Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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liehe Medication umstimmender Mittel, wie
Fischthran, Schwefel, Spiessglanz und Arsenik
präparate, zu erreichen (s. Fischschuppen
bildung). Anacker.
Icterogen, ein von Kühn so genannter
fermentartiger Körper, welcher der Lupinen
krankheit (s. Icterus) gleiche oder ähnliche
Erscheinungen zu erzeugen vermag, und der
mittelst Glycerin aus giftigen Lupinen nach Ver
suchen von Kobert und Liebscher extrahirbar ist.
Literatur: Dr. Herrn. Pütz, Compendium der
praktischen Thierheilkunde. Koch.
Icterus s. Icterepatitis, die Gelb
sucht oder der gallige Zustand (von
txTEpo?, ein gelber Vogel; -f^ap, Leber), cha-
rakterisirt sich durch eine mehr oder weniger
intensive Gelbfärbung der organischen Gewebe
mit Gallenfarbstoffen oder mit Hämatoidin
und Bilirubin. Je nach der Natur dieser Farb
stoffe unterscheidet man den Icterus als
hepatogenen, wenn sie der Leber entstam
men, und als hämatogenen, wenn sie aus dem
Blute oder, richtiger ausgedrückt, aus den
zerfallenen Blutkörperchen hervorgingen. Ein
weiteres Unterscheidungsmerkmal hat man
aus der Schwere der Zufälle hergeleitet; man
unterscheidet hienach eine gutartige und eine
bösartige oder schwere Gelbsucht, Icterus
levis und Icterus gravis; letzterer entsteht
ganz besonders bei Pferden und Schafen
nach der Verbitterung von Lupinen, weshalb
er mehr unter dem Namen „Lupinosis“
bekannt ist. Da wir die Entstehung, die
Symptomatologie, den Verlauf und die Be
handlung der gutartigen Form der Gelbsucht
bereits in den Artikeln Gallenfieber, Gallen-
infection des Blutes, Gallenpigmente und
Gallenprobe beschrieben finden, so be
schäftigt uns an diese Stelle nur die
bösartige Form, der Icterus gravis.
Flint hat die schwere Form des Icterus
auf Zurückhaltung des Cholesterins im Blute
zurückgeführt. Müller (Archiv für experim.
Pathol. 1874) gelang es thatsächlich, nach
Injectionen von Cholesterin in das Blut der
Kaninchen Cholämie in Form eines typhösen
Collapsus oder unter Irritations- und Depres
sionserscheinungen zu erzeugen. Bei einem
fettig-körnigen Zerfall der Leberzellen, wie
er in der acuten gelben Leberatrophie ge
geben ist, wird die Gallenbereitung unter
drückt und die Ausscheidung des Cholesterins
sistirt; das Gleiche bewirken Leberkrebs und
Thrombosis in der Pfortader, öfter auch In-
fectionskrankheiten und Intoxitacionen. In letz
terer Beziehung sind besonders mit Schimmel
pilzen besetzte Futterstoffe, z. B. Heu, Stroh,
Kaff, verdorbene oder von angefrorenen Kar
toffeln bereitete Schlempe und verdorbene
Lupinen hervorzuheben. Schlechte Weiden,
nasskaltes Wetter und dunstige Stallungen
disponiren zum Icterus. Die Massenerkran
kung von Schafen an Icterus beruht nach
Zürn's Untersuchungen (Vorträge für Thier
ärzte, 2. Serie, 7. Heft) unzweifelhaft auf dem
Genusse befallener Lupinen; er fand am Lu
pinenheu kugelige, mit Spitzen versehene Kör
perchen, wahrscheinlich Sporen von Sepedo-

nium mycophilum, Sporen, Myceilen und
Conidien von Pleospora herbarum, Köpfchen
von Aspergillus glaucus, auf den behaarten
Lupinenhülsen ein zartes Mycel, an den
Hülsen Penicillium glaucum, an den Schoten
Botrytis vulgaris etc., also Befallungspilze
verschiedener Art; sie bedingen pathologische
Veränderungen in den Organen, besonders
eine Hepatitis, welche tödtlich werden kann;
Auch Brefeld kam zu demselben Resultate,
er fand auf den schädlichen Lupinen Fumago
und Pleospora, Cohn Pykniden in schwarzen
Flecken, ebenso Eidam. Dagegen wurde von
Prof. Kühn und Dr. Liebscher in Halle (Be
richte des landw. Institutes der Univ. Halle
1880) nachgewiesen, dass ein durch Glycerin
extrahirbarer Stoff, erzeugt durch sapro-
phytische Pilze, in den verdächtigen Lupinen
vorkommt, der Icterus gravis hervorbringt
und Ictrogen genannt wurde. Das Dämpfen
der Lupinen zerstört diesen Stoff, der auch
im Lupinenstroh enthalten ist; er soll mit
dem Coniin verwandt sein und wurde von
Eichhorn Lupinin genannt. Nach den Unter
suchungen Brümmer’s ist der krystallisirte
Lupinenbitterstoff kleinen Thieren unschäd
lich, dagegen soll der unkrystallisirte Bitter
stoff ein starkes Gift sein. Prof. Dieckerhoff
(Meyer’s Convers.-Lexikon 1880—81) beob
achtete, dass die Lupinen nur wenige Wochen
ihre schädliche Wirkung äussern; nur der
Hunger treibt die Schafe an, ältere Lupinen
zu gemessen, sie werden dann kachektisch,
anämisch. Er kam zu der Ansicht, dass die
Pilze nur in einer bestimmten Entwicklungs
phase ein Gift erzeugen, welches Icterus,
parenchymatöse Leberentzündung, Fettinfil
tration in derselben, Fieber und acute Blut
vergiftung zu Stande bringt. Die Lupinen
können scheinbar gesund und dennoch von
Pilzen befallen sein. Die an der Hannover
schen Thierarzneischule von Dr. Arnold und
Dr. Lemke in dieser Sache angestellten
Versuche führten zu dem Resultate, dass
Pilze die Ursache der Lupinose abgeben, das
Wesen derselben in einer Lähmung der Gallen-
und Harnblase mit ihren Folgen bestehe, eine
Ansicht, der auch Prof. Dammann huldigte
(Jahresber. der Thierarzneisch. zu Hannover
1879—80), von Anderen aber bestritten wird,
Nach Prof. Ranke wirken die in das Blut
übergetretenen Gallensäuren lähmend auf die
Gesammtmuskulatur des Körpers. Campani
erhielt, wie Siewert von Lupinus albus ein
Alkaloid ähnlich dem Dimethylconidrin, ein
Gift, das nach den Versuchen von Albertoni
und Luciani die Nerventhätigkeit aufhebt
und auch die Contractilität der Muskeln ver
nichtet (Centralbl. für medicin. Wissensch,
1881) . Die in der Thierarzneischule zu Berlin
unter Prof. RolofFs Leitung angestellten Ver
suche eruirten, dass die Lupinose mit der
acuten gelben Leberatrophie und der acuten
Phosphorvergiftung beim Menschen überein
stimmt; den Ausgang macht der Tod binnen
8—14 Tagen oder meistens eine unvoll
ständige Genesung mit partieller Atrophie
der Leber; eine Lähmung der Gallen- und

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