Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Fünfter Band (Hugue - Langlois)
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Harnblase konnte hier nicht constatirt werden.
Durch Erhitzen der Lupinen auf 120° C. und
■vierstündiges Dämpfen wurde die giftige
Wirkung abgeschwächt, aber nicht vernichtet;
längeres Lagern der Lupinen an trockenen
Orten schien die Schädlichkeit derselben zu
vermehren. Als giftige Substanz wird eine
organische Säure oder ein Glycosid vermuthet
(dasselbe Centralbl. 1881). Departementsthier
arzt Erdt und Schmelz halten den Frost für
das beste Mittel, die Lupinen von den schäd
lichen Eigenschaften zu befreien. Nach Kühn
lässt sich das Icterogen durch zweitägiges Aus
laugen in Wasser unter öfterem Umrühren
aus den Lupinen entfernen, ebenso durch
24stündiges Einlegen der reifen Lupinenkörner
in heisses Wasser; er gibt den Rath, den
Schwerpunkt des Lupinenbaues in die Körner
gewinnung zu legen, wobei die Lupine nichts
an Werth verliert und eine einträgliche Nutz
pflanze des Sandbodens bleibt (Neue Zeitschr.
für Yeterinärmed. 1882). Dr. Arnold (Jahres
berichte der Thierarzneischule zu Hannover
1880—82) bestätigt die Möglichkeit des Aus
laugens des Icterogens; bei 48stündigem Di-
geriren und 24stündigem Maceriren der Lu
pinen mit destillirtem Wasser erzeugte das
Wasser Lupinose, jedoch wird das Icterogen
mit zunehmendem Alter und zunehmender
Trockenheit der Lupinen schwer löslich oder
ganz unlöslich, es ist ein den Eiweisskörpern
verwandter Stoff, aber keine Säure und kein
Glykosid. Das Gift wirkt in erster Linie auf
die Leber, es wird ihr mit dem Blute zuge
führt, demnach werden Verletzungen in der
Maul- und Rachenhöhle oder im Verdauungs
canal das Gift bei der Fütterung von Lupinen
schneller zur Wirkung bringen; Zusatz einer
Säure zum Trinkwasser möchte vielleicht
die Wirkung abschwächen oder aufheben.
Dr. Arnold und Dr. Schneidemühl (Hannover
scher Jahresber. 1882-—83) sahen im Verlause
der Krankheit zuerst die Leberzellen sich
mit kleinen Körnchen anfüllen, denen sich
später Fettkörner und Fetttropfen hinzuge
sellen, nicht minder füllen sich die Gallen
gäuge mit Zellen und Detritusmassen; im
weiteren Verlaufe trifft man eine Nephritis
parenchymatosa an. Statt „Icterogen“ schlagen
sie die Bezeichnung „Lupinotoxin“ vor, da
der äusserlich sichtbare Icterus keine con-
stante Erscheinung der Lupinose sei. Zufolge
der vorstehend angeführten Versuche müssen
die Pilze als das schädliche Princip ange
sehen werden, sie spielen in der Pathogenese
der Lupinose die Hauptrolle. Dass dem so
ist, geht daraus hervor, dass nach dem Ver
füttern verdorbenen, multrigen Hafers und
sonstiger verschimmelter Futterarten Pferde
und andere Thiere in derselben Weise er
krankten wie nach Lupinenfütterung. Auch
Roloff kommt auf Grund seiner Versuche zu der
Ueberzeugung, dass das specifische Gift der
Lupinen ein chemisches sei, das aber wahr
scheinlich durch einen auf den Lupinen
schmarotzenden Pilz verursacht werde. Die
Wirkung des Lupinotoxins ist eine ähnliche
wie bei Phosphorvergiftung; auch in der

Lupinose sehen wir bei gutgenährten Thieren
hochgradige Fettbildung in den Leberzellen;
hingegen sind bei abgemagerten und fett
armen Thieren — Hunden und Kaninchen —
nur Spuren von Fett nachzuweisen, die
körnige Trübung überwiegt. Beide Umstände
erklärt Dr. Schneidemühl (Zeitschr. f. Thier -
med., 10. Bd.) nach den Versuchen Lebedeff’s
über Fettbildung durch den Ueberschuss oder
Mangel an Fett im subcutanen Gewebe; bei
den Kaninchen scheint der Tod früher ein
zutreten, ehe es zur Verfettung der Leber
kommt.
Symptome. Die Lupinose ist bei Pferden,
Rindern, Ziegen, jungem Damwild, Hunden,
am häufigsten jedoch bei Schafen und als
dann meistens während des Herbstes und
Winters beobachtet worden. Unter den Schafen
richtet die Krankheit die grössten Verhee
rungen an, der grösste Theil einer Heerde
kann durch sie in einigen Tagen dahingerafft
werden. Bei allen Thiergattungen stimmen die
Krankheitserscheinungen der Hauptsache nach
überein, sie treten in der Regel 2—6 Tage
nach der Lupinenfütterung ein. Die Thiere
bekommen bald einen Widerwillen gegen
Lupinenfutter; je nachdem sie grössere oder
kleinere Mengen davon genossen haben, zeigen
sich die ersten auffälligeren Symptome nach
2—8 Tagen, u. zw. Appetitsverlust, vermehrten
Durst, unregelmässige oder gänzlich unter
drückte Rumination und hochgradiges Fieber.
Die Mastdarmtemperatur steigt auf 40—4P5°,
die Pulszahl bei Pferden auf 73, bei Schafen
auf 130, wobei die Respiration öfter bis zum
Tode eine normale, zuweilen ebenfalls be
schleunigt ist. In der Regel ist die Defäcation
verzögert, zuweilen diarrhöisch, die Fäces sind
hier übelriechend, zähflüssig, mit Blut ver
mischt und nehmen eine dunkelbraune Farbe
an. Eingetretene Paralyse des Sphincter ani
gibt sich durch Offenstehen des Afters zu er
kennen. Diarrhöe spricht für einen höheren
Grad der Lupinose; wo er fehlt oder bald nach
lässt, steht Genesung zu erwarten. Die sämmt
lichen sichtbaren Schleimhäute, am deutlich
sten jedoch die Conjunctiva und Sclera des
Auges, haben eine hellgelbe oder schmutzig
gelbe, in anderen Fällen eine schmutziggraue
oder bronzeartige Färbung; die Bronzefarbe
wird von Arnold als ein ungünstiges Progno-
sticon angesehen, sie scheint auf eine tiefe
Blutalteration hinzuweisen. Nicht selten ist die
Conjunctiva normal gefärbt. Die icterische
Färbung erstreckt sich öfter auch auf die
Haut. Die Schleimhaut der Luftwege und der
Augen ist zuweilen katarrhalisch afficirt, was
sich durch Schleimfluss aus der Nase und An
sammlung von zähem Schleim in den Augen
winkeln kundgibt. Der Harn enthält neben
Harnstoff, resp. Hippursäure nach Roloff’s
Beobachtungen regelmässig Gallenfarbstoff,
meist auch Eiweiss oder granulirte Cylinder;
Leucin oder Tyrosin wurden nicht vorgefunden.
Zuweilen wird der Harn blutig, auch ist Dys
urie oder entgegengesetzt unwillkürlicher Ab
gang des Harns bemerkt worden. Ein ziemlich
constantes Symptom ist in der Depression des

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