräben ziehen und Ochsen durch dieselben
treiben; Ausjagen von Schweinen, Hühnern etc.
Das Sammeln macht sich durch den Futter-
und Düngerwerth ungefähr bezahlt. (Gerst-
äcker, Die Wanderheuschrecke, Berlin, 1876.)
2. Laubheuschrecken. Körper lang
gestreckt; Kopf in senkrechter Stellung;
Fühler dünn; Flügeldecken liegen dem Körper
seitlich, spitzdachförmig an; Legscheide lang
und säbelförmig; Gehörorgan liegt am Grunde
der Vorderbeine. Die Laubheuschrecken leben
im Walde, Gebüsch, Felde und nähren sich
von anderen Pflanzen, ohne jedoch merklichen
Schaden anzurichten. Die Männchen, selten
auch die Weibchen, bringen lautschrillende
Töne durch gegenseitiges Reiben der Flügel
decken hervor; der rechte Flügel trägt zu dem
Zwecke eine Trommelhaut, deren vorsprin
gende sog. Nerven durch einen gesägten
Nerven des darüberliegenden linken Flügels
in Vibration gesetzt werden. Hieher gehören:
Decticus verrucivorus, der Warzenbeisser;
Locusta viridissima, grünes Heupferd; L.
cantans; Ephippigera perforata.
3. Grabheuschrecken. Körper dick,
walzig, mit freiem und dickem Kopf, meist
langen, borstenförmigen Fühlern und kurzen,
horizontal anliegenden Flügeldecken, welche
von den eingerollten Hinterflügeln weit über
ragt werden. Die Vorderbeine sind zuweilen
zu breiten schaufelförmigen Grab-

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