Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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Peters gesteht der Hufrotationstheorie
(s. Hufrotation) insoferne einen Fortschritt zu,
als er hei der Belastung die verschiedenen
Fussstellungen beachtet und die ForrnverÄnde
rungen des Hufes daraus hervorgehen lässt.
Endlich sei noch erwähnt, dass auch in
Frankreich Untersuchungen über die Huf
mechanik ausser von Bouley in neuerer Zeit
von Goyau und Sergent angestellt worden
sind, welche sämmtlich zu Gunsten der alten
Theorie sprechen.
Eine Hufmechanik ist also sicher vorhan
den, und von den verschiedenen bisher bekannt
gewordenen Theorien darf die Peters’sche
Depressionstheorie, welche durch Fambach’s
Untersuchungen der Hornblättchen als Bei
trag zur Physiologie der Blättchenschicht des
Pferdehufes eine neue Stütze bekommen hat,
als diejenige betrachtet werden, welche am
meisten geeignet ist, all die Bewegungsvor
gänge, welche sich bei der Be- und Ent
lastung des Hufes abspielen, auf die natür
lichste Weise zu erklären, zumal da die am
lebenden Hufe gemachten Untersuchungen im
grossen Ganzen stark gegen die Rotations
theorie sprechen.
Der Nutzen des Hufmechanismus ist ein
vielfacher: 1. wirkt er stossbrechend, 2. be
fördert er die Elasticität und Schnellkraft des
ganzen Körpers, und 3. fördert er den Zu-
und Rückfluss des Blutes und somit die Er
nährung aller von der Hornkapsel einge
schlossenen Organe und das Wachsthum des
Hufhornes.
Je mehr ein Pferd unter Bedingungen
gestellt wird, welche den Hufmechanismus
begünstigen, desto gesünder erhalten sich
dessen Hufe. Solche Bedingungen sind: Schutz
gegen Austrocknung der Hornkapsel, kein
Beschlag, oder wenn letzterer nöthig wird, ein
solcher, der die Beweglichkeit der Hornwand
so wenig als möglich hemmt und dem Horn
strahle gestattet, am Stützen der Körperlast
theilzunehmen, und viele, aber nicht zu for-
cirte Bewegung. Trockenheit, Ruhe und
schlechter Beschlag hemmen den Hufmecha
nismus und machen die Hufe krank.
Literatur: Bracy Clark, Bau und Verrich
tungen des Pferdehufes, London 1810. — Gloag’s
Untersuchungen, Veterinär!an 1849. — Reeve, eben
daselbst 1850. — Bouley, Traitd du pied etc., 1853. —
Leisering und Hartmann, Fuss des Pferdes etc.,
1886. — Lechner, Monatsschrift des Vereines der Thier
ärzte in Oesterreich 1861, dann in Koch's Revue für
Thierheilkunde und Thierzucht 1881. — Tageblatt der
LIV. Versammlung deutscher Naturforscher, Salzburg 1881.
— Lungwitz und Sch aas, Beitrag zum Hufmechanis
mus, Deutsche Zeitschrift für Thiermedicin, VIII. Band,
p. 98 und 236. — Bayer, Experimentelles über Hufme
chanismus in Koch's Monatsschrift, 1882. — Martinak,
Theorie der Hufrotation, ebendaselbst 1882. — 8täg
lich, Ueber den Mechanismus des Pferdehufes etc.,
Inaugural-Dissertation, Leipzig 1883. — Dominik, Ra
tioneller Hufbesehlag, Berlin 1883. — Peters, Die Form
veränderungen des Pferdehufes etc., Berlin 1883. -—Farn-
bach, Beitrag zur Physiologie der Blättchenschicht des
Pferdehufes. — Lungwitz, Der Hufschmied, 1886. —
Dominik, Lehrbuch über Hufbeschlag, Berlin 1887 Lz,
Hufmessinstrumente. 1. Hufmassstäbe,
Hufmesser, Podometer. Instrumente zum Mass
nehmen für Hufeisen, welche kalt, d. h. ohne
Hilfe eines Schmiedefeuers aufgepasst werden
Koch. Encyklopädie d. Thierheilkd. IV. Bd.

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