Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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entnommen. Die Stutenmilch ist reich an Milch
zucker (bis 6%), welcher nach Umwandlung
in die direct gährungsfähige Galactose durch
Hefe die alkoholische Gährung unter Bildung
von Alkohol und Kohlensäure einzugehen ver
mag. Nach Verlauf dieser alkoholischen Gäh
rung, welche mit frischer Stutenmilch stets
durch Hinzugabe von etwas altem, in Gährung
befindlichem Kumys oder von an der Sonne
etwas abgetrocknetem Kumysabsatz eingeleitet
wird, besitzt die ausgegohrene Flüssigkeit weiss-
liche, milchige Farbe, einen säuerlich pikan
ten Geschmack und moussirende Beschaffen
heit. — Der Kumys wird von den Aerzten in
neuerer Zeit als ein sehr geeignetes, diäteti
sches Nahrungsmittel besonders für Lungenlei
dende und Reconvalescenten empfohlen; er ent
hält alle Nährstoffe in leicht verdaulicher Form,
regt die Verdauungsthätigkeit an und begün
stigt den Fettansatz. Seine mittlere Zusammen
setzung ist: Wasser 91'LO, Alkohol 2 36, Koh
lensäure 0'92. Fett 1 23, Eiweiss 1 91, Milch
säure P02, Milchzucker 104, Asche 0 32 Pro-
cent. Feser.
Kunde, s. Altersbeurtheilung der Haus
thiere.
Kunstadt. Auf der in Mähren gelegenen
Besitzung Kunstadt, des Freiherrn Kuno v.
Honrichs, wird von demselben ein zwar kleines,
aber durch die jährliche Abgabe einiger Be
schäler an den Staat beachtenswerthes Gestüt
unterhalten.
Der gesammte Flächenraum des Besitzes
beträgt bei 8000 doch —2723 84 ha, von denen
etwa 1500 Joch — 820 09 ha Nadelholzwal
dungen sind. Der Boden ist hügelig und be
steht theils aus schwerem, kaltgründigemLehm,
theils aber auch aus Sand. Die für die Pferde
benützten Weiden umfassen an 3 Joch —l'70ha.
Die Zahl der vorhandenen Pferde beträgt
45 Stück, davon sind 8 Mutterstuten, die
halbscheidlich edleren Rassen und schweren
Schlägen angehören. Die meisten Pferde sind
Rothschimmel mit verschieden gefärbtem Lang
haar. Zur Bedeckung der Stuten werden Staats
hengste mannigfacher Rassen, wie Ardenner,
Norfolk er, Norier, auch Vollblutbeschäler be
nützt. Nach 5—6 Monaten werden die so
gezogenen Fohlen, zu denen alljährlich einige
Saugefohlen schwerer Schläge von den bäuer
lichen Besitzern der Umgegend angekauft
werden, von den Müttern getrennt und im
Sommer auf geeigneten Weiden gehalten,
darauf in Laufställen bei pro Kopf täglich
3 kg Hafer, 5 kg Heu und einigen Möhren
überwintert. Auch neben der Weide wird den
Fohlen etwas Hafer verabreicht, — Die Auf
zucht wird meist für die eige
nen Wirthschaftszwecke, auch
als Reit- und Wagenpferde
verwendet, daneben werden
Zuchtpferde und wie bereits
erwähnt alljährlich einige,
etwa zwei Hengste als Be
schäler an das Aerar verkauft.
Mit der Aufzucht von Fi e- 1086 -
Fohlen aus Landstuten nach ^eiche^fnr
ärarischen Hengsten wurde kunstadt.

hier durch Freiherrn Josef v. Honrichs im
Jahre 1850 begonnen und diese seitdem in
ungefähr dem gleichen, gegenwärtigen Um
fange fortgesetzt.
Als Gestütbrandzeichen kommt ein K.,
Fig. 1086, in Anwendung, dasselbe wird auf
den rechtsseitigen Rippen aufgedrückt.
Die hier unterhaltene Rinderheerde be
steht aus 60 Kühen der Berner Rothschecken,
und die Schäferei zählt 100 reinblütige South-
down-Schafe. Grassmann.
Kunstdünger. Ausser den unter „Dünger“
bereits vorgeführten künstlichen Düngerarten
soll hier nur über die wichtigsten derselben
bezüglich des Ankaufes und der Anwendung
das Nöthige mitgetheilt werden.
1. Superphosphate. Den Hauptwerth
bestandtheil der Superphosphate bildet die
in Wasser lösliche Phosphorsäure, weshalb
man den Gehalt an dieser als den haupt
sächlichsten Werthmesser für die Superphos
phate ansehen muss. Die in Wasser unlös
liche, aufgeschlossene (sog. zurückgegangene)
Phosphorsäure steht erheblich niedriger im
Werth, weil sie sich selbst unter günstigen
Bodenverhältnissen nur sehr langsam im
Boden verbreiten und zur Wirkung kommen
kann; höher als zum halben Werth der in
Wasser löslichen darf diese Phosphorsäure
nicht gerechnet werden. Bei den Control
untersuchungen wird auch nur der Gehalt
an in Wasser löslicher Phosphorsäure be
rücksichtigt, erst auf besonderen Wunsch
des Käufers oder Verkäufers wird, um in
zweifelhaften Fällen eine Entscheidung zu
treffen, auch die in Wasser unlösliche, auf
geschlossene Phosphorsäure bestimmt. Die
dritte in den Superphosphaten enthaltene
Verbindungsform der Phosphorsäure, die
„unaufgeschlossene“, ist wegen ihrer Schwer
löslichkeit so gut wie ganz unwirksam und
bei der Bewerthung der Superphosphate
nicht mit in Rechnung zu stellen.
Um die Preiswürdigkeit eines Super-
phosphates zu beurtheilen, muss man sich
berechnen, auf wie viel Pfennige das halbe
Kilo lösliche, resp. aufgeschlossene Phos
phorsäure in den verschiedenen Sorten Super
phosphat zu stehen kommt, und bei dieser
Rechnung wird man finden, dass die hoch-
percentigen Superphosphate mit hohem Cent-
nerpreis verhältnissmässig die billigsten sind,
weil man in ihnen die lösliche Phosphor
säure am wohlfeilsten kauft.
Berücksichtigt man hiezu, dass auch
die Frachtkosten sich bei hochgradigem
Superphosphat verhältnissmässig geringer
stellen — denn der Transport von z. B.
1 Centner 20%igem Superphosphat kostet
nur halb so viel, als der von 2 Centnern
einer 10°/ o igen Waare —, so wird sich der
Gebrauch hochpercentiger Superphosphate
ganz vorzugsweise empfehlen.
Unsere Consumvereine kaufen die Super
phosphate nur nach dem durch Controlana-
lyse festgestellten Gehalt an in Wasser lös
licher Phosphorsäure, aber auch denjenigen
Landwirthen, welche zur Zeit noch keine

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