Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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Wälder und Aecker in mehr oder minder hoher
Schicht bedeckt, und welche das Product der
Verwesung von abgestorbenen Pflanzentheilen
bildet. Die Verwesung ist ein langsamer Oxy-
dationsprocess, durch diesen wird der in der
Pflanzenfaser befindliche Kohlenstoff bei Ge
genwart von Wasser zu Kohlensäure umge
wandelt. Ist die Verwesung der Holzfaser bis
zu einer gewissen Stufe vorgeschritten, so
wird der Rückstand derselben immer schwerer
durch den Sauerstoff der Luft angreifbar, es
bleibt schliesslich eine braune, kohlenartige
Substanz zurück, welche man Moder nennt.
Moder bildet den Hauptbestand des Torfes
und der Braunkohlenlager. Demnach ist Humus
kein chemischer Körper, sondern nur ein Pro
duct der verwesenden Pflanzenfaser, dessen
Zusammensetzung, so lange der Sauerstoffzu
tritt fortdauert, im steten Wechsel begriffen
ist. Im Boden selbst wird der Humus bei Zu
tritt von Luft weiter oxydirt und bildet so eine
Quelle der Kohlensäure, welche wieder in Wasser
gelöst ein Lösungsmittel gewisser, für die Pflanze
unentbehrlicher Bodenbestandtheile — Kalk,
Eisenoxydul — bildet; diese Kohlensäure bildet
auch ein directes Nahrungsmittel für die Wur
zeln der Pflanze. Schliesslich enthält der Humus
als Rückstand verwesender Pflanzenstoffe allen
Stickstoff derselben und stellt in Folge fort
schreitender Zersetzung eine im Boden stets
gegenwärtige Stickstoffquelle dar. Wenn in
dieser Weise der Humus durch seinen fort
schreitenden Zerfall der Pflanze Nährstoffe
liefert, so wirkt er überdies durch seine phy
sikalischen Eigenschaften die Bodenbeschaffen
heit verbessernd, indem er die Erwärmungs
fähigkeit, wasserhaltende Kraft und Porosität
desselben steigert. Namentlich die beiden
letzteren Eigenschaften befähigen den Boden,
die Kohlensäure und NH 3 aus der atmosphä
rischen Luft zu absorbiren und diese den
Pflanzen somit zuzuführen. So erklärt die
directe und indirecte Mitwirkung des Humus
bei der Ernährung der Pflanze die hohe Be
deutung, welche demselben für das Wachs
thum der Pflanze zukommt.
Die chemische Analyse des Humus unter
scheidet in demselben braune Ulmin- und
schwarze Huminstoffe. Sie sind beide in
Wasser löslich: bei Behandlung mit kohlen
saurem Kali geht ein Theil derselben in Lö
sung, während ein anderer Theil ungelöst zu
rückbleibt. Den ungelösten Rückstand bezeich
net man als Ulmin, bezw. Humin. Aus der
Lösung kann man durch Zusatz von Schwefel
säure eine Ulmin- und Huminsäure ab
scheiden. Beide Säuren sind im feuchten Zu
stande im Wasser ziemlich leicht löslich, nach
dem Trocknen aber unlöslich.
Als humusartige Substanzen bezeichnet
man in der organischen Chemie eine Anzahl
von braunen und schwarzen amorphen Körpern
von zumeist schwach saurem Charakter, welche
aus Zucker, Gummi, Cellulose, Eiweiss durch
Einwirkung von Säuren oder Alkalien auf
dieselben entstehen, ohne damit etwa andeuten
zu wollen, dass sie identisch mit dem Ver
wesungsreste der Pflanzenfaser sind; der Name

deutet nur darauf, dass man es mit einem
chemisch nicht endgiltig charakterisirten
Zerfallsproduct jener Stoffe zu thun hat. Lh.
Hund. (Vorgeschichte.) Der Hund ge
hört unter die ältesten Hausthiere, ja er wird
von den meisten Forschem als das erste der
gezähmten Thiere bezeichnet, denn ohne die
Mitwirkung des Hundes würde der Mensch
schwerlich ein so grosses Uebergewicht über
die ganze Thierwelt erhalten und sich die
übrigen nutzbaren Thiere unterworfen haben.
Thatsächlich treffen wir den Hund als treuen
Gefährten und Freund des Menschen bei fast
allen Völkern aller Zeiten, und so weit auch
unsere historischen Nachrichten zurückreichen,
geben sie uns Kunde von diesem so wich
tigen Hausthiere. Ebenso wie der Hund jetzt
über alle Erdtheile und in den meisten
Ländern verbreitet ist, geradeso treffen wir
seine Spuren in längst verflossenen Zeiten,
auch bei Völkern in den ersten Culturanfängen.
So waren schon Hunde in Amerika, ehe der
europäische Haushund durch die Spanier im-
portirt wurde. Humboldt erzählt, dass die
Indianer von Xauxa und Huanca, ehe sie zum
SonnenCultus bekehrt wurden, die Hunde
göttlich verehrten. Ihre Priester bliesen auf
skeletirten Hundeköpfen, und Hundeschädel
und Hundemumien finden sich in den perua
nischen Grabmälern der ältesten Epoche. Bei
den classischen Völkern des Alterthums finden
wir den Haushund in verschiedenen Rassen
und Abarten, welche mit Sorgfalt gepflegt
wurden. So hatten die Römer Haushunde,
Jagdhunde, unseren Windhunden ähnlich, und
auch eine Art von Wachtelhunden. Letztere
liessen sie sich aus Spanien und grosse Dog
gen aus dem fernen Britannien kommen. Aber
nicht nur bei den Römern und Griechen wur
den mannigfache Hundearten gezüchtet, auch
bei den alten Aegyptern war der Hund im
hohen Grade verbreitet und beliebt, und einige
Rassen erhielten nicht allein religiöse Ver
ehrung, sondern wurden sogar mummisirt.
Noch jetzt werden dergleichen einbalsamirte
Cadaver, namentlich von einem mittelgrossen,
rothen, schlichthaarigen Hunde gefunden. Wir
können die Geschichte des Hundes noch weiter,
bis in die prähistorischen Zeiten verfolgen.
Aus den europäischen prähistorischen Fund
stellen wurden zahlreiche sehr interessante
Hundereste zu Tage gefördert. Schon in den
jüngeren prähistorischen Zeiten, also während
der Eisen- und Bronzezeit, hatten die Völker
schaften Europas mehrere Hunderassen, und
dass sie dieselben genugsam würdigten, er
hellt aus so manchen Gräberfunden, in denen
Hunde mit zu den Beigaben der Todten ge
hörten. Verbreitet war der Hund auch schon
in der Steinzeit, wie dies z. B. die Funde in
den Pfahlbauten, Terramaren, in offenen prä
historischen Wohnstätten, Grabstätten, Kjök
kenmöddinger (s. d.) etc. hinlänglich beweisen.
Die ersten Spuren des gezähmten Hundes
reichen sogar bis in die diluvialen Zeiten, da
unzweifelhafte Hundereste mit Knochen aus
gestorbener Thierarten und Spuren mensch
licher Cultur in Höhlen entdeckt wurden.
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