Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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kehrt. Ferner beachte man, dass die zu
kreuzenden Rassen einander nicht zu unähn
lich sind; man soll nicht die heterogensten
Rassen mit einander paaren, z. B. Cochin mit
Bantam. Auch sei man vorsichtig in der Ver
wendung der Kreuzungsproducte zur Zucht;
obgleich sie selbst vorzügliche Nutzthiere
sind, empfiehlt es sich doch meistens, Voll
bluthähne zu verwenden.
Bezüglich Auswahl der Rassen sagt
Dürigen in seiner vorzüglichen „Geflügel
zucht“ :
a) Wirthschaftshühner. Kleine,
ferner gro sshaubige, oder gegen unser
Klima empfindliche, oder schwer auf
zuziehende, oder sehr streitsüchtige
Rassen können schon von vomeherein nicht in
Betracht kommen, andere, so die Houdans
und Laflfeches, die Brahmas und selbst die
Hamburger passen, wie dies bei Besprechung
der Rassen hervorgehoben, nur bedingungs
weise für unsere Verhältnisse. Das eigent
liche Wirthschaftshuhn wird das über
all in unserem Klima gedeihende ver
besserte Landhuhn und dessen Schläge
bilden; als Legehühner auf dem Lande
verdienen gute Italiener, Minorcas und An-
dalusier und Bredas, zumal sie grosse Eier
legen, und für die Stadthöfe Minorcas, auch
Houdans und Brahmas alle Beachtung; nicht
zu vergessen sind die Langshans und Ply
mouth-Rocks, welche zudem reichlich schönes
Fleisch liefern; als eigentliche Fleisch- und
Masthühner passen für uns am besten die Ra
melsloher, die französischen Rassen Houdans-
Lafleche, Le Mans, Bresse und deren Kreu
zungen mit Landhühnern oder mit Bredas,
auch Kreuzungen von Houdan mit Brahma;
als Winterleger empfehlen sich die Ra
melsloher, überhaupt aber Hennen aus
Früh brüten. Bezüglich des Näheren wolle
man die Beschreibung der Rassen nachlesen.
b) Rassehühner (Sport-, Zier- oder
Luxushühner). Der Liebhaber kann in der
Stadt oder auf dem Lande wohnen, für ihn
sind bei der Auswahl lediglich seine Nei
gungen und gewisse örtliche Verhältnisse
massgebend; doch möge er, um günstige Er
folge zu haben, stets die Eigenheiten der
Rasse berücksichtigen. So z. B. eignen sich
Bantams zur Besetzung von Voliiren und
kleinen Räumen, Hamburger wollen weiten
Laufraum, Phönixe und Yokohamas verlangen
warmen, trockenen, leichten Boden, Hauben
hühner müssen vor Nachstellungen und Be
schädigungen durch anderes Geflügel und
Raubzeug geschützt sein, Malayen- und
Kämpferstämme sind ihrer Streitlust wegen
gesondert zu halten, Laflfeches und Crbve-
Coeurs gedeihen nicht auf freiliegenden, dem
Winde ausgesetzten Gehöften, schwere Rassen
(Cochins u. a.) müssen einen zu ebener Erde
liegenden Stall haben, Hühner mit Feder
füssen gewähren in niedriger, feuchter Gegend
ein weniger erfreuliches Bild als auf trocke
nem leichten Boden u. s. w.“
Wir halten diejenigen Hühner für die
besten, welche mit der geringsten Menge

Futter das grösste Quantum von Ei
substanz liefern, u. zw. zu einer Zeit,
wo dieselbe den höchsten Preis hat,
Die Hauptlegezeit soll möglichst in die Mo
nate October bis März fallen und die jähr
liche Eierzahl 120—ISO betragen (so lange
im Eierhandel die Eigrösse noch keine Be
rücksichtigung findet, sind für den Eierverkauf
diejenigen Hühner die besten, welche kleine
Eier legen). Ausserdem kommt es nicht auf
das erreichbare Gewicht, sondern darauf
an, dass ein möglichst hohes Gewicht
in kurzer Zeit mit möglichst wenigem
Futter erzielt wird. Erwünscht ist, dass
das Gewicht ca. 2—3 kg, im gemästeten Zu
stand 3—4 kg beträgt. In der Fütterung
muss das Wirthschaftshuhn wenig wählerisch
sein und sich viele Nahrung selbst
suchen. Ferner muss es widerstands
fähig und lebhaft sein, frühe, aber nur ein-
bis zweimalige Brutlust zeigen.
Aufzucht und Fütterung. Bezüglich
Pflege und Wartung während der Brutzeit
und etwaiger Geburtshilfe s. Brüten. Die
Kücken machen je nach Jahreszeit und Rasse
mehr oder weniger Sorge, und es sind Rassen,
deren Junge sich schwer aufziehen lassen,
von der Zucht des Wirthschaftshuhnes aus-
zuschliessen. Es müssen die Kücken in
früher Jahreszeit gezogen werden, weil di»
Entwicklungszeit sonst zu kurz wird. Wenn
die Kücken im Juli ausschlüpfen, wie das
Sprichwort „Unterm Erntewagen gedeihen
die Kücken am besten“ es verlangt, so wer
den sie bei Eintritt der rauhen Jahres
zeit mitten in ihrer Entwicklung
unterbrochen, die dann im kommenden
Frühjahr nur sehr langsam wieder auf
genommen und in sehr unbefriedigender
Weise abgeschlossen wird. Die Thiere bleiben
schwach und klein. Bei der unterbrochenen
und ungenügend vollendeten Körperentwick
lung leiden aber zunächst die Organe zur
Erhaltung der Art, besonders kommt der
Eierstock in seiner Ausbildung zu kurz.
So ist es erklärlich, warum Spätbruten
spät zu legen anfangen und zeitlebens
nur wenige und kleine Eier produ-
ciren.
Bei den Frühbruten ist zu beachten,
dass die Kücken bis zum Eintritt der wär
meren Jahreszeit in geschützten Räumen
bleiben. Man bringt sie in einem warmen
Viehstall so unter, dass sie nicht vom Vieh
verletzt werden; ferner benützt man Mist
beete, deren Fenster jedoch mit Brettern be
deckt werden müssen, wenn die Sonne zu
stark scheint. Auf kleinen Bauernhöfen weist
man den Kücken auch wohl eine Stelle in
der Küche oder gar in der warmen Stube an,
Auch spätere Generationen dürfen in den
ersten Tagen nur bei sonnigem Wetter ins
Freie. Als Glucken käsig nimmt man eine
umgestülpte Tonne ohne Deckel und sägt
in ein oder das andere Brett so grosse Aus-
schnitte, dass die Kücken bequem hindurch
können, die Glucke jedoch nicht fort kann,
— Die zuerst ausgeschlüpften Kücken nimmt

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