Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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längere Zeit unter Wasser steht, löst sich
wegen gleichzeitiger Bildung von Jodwasser
stoffsäure eine grössere Menge davon mit
brauner Farbe. Das Jod ist nämlich in Wasser,
welches gleichzeitig Jodide enthält, z. B. Jod
kalium oder nur Jodwasserstoffsäure, ziemlich
leicht löslich. Das Jod ist leicht löslich in
Alkohol — Tinctura jodi —, in Aether, u. zw.
in diesen beiden mit brauner Farbe, ferner
leicht löslich in Chloroform, Benzol und
Schwefelkohlenstoff, in diesen drei Lösungs
mitteln mit violetter Farbe. Auf der Haut er
zeugt das Jod braune Flecken. Das freie
Jod färbt eine Lösung von Stärkekleister in
der Kälte intensiv blau. Erhitzt man die
blau gefärbte Jodstärkelösung, so verschwin
det die blaue Farbe, sie kehrt beim Erwärmen
der Lösung wieder. Diese Reaction dient sehr
häufig zum Nachweis des Jod und seiner
Verbindungen, andererseits zum mikroche
mischen Nachweis von Stärke. In seinem
chemischen Verhalten zeigt das Jod grosse
Aehnlichkeit mit dem Chlor und Brom, jedoch
ist die Affinität dieser beiden Halogene zum
Wasserstoff und zu den Metallen eine grössere
als die des Jod, während dieses wieder zum
Sauerstoff eine grössere Affinität zeigt als
das Chlor und Brom.- Daher gelingt es, aus
den Jodiden mittelst Chlor und Brom das
Jod abzuscheiden, während man andererseits
aus der Chlorsäure das Chlor durch Jod zu
verdrängen im Stande ist. Die Verbindungen
des Jod mit Metallen heissen Jodide. Innerlich
genommen wirkt das freie Jod örtlich reizend
und als giftige Substanz, es wird durch den
Speichel und den Harn, auch durch die Milch
in Form von Alkalijodid ausgeschieden.
Jodwasserstoffsäure, JH. Das Jod
verbindet sich mit dem Wasserstoff nicht
direct wie das Chlor, auch nicht bei höherer
Temperatur, auch lässt sich die Jodwasser
stoffsäure nicht analog der Chlorwasserstoff-
säure (Salzsäure) aus Natriumjodid und
Schwefelsäure darstellen. Man erhält sie durch
Zersetzen von Phosphortrijodid mit Wasser
PJ 3 + 3H 2 0 = 3HJ + P(0H) 3
Phosphor- Wasser Jodwasser- phosphorige
trijodid stoffsäure Säure
Man überdeckt zu dem Zwecke amorphen
Phosphor mit einer niedrigen Schichte von
Wasser, fügt Jod hinzu und erwärmt.
Während das Wasser von Jod nur sehr
langsam unter Bildung von Jodwasserstoff-
saure zerlegt wird, ist die dem H 2 0 analoge
Verbindung Schwefelwasserstoff SH 2 durch
Jod sehr leicht in der Weise zerlegbar, dass
sich JH bildet und Schwefel abgeschieden
wird; hierauf beruht die folgende Methode
zur Darstellung der Jodwasserstoffsäure. Es
wird Jod iu Wasser aufgeschwemmt und in
dieses Schwefelwasserstoffgas so lange ein
geleitet, bis alles Jod in Jodwasserstoffsäure
umgewandelt ist, PL8 -j- 2J = 2JH -j- 8.
Es wird vom abgeschiedenen Schwefel
abfiltrirt, und die wässerige Flüssigkeit stellt
eine mehr oder minder gesättigte Lösung von
Jodwasserstoffsäure dar. Die reine Jodwasser-
stofi'säure ist ein farbloses, stechend riechen

des, an der Luft rauchendes Gas, leitet man
das Gas in gekühltes Wasser bis zur Sättigung,
so erhält man eine rauchende Lösung von 2 0
specifisches Gewicht. Wasser absorbirt sein
425faches Volum an gasförmiger Jodwasser
stoffsäure. Eine wässerige Säure von 1'67
specifisches Gewicht enthält 57% Jodwasser
stoffsäure. An der Luft zersetzt sich die Säure
leicht unter Abscheidung von Jod; auch Chlor
und Brom, Salpetersäure zersetzen die Säure
unter Abscheidung von Jod. Wegen ihrer
leichten Zersetzlichkeit wirkt die Jodwasser
stoffsäure auch auf organische sauerstoffhaltige
Stoffs reducirend ein, d. h. sie entzieht ihnen
den Sauerstoff. Dies geschieht stets in der
Weise, dass der Wasserstoff von zwei Molekülen
JH sich mit einem Atom 0 zu H 2 0 verbindet
und J 2 zur Abscheidung gelangt. In der
Weise gelangt man durch Reduction des
Glycerins mittelst Jodwasserstoff zu den
sauerstoffarmeren Allylverbindungen.
Wird in der Jodwasserstoffsäure der
Wasserstoff durch Metalle ersetzt, so entstehen
die Jodide, deren wichtigsten wir an dieser
Stelle anführen wollen: 1. Kaliumjodid,
Jodkalium KJ, Kalium jodatum. Es findet
sich in äusserst geringer Menge im Meer-
wasser in einigen Meerpflanzen, ferner in der
Asche von Seepflanzen. Man erhält es künst
lich durch Abdampfen von Kaliumoxydhydrat
oder Kaliumcarbonat mit Jodwasserstoffsäure,
auch durch Glühen von jodsaurem Kalium
mit Kohle. Das Kaliumjodid krystallisirt in
wasserfreien, farblosen Würfeln, es wird durch
die Berührung mit der atmosphärischen Kohlen
säure etwas zersetzt, wobei sich die Krystalle
gelblich färben. Es ist leicht löslich in Wasser,
ausserdem in 7 Theilen kaltem und 3 Theilen
kochendem Alkohol. Aus einer Jodkalium
lösung macht Chlorwasser oder salpetrige
Säure das Jod frei. Schüttelt man die Lösung
mit Schwefelkohlenstoff, so nimmt dieser das
Jod auf, wobei er violettroth gefärbt erscheint.
Auf dieser Reaction beruht der übliche Nach
weis von Jod im Harn. Jodkalium ist ein viel
gebrauchtes Heilmittel. 2. Natriumjodid.
Krystallisirt bei 30° C. in wasserfreien, leicht
löslichen Würfeln, bei ge wohnlicher Temperatur
jedoch mit zwei Molekülen Krystallwasser in
monoklinen Säulen. 3. Eisenjodür. Ferro-
jodid, Ferrum jodatum FeJ 2 , wird für medi-
cinische Zwecke dargestellt, indem man
56 Gewichtstheile Eisen mit 254 Gewichts
theilen Jod unter Wasser zusammenreibt. Wenn
kein Geruch nach Jod mehr vorhanden, wird
filtrirt und die Flüssigkeit rasch eingedampft.
Es scheiden sich beim Erkalten grüne, aus
FeJ 2 -)- 4H 2 0 bestehende Krystalle aus Durch
Zutritt der Luft wird dieses Salz rasch unter
Aufnahme von Sauerstoff in Eisenoxyjodür
FeOJ 2 umgewandelt.
Von den Verbindungen des Jod mit
Sauerstoff sind • bis nun dargestellt die J o d-
säure J0 3 H, das Anhydrid der Jodsäure
J 2 0 5 und die Ueberjodsäure J0 4 H; sie
bieten bis nun blos theoretisches Interesse. Lh.
Jod, Jodum, Jodina. Jod, neben Chlor
das bedeutendste Halogen der Heilkunde, findet

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