Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Vierter Band (Gestüt - Hufzange)
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an den Vordergliedmassen mit fünf unverbun
denen Zehen. Die Schnauze ist spitz. Nächt
liche, geschickt kletternde Thiere, welche sich
von Früchten, Vögeln, deren Eiern und In-
secten nähren. Die Pelze werden benüzt.
Amerika. Didelphys dorsigera, Aeneasratte.
Das Weibchen trägt die Jungen, welche sich
mit ihren Schwänzen an dem der Mutter fest
halten, auf dem Rücken. Der Beutel ist dem
entsprechend weniger entwickelt. Didelphys
opossum, das Opossum, wird in Nordame
rika den Farmern durch seine Räubereien oft
sehr schädlich. Didelphys cancrivosa, der
Krabbenbeutler, u. v. a.
2. Familie der Schwimmbeutler (Chi-
ronectidae). Die fünf Zehen der Hintersasse
sind durch eine Schwimmhaut verbunden;
schwimmen. Die Familie umfasst nur eine
Art, den gebänderten Schwimmbeutler; 23cm.
Lebt an Flüssen Brasiliens. Brüm?ner.
Handflügler (Chiroptera), Flatterthiere,
Flederthiere oder Fledermäuse. Säugethiere
mit vollständigem Gebiss. Mit Händen an
den vorderen Extremitäten, deren Finger mit
Ausnahme des kurzen, bekrallten Daumens
unter einander wie die vorderen und hinteren
Extremitäten durch Flughäute verbunden
sind, auch der Schwanz wird in die Flughaut
mit aufgenommen, welche den Thieren die
Möglichkeit gibt, in der Luft nach ihrem
Raube umherzuflattern. Die Elasticität der
Flughäute und die kolossale Entwicklung der
selben erlaubt sogar eine den Vögeln wenig
nachstehende Gewandtheit der Bewegung
in der Luft. Verschiedene Sonderheiten des
Skelets lassen sich auf das Flugvermögen
zurückführen und zeigen durch ihre Aehnlich-
keit mit der Bildung des Vogelskelets, dass
gleiche Ursachen gleiche Wirkungen
auch im sonst abweichenden Organis
mus hervorzubringen vermögen. Die
Schlüsselbeine sind stark entwickelt, das Brust
bein trägt einen Kamm zur Anheftung der
Flugmuskeln; der Daumen ist meistens zwei
gliedrig; Hinterbeine fünfzehig, mit scharfen
Krallen versehen, welche zum Gehen dienen.
Ober- und Unterschenkel derselben sind im
Verhältnise zu den entsprechenden Beinen
der vorderen Extremitäten sehr kurz. Am
Fersenbein befindet sich ein spornartiger
Fortsatz, Calcar mit Namen, welcher zur
Ausspannung der Schwanzflughaut dient. Der
Schädel hat eine meist rundliche Gestalt mit
wenig entwickelten Leisten und geringer Aus
bildung der Zwischenkiefer. Der im Verhält
nise zu den Gliedmassen auf ein Minimum
reducirte Körper ist länglich gestreckt. Die
zwei vorhandenen Zitzen sind brust
ständig. Der Mutterkuchen ist wie
beim Menschen und den Insecten-
fressern scheibenförmig. Häufig auftre
tende lappenartige Hautanhängsel an Nase
und Ohren verleihen dem Gesicht bisweilen
einen eigenthümlichen Ausdruck und stellen
mit den Flughäuten theilweise den Sitz eines
aufs feinste ausgebildeten Tastsinnes vor.
Auch Gehör und Geruch sind von hervor
ragender Bedeutung. Das Gesicht ist weniger

scharf, nur bei den fruchtfressenden ist es
stärker ausgebildet. Die Augen sind daher
meistens nur klein. Mit Ausnahme der Flug
häute ist der Körper dicht und mausartig
behaart, daher auch der Name Fledermäuse.
Bei einer grösseren Anzahl ist das Haarkleid
des Männchens heller und glänzender als
das des Weibchens. Die Haare zeigen nach
Landois unter dem Mikroskope zahlreiche,
tief einschneidende, schraubenförmige Um
gänge, scheinen bei einigen aus hinter ein
ander gelegenen dütenförmigen Trichterchen
zu bestehen und erinnern insofern an die
Dunenstrahlen der Vögel. Die Handflügler
sind nächtliche Thiere. Unsere einheimischen
nähren sich von Insecten, aussereuro-
päische auch von Früchten oder sie greifen
Säugethiere an, um ihnen das Blut auszusaugen.
Viele halten einen Winterschlaf. Nach dem Er
wachen beginnt bald die Paarungszeit. Sie ge
bären ein bis zwei Junge, welche sie auch wäh
rend des Fluges mit sich tragen, überhaupt sehr
zärtlich behandeln. Wird das Junge grösser,
so verlässt es die Mutter, kehrt aber bis zur
Selbständigkeit immer zu ihr zurück. Alle
Stellungen und Bewegungen sind eigenthüm
lich. In der Ruhe hängen sie an den Krallen
! der Hinterbeine in ihrem Schlupfwinkel, wel
chen ein hohler Baum, der Boden einer
Scheune etc. vorstellt, mit dem Kopfe nach
unten. Beim Gehen oder Klettern humpeln
sie mit eingezogener Flughaut, sich des Dau
mens der Vordergliedmassen bedienend, eigen
thümlich vorwärts. Nach Claus treten Fleder
mäuse bereits im Eocän auf (Rhinolophus
antiquus in den Phosphoriten von Quercy),
ebenso Vespertilio-Arten, welche in tertiären
Resten verschiedenen Alters bis zum Dilu
vium gefunden worden sind. Wahrscheinlich
haben sich die Fledermäuse bereits sehr
frühzeitig von den Insectivoren abgezweigt.
Die Verbreitung ist eine sehr grosse; es fan
den sich Fledermäuse sogar auf Inseln, auf
welchen sonst kein Landsäugethier vorkommt,
u. zw. deshalb wohl nicht, weil kein Land
säugethier über so grosse Meeresstrecken
hinwegkommen kann, welche Fledermäuse
noch zu überfliegen im Stande sind. „Man hat
Fledermäuse bei Tage weit über den Atlan
tischen Ocean ziehen sehen, und zwei nord
amerikanische Arten derselben besuchen die
Bermudasinseln (600 englische Meilen vom
Festlande) regelmässig oder zufällig. Auch
das Vorkommen besonderer Arten auf den
verschiedenen Inseln erklärt sich aus Vor
stehendem. Man braucht nur anzunehmen,
dass solche wandernde Arten durch natür
liche Zuchtwahl den Bedingungen ihrer neuen
Heimat angemessen modiflcirt worden sind,
und man wird das Vorkommen von Fleder
mäusen auf oceanischen Inseln bei Abwesen
heit aller anderen Landsäugethiere begreifen.“
(D arwin).
Zwei Unterordnungen:
1. Frucht fr essende Fledermäuse
(Frugivora) mit 4 früh ausfallenden Vorderzäh
nen, wenig entwickelten Eckzähnen, kegelför
migen Lückenzähnen und starken Mahlzähnen.

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