Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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shireschweine gezüchtet und diese Rassen von
dort aus über viele andere Wirthschaften der
Provinz Sachsen verbreitet. Die Hundisburger
Southdownzucht erfreute sich bald des besten
Namens, und mancher Bock derselben wurde
an anderen Orten zur Bildung von Fleisch
schafstämmen benützt. Mehr noch als die
Schafzucht dieses Platzes hat die Schweine
zucht Bedeutung erlangt. Die Berkshirerasse
erschien v. Nathusius ganz besonders geeignet
zur Verbesserung der altdeutschen Land
schweine; ihre Nachzucht konnte sowohl zur
Stallfütterung, wie zum Weidegange mit Vor
theil benützt werden, und sie fand gerade
aus diesem Grunde viele Liebhaber. Die
importirten Fremdlinge zeigten sich bei der
ihnen in Hundisburg zutheil gewordenen ra
tionellen Haltung, zweckmässigen Fütterung
und Pflege stets sehr nutzbar; ihre Accli-
matisation ging dort ohne grosse Schwierig
keiten von statten, und schon nach wenigen
Jahren war Heinrich v. Nathusius in der
Lage, eine grössere Anzahl von Zuchtebern
und Sauen an benachbarte Landwirthe ab
zugeben. Die Hundisburger Zucht erwarb sich
in kurzer Zeit einen so grossen Namen, dass
die Nachfrage kaum befriedigt werden konnte.
Auch noch heute ist die dortige Schweinezucht
eine der besten in der Provinz Sachsen; be
deutender ist jedoch in der Neuzeit die Zucht
von Kammwollmerinos und Hampshiredown-
schafen geworden. Nach dem Tode Heinrichs
v. Nathusius hat sein einziger Sohn das Gut
übernommen; es hat sich derselbe in ver-
hältnissmässig kurzer Zeit als Kammwoll
schafzüchter einen Namen erworben und be
reits mehrfach auf grossen Ausstellungen für
seinejThiere die höchsten Preise errungen. Die
Züchtungstendenz ist: schwere, saltenlose,
leicht ernährbare Thiere (Gewicht der Böcke
im Alter von 12y a Monat 147 Pfund im Durch
schnitt) mit tiefer, kräftiger, für Fabrications-
zwecke gesuchter Wolle. Auf der diesjährigen
(1887) grossen Ausstellung der deutschen
Landwirthschaftsgesellschaft in Frankfurt am
Main fanden die Hundisburger Hampshire
schafe grösste Anerkennung und gehörten
unstreitig mit zu den besten der Gruppe von
schwarzköpfigen Fleischschafen. Die Shorthorn-
zucht hat v. Nathusius jun. aufgegeben und
■sich zur Haltung von Breitenberger oder
Wilstermarschvieh entschlossen. Diese Rasse
zeichnet sich durch gute Milchergiebigkeit
bei befriedigender Mastfähigkeit aus. In Hun
disburg sind in neuerer Zeit beider Schweine
zucht einige Veränderungen vorgekommen;
man hat Blut der grossen weissen Yorkshire-
rasse zur Zucht benützt und auf diese Weise
sehr mastfähige, besonders schnellwüchsige
Thiere erhalten. Freytag.
Hundjus T. A. schrieb 1800 zu Witten
berg eine Dissertation über eine Seuche der
Katzen. Semmer.
Hundswürjjer, s. Cynanchum.
Hundswuth, Tollwuth,Wasserscheu,Hydro
phobie, Wuthkrankheit. Rabies, Lyssa (köoaa);
Rage, Hydrophobie, Phobodipsie, Toxicose
rabique, tetanos rabique (französisch); Cavine

madnes (englisch); Rabbia, Idrofobia (ita
lienisch)'; Rabia (spanisch); Beschenstwo (rus
sisch). Eine dem Hundegeschlecht (Hund,
Wolf, Fuchs) eigenthümliche Krankheit, die
durch den Biss auf den Menschen und alle
Hausthiere übertragbar ist.
Historisches. Die Wuth ist seit
altersher über die ganze Erde verbreitet
gewesen und war schon den alten Cultur
völkern, den Aegyptern, Juden, Griechen und
Römern sehr wohl bekannt. Sie wird von
Demokrit 400 v. Chr., dann von Aristoteles,
Plutarch und Xenophon beschrieben. Aristo
teles schloss irrthümlicherweise eine Ueber-
tragung der Hundswuth auf den Menschen
aus. Celsus (50 v. Chr.) dagegen beobachtete
eine Uebertragung der Krankheit auf Men
schen durch den Biss toller Hunde, bezeich
nete dieselbe beim Menschen als Hydrophobie
und empfahl zur Vorbeugung einer Ansteckung
die Excision oder Cauterisation gebissener
Stellen. Ausser Celsus beschäftigten sich mit
der Hundswuth in Rom Dioscorides, Plinius,
Galen, Caelius Aurelianus und lieferten ein
gehende Beschreibungen derselben. Während
des Mittelalters finden sich nur bei den
Arabern (Ehazes, Avicenn a) eingehendere Beob
achtungen über die Wuth. Erst im XVI. Jahr
hundert treten wieder eine Reihe Schrift
steller über Hundswuth hervor, wie: Mer-
curialis, Durey, Hamei, Greve, Meads Boer-
have, van Swieten, Hunter, und von neueren
Autoren über Wuth sind hervorzuheben:
Meynel, Sauter, Waldinger, Delabere-Blaine,
Greve, Hertwig, Pillwax, Röll, Magendie,
Brechet, Trolliet, Youatt, Bouley, Renault,
Rey, Virchow, Sanson, Bourrel, Leblanc,
Pasteur, Gibier, Galtier. Von grösseren
Wuthepizootien mit ungewöhnlicher Ver
breitung sind zu nennen eine solche im
Jahre 1586 in Italien, Oesterreich-Ungarn
und in der Türkei, zusammen mit der Pest,
1890 in Montbeliard; 1691 beschreibt Ra-
mazzini eine Wuthepizootie in Italien. Ferner
trat eine solche auf 1712, zusammen mit
Milzbrand; 1722 verbreitete sich die Wuth
in Schlesien und Ungarn. In den Jahren
1604, 1719, 1789, 1763 und 1774 trat die
Wuth in grösserer Verbreitung in verschie
denen Ländern Europas auf, 1776—1778
herrschte sie auf den Antillen, 1779, 1785
und 1797 in Nordamerika, 1783 in Jamaica,
1803, 1804 und 1807 in Peru. 1803 erschien
die Wuth unter den Füchsen in der Schweiz
und verbreitete sich von da 1804 nach Baden
und Württemberg, 1819 nach Bayern, 1821
nach Thüringen, 1824 nach Hessen; von den
Füchsen wurden Hunde und andere Haus
thiere, Geflügel und Menschen gebissen und
inßcirt. In den Jahren 1813 und 1818 war
die Wuth in der Ukraine und in Podolien
stark verbreitet und wurde von Marochetti
beschrieben. In Wien trat die Wuth auf in
den Jahren 1814, 1838, 1841, 1842, 1843.
1862, 1867, 1873—1876; in Kopenhagen 1815,
in Holland 1822, in Berlin 1823 und 1824,
in Schweden, Norwegen, England und Russ
land 1824, in Dresden 1829 und 1838, in

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