Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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Nerven innerhalb des gleichen Nervenstam
mes und im Gefolge anderer, namentlich
motorischer Nervenfasern. Mit diesen ver
lassen sie in der Regel auch das centrale
Nervensystem, ein kleiner Theil direct das
Gehirn, die Mehrzahl das Rückenmark durch
die ventralen Nervenwurzeln. Viele unter ihnen
treten nicht direct an die ihren Verbreitungs
gebieten entsprechenden Spinalnerven, son
dern passiren, wie insbesondere die Vaso
motoren der Eingeweide, zunächst den Sym-
pathicus, um von dessen Ausläufern den
zugehörigen Gefässverzweigungen direct oder
unter Inanspruchnahme noch anderer Nerven
bahnen zugeleitet zu werden.
So erhält der Kopf seine Vasomotoren
nur zum weitaus geringeren Theile direct
durch Hirnnerven (durch den Trigeminus, Hy-
poglossus und Lingualis Vasoconstrictoren für
Auge und Zunge, Vasodilatatoren für Nase,
Lippen, Backen- und Zahnfleisch), die Mehr
zahl derselben treten vom Hals- und nasalen
Abschnitte des Dorsalmarkes an das erste
Brust- und untere Halsganglion zum Hals-
sympathicus und durch diesen cranialwärts
weitergeleitet, vorzugsweise zum Trigeminus,
der sie am Kopfe weitervertheilt. Die parie
talen Aeste der Rumpfnerven führen sie den
parietalen Gefässgebieten zu (so die Inter-
costalnerven den Zwischenrippenarterien etc.),
die Eingeweide erhalten sie abgesehen von
einigen in dem Vagus verlaufenden Vasocon
strictoren für Lunge und Darm, insbesondere
durch den N. sympathicus; durch seine Ver
bindungen mit dem unteren Halsmarke er
hält dieser die vom 1. Brustganglion an die
Lungen tretenden Fasern, sein Eingeweide
nerv, einer der wichtigsten Vasomotoren,
führt sie vom Hals- und Brustmarke zu den
Baucheingeweiden, namentlich auch Leber,
Milz, Nieren. Die Extremitäten bekommen
ihre Vasomotoren zum kleineren Theil direct
mit den ventralen Nervenwurzeln aus dem
Rückenmarke, zum grösseren Theile werden
sie den betreffenden grossen Extremitäten
nerven durch Vermittlung des Sympathicus
zugesandt.
Genauer sind in ihren Wirkungen stu-
dirt von den Vasoconstrictoren der Halssym-
pathicus, die Eingeweidenerven, darunter auch
die der grossen Drüsen. Durchschneidung beider
Splanchnici lässt die Blutgefässe der Bauch
höhle sich so bedeutend erweitern, dass in
ihnen starke Blutfüllung und Anstauung, in
anderen Theilen aber Anämie eintritt; Rei
zung des peripheren Rumpfes dagegen er
zeugt unter Contraction der Bauchgefässe
starke, u. zw. allgemeine Blutdrucksteigerung
und Herzbeschleunigung. Von den Vasodilata
toren sind diejenigen einiger Kopfpartien, in
sonderheit der Submaxillar- und Sublingual
drüse in der Chorda tympani näher studirt
und ausserdem die in den Nn. erigentes
penis verlausenden, dem Sacralgeflechte ent
stammenden Fasern. Während Reizung jener
die Blutmengen in den genannten Drüsen
durch Gelassdilatatoren und damit auch die
Stromgeschwindigkeit vermehrt, bedingt Rei

zung des peripheren Stumpfes der Erections-
nerven stärkeren Blutzufluss zu den Räumen
des Corpus cavernosum penis. — Der Erre
gungszustand der vasomotorischen Nerven
ist naturgemäss von demjenigen ihrer Centra
abhängig; danach befinden sich die Vaso
constrictoren in einem Tonus ebensowohl
wie die vasoconstrictorischen Centra, wäh
rend die Vasodilatatoren nicht tonisch er
regt sind und ihre Durchschneidung deshalb
auch nicht von Gefässverengerung beant
wortet wird.
Auf die Gefässcentra wirken nachweis
lich auch Reize, welche, an der Peripherie
applicirt, erst dem Centralnervensystem zu
geleitet werden müssen, um einen Erfolg in
der Gefässweite zu erzielen. Daraus geht
hervor, dass die Vasomotorencentra auch
von centripet all eiten den Nervenfas ern
erreicht werden, welche die Uebertragung
jener peripheren Reize übernehmen. Dieselben
übermitteln entweder auf die Vasoconstric-
torencentren und rufen dann Gefässverenge
rung, Blutdrucksteigerung mit Zu- oder
Abnahme der Herzfrequenz hervor, danach
heissen sie pressorische Nerven — oder
sie veranlassen unter Zuleitung der Reize zu
den Vasodilatatorencentren Gefässerweiterung
und Blutdruckabnahme und heissen danach
depressorische Nerven. Pressorische Wir
kung haben zunächst wenigstens fast alle in
Erregungszustand versetzten sensiblen Ner
ven; depressorisch wirkt vorzugsweise der
Nervus depressor des Vagus, ein Nerv,
welcher sein peripheres Ende im Herzen hat
und von dort, durch vermehrten Blutdruck,
gereizt, centripetal durch den Vagusstamm
zum Gehirn emporleitet, um durch Minde
rung des Tonus des Vasoconstrictorencentrums
allgemeine Gefässdilatation und damit Blut
drucknachlass herbeizuführen. So dürfte er
zum wichtigsten Regulator des Blutdruckes
werden, der durch seine Thätigkeit den in
Folge vasomotorischer Erregung gesteigerten
arteriellen und intrakardialen Druck auf ge
wisser mittlerer Höhe zu erhalten und jede
Steigerung durch seine hemmende Wirkung
zu beseitigen im Stande ist.
Die Gefässcentra und damit auch die
Gefässnerven stehen unter der Einwirkung
zahlreicher directer und indirecter Reize.
Auch sie wirken theils pressorisch, theils
depressorisch. Als die wichtigsten unter ge
wöhnlichen Verhältnissen wirkenden Reize
gelten: der Gasgehalt des die Medulla
oblongata durchströmenden Blutes; Dyspnoö
und gesteigerte Venosität des Blutes, sowie
CO,-Anhäufung im Hirn etwa durch Caro-
tidenunterbindung rufen Blutdrucksteigerung
durch Gefässverengerung und Erhöhung der
Stromgeschwindigkeit hervor. Psychische
Affecte, Schreck, Angst, Scham, wirken
bald gefässverengend (Erblassen), bald ge-
fässerweiternd (Schamröthe); Landois ver
muthet, dass von der Grosshirnrinde Verbin
dungsfasern durch die Pedunculi cerebri zu
dem Centrum in der Oblongata geführt wer
den, die dessen Thätigkeit verstärken oder

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