Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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zu weiden, damit sie Engerlinge und Larven
hinter dem Pflug auflesen; in den Getreide -
saaten, im Raps vertilgen sie Schnecken,
Erdflöhe, Spinnen, Käfer etc., wovon sie auf
Wiesen und Futterfeldern nach dem ersten
Schnitt gleichfalls wieder eine reiche Ernte
halten. Alsdann kommt die Periode des Brü
tens und der Entwicklung der Jungen, und
wenn diese vorüber ist, bietet die Stoppel
einen ausserordentlichen Reichthum an aus
gefallenen Körnern, Aehren und Samen, die
ihnen ein reichliches Futter bis in den spä
testen Herbst hinein gewähren. Auf diese
Weise verleiht man den Feldern einen Schutz,
der zu gleicher Zeit einen reichlichen Ertrag
gewährt. Bisher war dies unmöglich, weil der
Transport von Hühnerheerden mit allzuviel
Schwierigkeiten verknüpft war; sie auf ge
wöhnlichen Wagen zu transportiren, geht auch
nicht, da sie sich hierauf zu schlecht befin
den und deshalb keine genügenden Producte
liefern. Unser transportabler Hühnerstall
beugt dem vor, indem er den Transport einer
grossen Geflügelheerde erleichtert, überall
nach Bedürfniss erhalten werden kann, weder
das Legen noch das Brüten unterbricht und
ausserdem die Sammlung des Düngers er
laubt, welcher sonst gewöhnlich verlorengeht.
Die Grössenverhältnisse des Feldhühnerstalles
richten sich ganz nach dem Wunsch und dem
Bedürfniss des Eigenthümers. Der unserige,
für ein gewöhnliches Landgut berechnet, hat
eine Länge von 20 Fuss bei 6 Fuss Breite
und 6 Fuss Höhe. Die vordere Abtheilung,
durch eine Wand von dem Hauptraume ge
schieden, mit Eingangsthür und Fenster, nimmt
ungefähr 4 Fuss in der Länge ein und dient
zum Schlafgemach für den Hirten, ebenso zum
Aufbewahrungsraum, unter dem Bett, für
Eierkörbe, Eimer, Schaufeln, Besen und das
Körnerfutter für die Küchlein. Die übrigen
16 Fuss bilden den Hühnerstall, in welchem
400 Hühner und Hähne und 1200—1500 Küch
lein Unterkommen finden; hinten ist eine
Thür, wie bei dem Omnibus, mit einer Klapp
steige, in der Mitte ein Gang, rechts, links
und hinten die Sitzleitern, hinter denselben
drei Reihen über einander für 90 Nester; die
untersten dienen hauptsächlich für die Jun
gen, die zweiten für die Bruthennen, der
dritte Rang für die Legehühner. Unseres Er
achtens vermag ein Arbeiter ohne besondere
Anstrengung drei solcher Hühnerställe voll
kommen zu überwachen und zu übersehen,
sobald sie erst im Felde 300—600 Fuss von
einander entfernt, je nach der Gelegenheit,
aufgestellt sind. Mit dem frühesten Morgen
werden die Hühner herausgelassen, alsdann
reinigt der Hirte die Ställe und die Sitz-
leitern, nimmt die Eier aus den Nestern und
zieht mittelst einer Winde und eines Seiles
die Wagen selbst eine kurze Strecke vor
wärts. Es ist rathsam, den Wagen verschie
denen Anstrich zu geben, damit die Hühner
nicht irre werden und ihre Wohnung sofort
kennen. Gegen Abend sorgt der Hirte für
frisches Wasser, sammelt wieder die Eier,
treibt die Hühner ein und schliesst die Thüren.

Zu jedem Wagen gehört ein Hund, der dar
unter liegt, die Nachtwache besorgt und sehr
leicht abgerichtet werden kann, den Hirten
zu ersetzen, wenn derselbe des Tages über
sich entfernen muss.“
Die Mast des Geflügels und die
Gastration. Auch diesem Zweige der Ge
flügelzucht, welcher wohl der rentabelste ist,
wird bis jetzt in Deutschland nicht die ge
hörige Aufmerksamkeit und Mühe zuge
wendet. Sehr wünschenswerth ist es, dass in
unseren Schaufenstern bald das magere
Federvieh wenigstens halbangefette-
tem Platz macht. Grosse Mengen von jungem
Mastgeflügel werden namentlich von Frankreich
importirt. Gewöhnlich geht der Mästung die
Castration (kapauniren, poulardiren) voran.
Bei uns werden meist nur die männlichen
Thiere, in Frankreich besonders aber eben
falls häufig die weiblichen Thiere castrirt.
Die Operation wird nach Schuster folgender-
massen ausgeführt: „Die zu castrirenden
Thiere müssen einen ganzen Tag vor der
Operation hungern. Man lege das Thier auf
den Rücken und lasse die Füsse von einer
zweiten Person festhalten. Die Eingeweide
gleiten bei der Rückenlage zur Seite und sind
so gegen den Schnitt, den man auf die linke
Weiche macht, gesichert. Der Schnitt wird
gleichlaufend mit dem Rückgrat ausgeführt
und so gross, dass man mit dem Finger ein
dringen kann. Sofort nach dem Schnitt muss
der Finger eingesteckt werden, damit die
Gedärme nicht heraustreten und sich gegen
die Nieren wenden, die im Innern in der
Lendengegend anhaften. Ganz in der Nähe
fühlt der Finger nicht weit von einander zwei
leicht anhaftende, bohnenähnliche Körperchen,
die Hoden, welche leicht abgestreift und zu
der Oeffnung herausgebracht werden müssen.
Die Wunde wird durch einige Stiche zuge
näht und mit Althäasalbe bestrichen. Der
hin und wieder übliche Querschnitt ist nicht
so sehr zu empfehlen. Den Hennen nimmt
man auf gleiche Weise den Eierstock, wel
cher mit der Scheere abgeschnitten werden
muss. Die castrirten Thiere werden einige
Tage gut gefüttert; am ersten und folgenden
Tage gibt man, so lange das Wundfieber
dauert, leichtverdauliche, feuchte Fütterung
(Mehl oder Kleie mit Milch und Käsematten);
vom dritten Tage ab ist Frucht in Menge zu
reichen und hin und wieder bis zur Heilung
nach der Wunde zu sehen.“ Die Behandlung
der Operationswunde besteht in Reinhaltung;
abwechselndes Waschen mit Carbolwasser
oder einer anderen desinficirenden Flüssig
keit oder Bedecken mit Carbolwatte (s. Wund
behandlung) ist zu beachten. Um das Castriren
zu lernen, übe man sich an geschlachteten
Thieren (s. Castration). Das Castriren trifft
in der Regel junge Thiere, die für die Tafel
bestimmt sind, ist aber durchaus nicht
nothwendig. Sind die jungen Hähne ganz
früh von den Hennen getrennt worden, haben
sie noch nicht getreten, so mästen sich diese,
namentlich in Einzelhaft, ebensogut und lie
fern ebenso feines Fleisch als Kapaunen.

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