Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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ersehnten Befehl zum Einrücken in das alte
Heim; doch wie Vieles musste hier erst wieder
gethan werden, wie vieler pflichteifrigen Arbeit
bedurfte es, um die Institution neuerdings in
den alten Stand zu bringen! Marmont, zum
Generalgouverneur der von Napoleon ge
schaffenen ephemeren Provinz Illyrien ernannt,
erhielt auch das ganze Territorium des Lip-
pizan,er Gestütes als Dotation. Von jener Zeit
geben noch zwei steinerne französische Adler
auf den gemauerten Thorpfeilern des Ein
ganges von Corgnale Zeugniss. Sowohl Lip-
piza als auch Prestranegg wurde auf 6 Jahre
von den Franzosen verpachtet u. zw. Lippiza
für 2410 Francs und Prestranegg um 15.000
Francs jährlichen Pachtzins. Dass die Pächter
nur ihren eigenen Nutzen im Auge hatten,
ist selbstredend, und es ist begreiflich, wenn
den Domänen schwere Schäden zugefügt
wurden, deren Spuren erst in längerer Zeit
wieder gänzlich verwischt werden konnten.
Auch der Zustand der Gebäude auf dem Ge
stütsterritorium war ein höchst trauriger.
Sofort nach der neuerlichen Besitzer
greifung wurden gemäss eines Allerhöchsten
Auftrages dießeorganisationsarbeiten begonnen.
Der Pferdestand der Monarchie war während
der langen Kriege arg geschädigt worden.
Es musste mit aller Energie daran gegangen
werden, die Pferdezucht neu zu heben, und
dem kaiserlichen Gestüte zu Lippiza wurde
es durch den Befehl Sr. Majestät zur Pflicht
gemacht, in erster Linie für die Erhaltung
der reinen Rasse zu sorgen. Die Lippizaner
Rasse, welche sich im Laufe der Zeit ausge
zeichnet bewährt hatte und von den Hippo
logen besonders geschätzt war, wurde nun
unter Intervention des Remontirungs- und
Gestütsinspectors Generalmajor Grafen v.
Hardegg auch in die Militärgestüte zu Ra
dautz und Piber verpflanzt. In dem ersten
ward der Lippizaner Hengst Maestoso aufge
stellt, dessen Blut heute noch die Radautzer
Pferde werthvoll macht. Ferner wurde der
zu Kladrub von Maestoso a. d. Cremona ent
stammende Hengst Maestoso der reinen spa
nischen Rasse dem Lippizaner Gestüte zuge
wiesen und erwies sich gerade auf diesem
Boden als eines der in jeder Richtung tüch
tigsten und werthvollsten Vaterpferde, sein
Stamm reicht bis in unsere Tage in zahl
reichen, sowohl zur Zucht, als unter dem
Sattel hochgeschätzten Exemplaren herein.
Dem Stamme Maestoso gehörte auch der von
Sr. Majestät unserem Kaiser bei der Krö
nung zum König von Ungarn gerittene
Schimmelhengst Cerbero an. Im Monate April
1818 unternahmen Ihre Majestäten Kaiser
Franz I. und Kaiserin Karoline Augusta eine
Reise nach den südlichen Provinzen und
kamen am 17. April nach Triest, von wo aus
Allerhöchstdieselben auch einen Ausflug nach
Lippiza machten. Das Bild, welches sich den
Allerhöchsten Herrschaften hier bot, contra-
stirte wohl scharf gegen den früheren blü
henden Zustand der Domäne; doch war bereits
ein kräftiges, neues Emporstreben zu bemerken.
Unter der sorgfältigen Leitung des Oberst

stallmeisters Johann Grafen zuTrauttmansdorff,
welcher dieses Amt seit 1812 bekleidete,
wurden rationelle Paarungsgrundsätze zur
unabweichlichen Regel gemacht, um dem zur
Geltung gelangten Systeme der Stammzuchten
gerecht zu werden; und es wurde gestrebt,
nur vollkommen fundamentirte Vaterpferde
zu erwerben und alle schwächlichen Stuten
auszuscheiden. Zugleich wurde in allen Zweigen
der Oekonomie ein alle localen Verhältnisse
berücksichtigender Betrieb eingeführt.
Im Monate Mai 1819 wurde das eine
Stunde von Prestranegg und 2% Stunden
von Lippiza entfernte Besitzthum „Alpe Rann-
egg“ für das Hofärar angekauft und zu dem
Grundbesitz des Gestütes geschlagen. Neuer
lich territorial erweitert und 1826 durch Zu
weisung des gesummten Reitschlages vom
aufgelösten Koptschaner Gestüte auch mit
einem grossen Pferdestand versehen, strebte
das Gestüt energisch seiner materiellen
Hebung und Erhaltung der auf seinem Boden
gepflanzten edlen Pferderasse zu. Die Mittel,
welche zu diesem Zwecke bewilligt werden
konnten, waren zu gering und reichten kaum
für die gewöhnlichen Erfordernisse, viel
weniger, um neue Projecte durchführen zu
können. In Folge dessen tauchte abermals die
Idee auf, das Gestüt nach einem Ort zu ver
legen, wo die Erhaltung desselben weniger
Kosten verursachen würde. Hiernach erhielten
unter der Regierung Kaiser Ferdinand I.
(1835—1848) die Landespräsidien in Triest
für Lippiza und in Laibach für Prestranegg
den Auftrag, den Zustand des Gestütes einer
eingehenden Prüfung zu unterziehen. Auf
Grund dieser Untersuchung wurde vorge
schlagen, das Gestüt aus Ersparungsrücksichten
nach dem aufgehobenen Gestüte Koptschan
zu verlegen. Im Jahre 1844 besuchte das
kaiserliche Paar das Gestüt und wurde der
Befehl ertheilt, die Gebäude vorderhand einer
entsprechenden Restaurirung zu unterziehen,
da das Gestüt bis auf Weiteres in Lippiza zu
verbleiben habe. So schwebte die Gefahr einer
Verlegung des Gestütes durch lange Jahre
über demselben, denn erst unter der Regierung
Sr. Majestät des jetzt regierenden Kaisers
erfolgte die Entscheidung, dass das Institut
nicht von dem Boden entfernt werden sollte,
welcher besser als jeder andere für die Er
haltung der ausgezeichneten Rasse in ihrem
Typus und Habitus geeignet erscheine. Von
da ab datirt für Lippiza eine neue Aera.
Wie alle Verhältnisse im weiten Reiche sich
fortschrittlich entwickeln, erhielt auch die
Pferdezucht neue Impulse und da durfte der
uralte Lippizaner Stamm nicht vernachlässigt
werden.
In dieser Erkenntniss setzte der General
adjutant Sr. Majestät des Kaisers, Ober
stallmeisterstellvertreter Karl Graf Grünne,
seine ganze mit seltener Fachkenntniss ge
paarte Energie für die Hebung des Karst
gestütes ein. Vorerst wurden die im Laufe
der Zeit dringendst nothwendigen Bauten auf
genommen und auf die solideste Art ausgeführt,
u. zw. wurden in Lippiza sämmtliche Mutter

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