Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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Auch ist die Mästungszeit so kurz, dass sich
kaum annehmen lässt, dass, zumal die Thiere
in den ersten Tagen an Wundfieber leiden,
ein nennenswerther Vortheil errungen wird.
Ferner ist die Operation schmerzhaft und
besonders bei Hennen gefährlich. Selbst in
Frankreich soll man von dieser Thierquälerei
vielfach abgekommen sein. Der eigentlichen
Mästung, bei welcher die Thiere eingesperrt
werden, muss eine Vormast vorangehen. Es
reichen dann 3—4 Wochen zur Ausmästung
hin, während dieselbe bei sofortigem Ein
sperren sogar länger dauert. Ruhe, Dunkel
heit, freie Circulation der Luft und
selbstverständlich gute Ernährung sind die
Hauptpunkte, welche während der eigent
lichen Mastzeit zu beachten sind. Je mehr man
zur Erfüllung dieser vier Bedingungen bei
trägt, desto weniger Zeit und Futter erfor
dert die Mästung. Das Stopfen des Geflügels
ist hauptsächlich in Frankreich bei Hühnern,
in Deutschland mehr bei Gänsen Brauch,
u. zw. wird es mit der Hand oder mit beson
deren Maschinen vorgenommen. Unter den
Stopfmaschinen verdient die Gaveuse
von Odile Martin in Paris erwähnt zu werden.
Das Mastgeflügel wird in einen drehbaren,
etagenförmig abgetheilten Käfig gesperrt
und der Futterbrei den in den Abtheilungen
einzeln mit Ketten oder Riemen angebun
denen Thieren mit einer Compressionspumpe
in den Kropf gestopft. Als Futtermittel zur
Mast sind zu empfehlen ein Brei aus Ge
treideschrot und Milch, Nudeln aus grobem
Mais- oder Hirsemehl mit Milch angerührt.
In Frankreich spielt die Milchfütterung mit
Zucker eine Rolle und soll diese nicht nur
sehr schnell mästen, sondern ein besonders
schmackhaftes zartes Fleisch liefern. Brot aus
Schrot genannter Früchte und Fleischabfällen
hergestellt, empfehlen wir zu versuchen (vgl.
oben „Aufzucht und Fütterung“). Ein Löffel
Oel oder etwas Schmalz als Zusatz zum
Futter wird oftmals empfohlen, während wir
uns von der Verabreichung dieser den Hüh
nern widerlichen Substanzen keinen Vortheil
versprechen, überhaupt die natürliche Mästung,
welche sich selbst in Mastanstalten neuer
dings mehr einzubürgern scheint, der Anwen
dung der sehr kostspieligen (800 Francs)
Martermaschinen vorziehen. Ein bei Frei
mast in Einzel- oder Gesellschaftskäfigen ge
füttertes Huhn ist auch im Topf einem krank
haften Fettklumpen vorzuziehen. „Ist unser
norddeutscher Geschmack nicht dafür ent
wickelt, dass er die durch Unnatur und Ver
gewaltigung erzeugten Fettkissen an Hühnern
für Leckerbissen hält, so freuen wir uns
dessen und wünschen, dass wir mit dem
Unfug des Stopfens hier stets verschont
bleiben mögen. Wir betrachten das Stopfen
als eine Thierquälerei, die Gaveuse mit ihren
Einrichtungen aber als eine wahre Abscheu
lichkeit. Wirtschaftlich sind diese Methoden
auch verwerflich. Das Thier bedarf, um ge
sund zu bleiben und gut zu verdauen, etwas
Bewegung; es bedarf guter reiner Luft,
Espanet dahingegen verbietet jede Luft

erneuerung der Masträume; es werden die
Thiere in den engen Käfig gesperrt, ,wo sie
sich nicht umdrehen können 1 , und sie müssen
in dunklen Räumen sitzen, denn, so lautet die
Vorschrift, sie müssen vollständige Ruhe
haben, wo aber bleibt die Ruhe, wenn das
Huhn mindestens dreimal täglich aus dem
Käfig herausgenommen, beunruhigt und ge
ängstigt wird? Es sollen sehr kundige, ge
schickte und behutsame Leute das Stopfen
besorgen, wann trifft wohl die Voraussetzung
zu? Meistens mögen es klotzige, rohe'Fäuste
sein, die allerlei Verletzungen ihren Clienten
zufügen. Wie viele Thiere mögen erkranken
und verenden in Folge der Qualen, dass ihnen
fette Nahrung aufgezwungen wird, wenn sie
Widerwillen und Ekel dagegen empfinden!
Endlich ist die ganze Arbeitskraft, die
auf die Zwangsmast verwendet wird, weg
geworfen, da mit der freien Mast nicht nur
dasselbe, sondern Besseres erreicht wird. Wir
wollen auch, dass saubere gemästete Waare
im Schaufenster der Händler liegt oder auf
den Markttischen, aber sie soll aus natür
licher, gesunder, freier Mast hervorgehen.
Wir wünschen, dass unsere Landwirthe oder
vielmehr Landwirthinnen sich der Mast der
Hühner mehr befleissigen und nicht gelegent
lich ein lebendes abgelegtes Huhn oder ein
paar junge Hähne auf den Markt bringen,
sondern schöne, gemästete, ausgeschlachtete
Waare! Lebendes Geflügel müsste überhaupt
von den Wochenmärkten verschwinden, denn
diese Methode enthält Thierquälereien und ist
widerwärtig, und sie verschwindet von selbst,
sobald wirklich gemästet wird!“ (H. Kähler.)
Für frisches Trinkwasser ist stets zu sorgen.
Uebermässige Getränkaufnahme stört die
Mästung. Die Widersprüche in den Angaben
verschiedener Autoren über Fütterung und
Mästung können nur durch vergleichende
Versuche, an denen es fast noch gänzlich
fehlt, beseitigt werden; es ist an der Zeit,
Versuchsstationen für Geflügelzucht
anzulegen. (Ueber die Art des Schlach
ten s s. d.)
Das Eierlegen. Man nimmt an, dass
ein Huhn während seiner ganzen Lebenszeit
im Durchschnitt 600 Eier produciren
kann.Die meisten Eier legt es in dem zweiten,
dritten und vierten Jahre. Im Geburtsjahre
legt es, wenn es einer sehr frühen Brut
entstammt, schon einige, im günstigen Fall
bis 30 Eier, welche jedoch nur klein und zur
Zucht ungeeignet sind. Ist das Huhn im
März ausgebrütet worden, so wird es als»
diese 30 Stück Eier bis zum Februar des
nächsten Jahres liefern; in jedem der fol
genden drei Jahre legt es dann ungefähr
125 Stück Eier, so dass die Summe der in
den ersten vier Lebensjahren gelegten
Eier etwa 400 Stück beträgt. Legt ein
Huhn im zweiten oder dritten Lebensjahre
weit über die angegebene Zahl hinaus, so
wird es in den folgenden Jahren umso
weniger legen, resp. in den vorhergehenden
umsoweniger gelegt haben. Solchen An
gaben, nach welchen Hühner in jedem Jahre

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