Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN670997315/400/
Futterstoffen rechneten, ausserdem endlich,
weil sie wohl mit Thieren, die ungleiche
Futterverwerther waren, ihre Versuche an
stellten, zu sehr verschiedenen Heuwerths
zahlen, und fanden dieselben z. B.: 100 Pfund
Wiesenheu seien gleich: 150 Pfund, 200 Pfund,
267 Pfund, 300 Pfund, 400 Pfund, 500 Pfund
Roggenstroh; oder 100 Pfund Wiesenheu
seien gleich: 220 Pfund, 250 Pfund, 300 Pfund,
366 Vs Pfund, 450 Pfund, 500 Pfund Runkel
rüben; oder 100 Pfund Wiesenheu seien
gleich: 150 Pfund, 200 Pfund, 300 Pfund
Kartoffeln.
Aus diesen Verschiedenheiten der von den
Aposteln der Heuwerthstheorie berechneten
Heuwerthszahlen geht die Unrichtigkeit und
Unbrauchbarkeit der in Rede stehenden Me
thode deutlich hervor. Denn wenn einer
angibt, 1 Pfund Normalheu entspreche 5 Pfund,
der andere dagegen ziffermässig feststellt,
dass 1 Pfund Heu den gleichen Nährwerth
habe wie 1 % Pfund Roggenstroh, und von
beiden angenommen werden muss, sie seien
gleich gewissenhaft zu Werke gegangen, so
trägt wohl nur die Anwendung eines völlig
unzulänglichen Verfahrens die Schuld an sol
chen Widersprüchen. Die Bedenklichkeit der
Heuwerthstheorie leuchtet noch besser ein,
wenn man berücksichtigt, dass Wissen
schaft und Erfahrung lehren, es sei über
haupt keinem Futtermittel ein be
stimmter, unveränderlicher Nährwerth
zuzusprechen. Der Nährwerth eines Futter
mittels hängt nicht allein von dessen be
sonderer Beschaffenheit ab, sondern
wechselt ausserdem je nach der Art, Rasse
oder Zucht, ja sogar mit der Indivi
dualität des Thieres, welches gefüttert
wird, und richtet sich namentlich auch nach
der Art nnd Beschaffenheit der an
deren Futterstoffe, welche gleichzeitig
verfüttert werden. Die Nährwirkung, welche
ein bestimmtes Futtermittel äussert, ist eine
ungleiche, wenn dasselbe unter verschiede
nen Culturbedingungen (Boden, Klima, Jah
reswitterung, Culturmethode, Düngung etc.)
gewachsen ist, wenn dasselbe an Wieder
käuer, Pferde oder Schweine, und wenn das
selbe im Gemisch mit verschiedenen anderen
Futterstoffen verfüttert wird. Erfahrung und
Wissenschaft lehren ferner, dass der Nähr
werth eines Futtermittels bedingt wird durch
das Vorhandensein einer Reihe von chemi
schen Substanzen in demselben, welche in
ganz besonderen Formen und Mengenverhält
nissen vorhanden sein müssen, wenn eine
bestimmte Nährwirkung erzielt werden soll
(s. Fütterung). , Pott.
Heuzwieback, s. Brotfütterung.
Hexan, C„H lt (Hexylwasserstoff), jener
Kohlenwasserstoff der Fettsäurereihe, welcher
an 6 Atomen Kohlenstoff 14 Atome Wasser
stoff gebunden enthält. Theoretisch sind
5 Kohlenwasserstoffe dieser Zusammensetzung
möglich, von diesen sind vier bekannt. Das
normale Hexan kommt im Petroleum vor vom
Siedepunkt 71 5, spec. Gew. 0 663 bei 17° C.
Künstlich wurde das normale Hexan bei Ein

wirkung von Natrium auf Propyljodur, auch
bei der Destillation von Korksäure mit Baryt
erhalten. Loebisch.
Hexenschuss ist eine dem Mittelalter
entstammende Bezeichnung für den sog. Ein
schuss oder die Schenkelgeschwulst der Pferde
(Venen- und Lymphgefässentzündung der
Hinterschenkel); man schrieb den Hexen,
d. h. bestimmten Leuten, die nur in der Ein
bildung des abergläubischen Volkes existiren.
die Kraft zu, durch ihren Blick oder durch
Worte Thiere und Menschen plötzlich krank
machen zu können. Da nun die genannte
Entzündung, resp. die Schenkelgeschwulst
gewöhnlich über Nacht entsteht, also unver
hofft des Morgens vorgefunden wird, so lag
es nahe, hier an die Zauberkraft der Hexen
zu denken. Im Volksmunde ist wohl auch
das Wort „Hexenschuss“ für plötzlich ein
tretende rheumatische Kreuzlahmheit gang
und gäbe, weil man geneigt ist, alle uner
wartet eintretenden Leiden, über deren Ent
stehen man sich keine Rechenschaft zu geben
wusste, der Zauberkraft böser Menschen zu
zuschreiben. Solche Zauberer nannte man
im Mittelalter „Bilwitz und Bihlwisen“; gegen
die von ihnen angethanen Krankheiten waren
Beschwörungs- und Segensformeln in Ge
brauch. Anacker.
Hexenschwamm, Boletus satanas, einer
jener Pilze, welche (in Gemeinschaft mit dem
Fliegenschwamm und anderen Agaricusarten)
am häufigsten Vergiftungen bei Menschen
veranlassen, obwohl ersterer auch schon als
ungiftig bezeichnet worden ist. Merkwürdiger
weise sind derartige Vergiftungen durch
Schwämme bisher bei den Hausthieren noch
nicht beobachtet worden, doch berichtet
Mundesgruber von einer durch den Hexen
schwamm erzeugten Massenvergiftung bei
Gänsen. Grosse Aufregung, nachher Schwindel,
Taumeln, Betäubung und Durchfall waren die
Symptome der Vergiftung. Vogel.
Hexenwesen, Hexenprocesse. Der Maler
Gustav Reichel, welcher mit Vorliebe den
Katzencultus der alten Aegypter studirte, ver
öffentlicht in seinen bezüglichen Aufzeichnun
gen Einiges über das Hexenwesen des Mittel
alters, mit welchem auch die Katzen in naher
Beziehung standen.
Er erwähnt u. A. einer Episode im Mittel-
alter, zufolge welcher in Aix in der Provence
beim Frohnleichnamsfeste der schönste Kater
der Umgebung, wie ein Säugling gewickelt,
in einem kostbaren Schreine zur öffentlichen
Andacht ausgestellt wurde. Am Feste des
St. Johannes wurde dieser Kater mit einer
Anzahl Katzen in einen Korb gethan und
unter ceremoniellen Formalitäten verbrannt.
Die Sage, dass am Vorabende St. Johann
sämmtliche Katzen sich zum Hexensabbath
begeben, hat sich lange erhalten und wurde
in Metz als öffentliche Feierlichkeit begangen,
indem der Magistrat auf den Marktplatz zog,
um die in Körbe gesperrten Katzen auf einem
Scheiterhaufen zu verbrennen.
Literatur: Philipp Leop. Martin, Das Lehen der
Hauskatze etc. Koch.

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66