Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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Race-Typus nicht nach dem richtigen Werthe
würdigten. Es unterblieb jedoch der Ankauf
dieses Gutes trotz der wirtschaftlichen Vor
theile, die daraus erwachsen wären. Gleich
nach dem Regierungsantritt Kaiser Franz I.
(1792—1833), u. zw. 1797 musste das Gestüt
beim Herannahen der französischen Heere
seine Heimat verlassen. Dasselbe brach am
22. März mit einem Stande von nahe an 300
Pferden in 4 Colonnen auf, um nach Stuhl-
weissenburg zu gelangen. In Stuhlweissenburg
wurde die Belegung vorgenommen und sodann
das Gestüt getrennt, u. zw. wurden die belegten
Stuten und die einjährigen Fohlen in 8z.
György und die anderen Abtheilungen auf
der Tyhänyer Herrschaft und in Mör unter
gebracht. Im Juni 1797 besuchte Se. k.k. Hoheit
der durchlauchtigste Herr Erzherzog Josef
einen Theil des emittirten Gestüts und wählte
sich aus dem Materiale auf der Werter Puszta
von den „Aufzustellenden“ 4 Hengste aus.
Der zu Campo Formio am 17. October 1797
geschlossene Friede ermöglichte die Rückkehr
des Gestütes. Die andauernd günstige Witte
rung gestattete, dass noch im selben Herbste
ein Theil des Gestütes den Heimweg antreten
konnte. Die Mutterstuten mit Fohlen und die
3- und 4jährigen Fohlen blieben den Winter
über noch in Ungarn, u. zw. in Mör. Der
Aufenthalt in Ungarn war dem Materiale ab
träglich geworden und übte schon der Rück
marsch trotz seiner Fatiguen auf die Thiere
einen kräftigenden, günstigen Einfluss. Im
Jänner 1798 brachen die für Prestranegg zur
Belegung nöthigen Beschäler von Mör auf
und kamen am 9. März daselbst an. Am 11.
September desselben Jahres traf auch der
übrige Theil des Gestütes in seiner alten
Heimat an. Das 1798 neuerliche Heranrücken
des französischen Heeres machte abermals
Marschbereitschaft nothwendig, der Abmarsch
wurde aber diesmal glücklich vermieden.
Erst die kurze Ruhepause nach dem
Luneviller Frieden 1801 machte es möglich,
an die vollständige Restitution der Gestüts
anstalt in Lippiza und Prestranegg zu denken.
Es musste theilweise frisches Zuchtmateriale
eingeführt, sämmtliche Gebäude aber, welche
stark gelitten hatten, einer gründlichen Re
stauration unterzogen werden. Die kaum be
gonnenen Restaurationsarbeiten an den Ubi-
cationen in Lippiza wurden leider am 4. Jänner
1802 durch ein heftiges Erdbeben, welches
grossen Schaden an den schon während der
Invasion arg mitgenommenen Gebäuden an
richtete, wieder zerstört. Im Jahre 1802 wurde
das von Prestranegg eine Stunde entfernte
Gut Schickeihof als liquidirtes Fideicommiss
um den Preis von 30.000 fl. und 100 Ducaten
Leihkauf vom Hofärar angekauft und dem
Gestüte einverleibt. Der Kriegssturm des Jahres
1803 nöthigte das Gestüt neuerdings zur
Auswanderung und war diesmal Diakovar in
Slavonien als Zufluchtsstätte ausersehen.
In den ersten Tagen des Monates Jänner
1806 hatte das Gestüt, über Fiume kommend,
seinen neuen Bestimmungsort erreicht. Die
Salvirungsreise war eine ungemein beschwer

liche; zu der bei jedem Marsche mit so edlen
Thieren und in der rauhesten Jahreszeit selbst
verständlichen Mühsal gesellte sich noch ein
erhöhterUebelstand dadurch, dass fortwährende
Regengüsse die Strassen oft grundlos und gänz
lich unprakticabel gemacht hatten, dass zahl
reiche Truppenzüge, welchenmanbegegnete, die
Knappheit der erforderlichen Fourage und die
Unzulänglichkeit der Unterkünfte oft bis zu
gänzlichem Mangel steigerte; wiederholt musste
in eisiger Winternacht campirt und hinsicht
lich der Fourage zu den elendesten Surrogaten
gegriffen werden. Alle diese Schwierigkeiten
wurden durch das Fehlen aller und jeder
Geldmittel, die zwar angewiesen, aber von
dem die Colonne führenden Gestütsmeister
Paul Mayerhofer nicht erlangt werden konnten,
noch vermehrt. Im Monate October 1806
wurde das gesammte Gestüt von Diakovar
nach der königlichen Cameralherrschaft Karad
übersetzt. Die zur Zeit von Lippiza ein
laufenden Berichte klangen verzweifelt. Nach
mehr als sechsmonatlicher Abwesenheit von
der heimischen Stätte erhielt das Gestüt den
Befehl, am 1. April 1806 den Rückmarsch
nach Lippiza anzutreten, und installirte sich
dasselbe in den ersten Tagen des Monates
Mai wieder auf dem altgewohnten Karstboden.
Das neuerlich eingerückte Gestüt wurde im
Juni von Sr. kaiserlichen Hoheit dem durch
lauchtigsten Herrn Erzherzog Ludwig und
einen Monat darauf von dem durchlauch
tigsten Herrn Erzherzog Johann besucht und
eingehend besichtigt.
Das Jahr 1809 nöthigte zu einer dritten
Auswanderung. Das Gestüt hielt sich marsch
bereit und ging auf das erste vom Gubernium
zu Görz am 12. Mai erhaltene Aviso ab. Der
Zug mit einer Pferdeanzahl von 289 Stück
bewegte sich über Zirknitz, Reifnitz, Neustadtl,
Agram, wo mehrere Tage Rast gehalten ward;
von hier über Dugasello nach Essegg, woselbst
man am 4. Juni anlangte. Am 12. Juni er
reichte die ganze Gestütscolonne nach Ueber-
setzung der Donau Neusatz und kam am
27. Juni in Pecska an der Maros, im Arader
Comitat, unweit Mezöhegyes an, wo das Gestüt
installirt wurde. Sechs lange Jahre musste
diesmal das Gestüt im Exile verbleiben, eine
Zeit, lange' genug, um die Gefahr einer De-
generirung des Materiales in bedenkliche
Nähe zu rücken. Die bedeutenden Unter
schiede in den klimatischen, wie in allen
anderen Existenz Verhältnissen, die sich bei
dem Aufenthalte in der Theissniederung im
Gegensatze zu der heimischen Karst-Oase
geltend machten, wirkten bald so unheilvoll,
dass schon im Jahre 1810 bei einem Stande
von 110 Mutterstuten 27 derselben verwarfen.
Dieser traurige Zustand liess denn auch das
Project Wurzel fassen, statt Lippiza einen im
Osten gelegenen Ort für die definitive Unter
bringung des Gestüts zu wählen. Zum Glücke
für die Erhaltung der Rasse wurde dieser
Plan jedoch wieder fallen gelassen und der
Zukunft blieb es vorbehalten, die Schäden
auch der dritten Emigration zu verwischen.
Das Jahr 1813 brachte endlich den heiss

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