Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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abschwächen können und damit auch auf die
Wärmebildung influiren. Reflectorische Er
regungen des Vasoconstrictorencentrums geben
sensible Reize ab, Schmerzerzeugung in
der Haut, Reizung der sensiblen Fasern des
Ischiadicus wirken pressorisch.
Die Besässe verharren auch im intacten
Körper nicht dauernd auf gleicher Weite,
vielmehr zeigen sie „periodisch-regulatorische
Bewegungen“ (Schiff), welche die Blutfüllung
des Organes abhängig von seinem Ernährungs
bedürfniss und von äusseren Einflüssen
schwanken lassen. So soll namentlich auch
der Kältereiz direct Verengerung, Wärme
und starke mechanische und chemische Rei
zung Erweiterung der Besässe im Reizge
biete nach sich ziehen.
Nächst dem Einfluss, den die pres
sorisch und depressorisch wirkenden Reize
auf die Erscheinungen des Blutkreislaufes
(Blutfüllung, Druck, Geschwindigkeit und
Herzthätigkeit) äussern, wirken sie auch auf
die Temperatur des betreffenden mehr
oder weniger stark gefüllten Körpertheiles
und eventuell auf die Gesammtwärme des
Körpers. Stärker gefüllte Körpertheile zeigen
erhöhte Temperatur, durch Reizung der Vaso-
constrictoren anämische Theile fühlen sich
kühler an. Lähmung der Vasomotoren in um
fangreichen Gebieten der äusseren Körper
bedeckung lässt die Körpertemperatur ab
nehmen, kalte Umgebung hebt sie durch
Verengerung der Hautgefässe und secundäre,
geringere Wärmeabgabe. Sussdorf.
Krempemarsch Rind, s. Breitenburger
Vieh.
Kreuzlahme, s. Lähme.
Kreuzung. Werden Thiere von verschiede
ner Körperforra und Leistung, also beispiels
weise Thiere verschiedener Rassen oder Schläge
mit einander gepaart, so nennt man diese
Zuchtmethode Kreuzung im Gegensatze zur
Methode der Reinzucht, bei welcher Thiere
gleicher Rasse oder gleichen Schlages ge
paart werden.
Man bedient sich hauptsächlich in drei
Fällen der Methode der Kreuzung:
1. ) Um einen gewissen Grad der Ver
edelung in den Nachkommen hervorzubringen.
Solche auf die Verbesserung gewisser Eigen
schaften hinzielende Abänderungen erreicht
man in der Regel durch Einführung fremder
männlicher Zuchtthiere und Paarung der
selben mit den weiblichen der betreffenden
Heerde.
2. ) Zum Zwecke der Blutauffrischung,
um die durch eine unvorsichtig angewandte
Inzuchtmethode hervorgerufenen Erscheinun
gen, welche sich durch eine hinfällige Körper
constitution und durch eine gewisse geringe
Widerstandsfähigkeit der Körpergewebe gegen
über verschiedenen Schädlichkeiten, sowie durch
geringe Fruchtbarkeit zu erkennen geben,
wieder gutzumachen.
3. ) Um bestimmte Gebrauchsthiere zu
erzeugen, in welchem Falle man meist von
der Vererbungsfähigkeit der Eigenschaften
ganz absieht, wie z. B. bei der Paarung von

Pferd und Esel, deren Nachkommen ja un
fruchtbar sind.
In der Mehrzahl der Fälle, bei welchen
die Kreuzung in Anwendung kommt, handelt
es sich um die Verbesserung, Veredlung
einer aus gemeinen Mutterthieren bestehenden
Heerde durch wohlgebaute, mit erprobter
sicherer Vererbungsfähigkeit und mit vor
züglichen Leistungen ausgestattete männ
liche Zuchtthiere. Dass mit besonderer Vor
liebe gerade die männlichen Zuchtthiere zur
Veredlung einer Heerde verwendet werden,
findet seine Begründung in der Thatsache,
dass die ' in Üebertragung hervorragender
Eigenschaften auf die Nachkommen bestehende
Veredlung viel rascher von Seiten des männ
lichen Zuchtthieres durchgeführt wird, als
es von Seiten der Mutter ermöglicht ist,
welche bei den meisten unserer Hausthiere
nur 1—2 mal des Jahres Junge bringt. —
Besondere Beachtung verdient hierbei die
Anpassung des verwendeten fremden Zucht
thieres an die klimatischen Verhältnisse, so
wie an die Lebensweise der zu veredelnden
Heerde überhaupt, weil die Wahrscheinlich
keit der Vererbung werthvoller Eigenschaften
nur im Falle stattgefundener Anpassung vor
handen ist. Im anderen Falle treten häufig
die sog. Rückschläge auf, d. h. die Nach
kommen der gepaarten Thiere besitzen Eigen
schaften, welche die Voreltern der letzteren
einst besessen hatten, und welche meist durch
aus unerwünscht sind.
Was nun die Kreuzungsproducte, die
Thiere gemischten Blutes betrifft, so kenn
zeichnet sie eine gewisse Unsicherheit in der
Vererbung, weshalb sie auch häufig nicht
gerne zur Zucht verwendet werden.
Besondere Vortheile bietet die Kreuzung
überall dort, wo es sich darum handelt, bei
Thieren die constitutioneile Kraft zu heben,
sie widerstandsfähiger zu machen und ferner,
wo es gilt die Fruchtbarkeit zu erhöhen. Be
züglich des letzteren Punktes hat man spe
ciell bei Schweinen und auch bei Hühnern
reichlich Gelegenheit sich von seiner Richtig
keit zu überzeugen. Auf Grund langjähriger
Beobachtung und zahlreicher Wägungen er
brachte Zürn den Beweis, dass bei Hühnern
die aus Kreuzungen hervorgegangenen Thiere
die meisten und schwersten Eier legen. Auch
bei der Production guter Gebrauchsthiere,
z. B. zäher, kräftiger Arbeitsthiere leistet die
Kreuzung gute Dienste, weil in der Mehrzahl
der Fälle die aus einer einmaligen Kreuzung
hervorgegangenen Thiere sich physisch durch
bessere Entwicklung auszeichnen. Solche
Kreuzungsproducte übertreffen in der Regel
beide Elternthiere (auch wenn dieselben ver
schiedenen Arten angehören sollten) an Körper
grösse. Beispielsweise lieferten die Kreuzungen
von Berner Stieren mit Kühen des Ungarischen
Steppenviehes ganz vorzüglich für schwere Ar
beit passende, durch ungewöhnliche Grösse und
Stärke ausgezeichnete Thiere. Adametz.
Kronentritt. Durch mechanische Einwir
kungen bedingte Verletzungen aller Grade des
Kronenwulstes werden Kronentritte genannt.

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