Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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mittelbare Aufsicht, während die obere Lei
tung durch die in Deutschleuten errichtete
Gestütsdirection geschieht, an deren Spitze
bereits seit der Gründung des Gestüts (1849)
der Gestütsdirector v. Marckmann-Lichtabbell
steht. Dieser theilt die einzelnen Stuten jedem
der Hengste zu, welche zum Belegen derselben
während der Deckzeit in die verschiedenen
Districte geschickt werden, so dass sie nach
je 9 Tagen immer wieder auf demselben
Meierhofe eintreffen.
Die Zahl der jährlich im Gestüt geborenen
Fohlen schwankt zwischen 50 und 60 Stück.
Ihre Aufzucht geschieht im Stall, doch wer
den sie tagsüber in mehrere Joche grossen,
mit Gras bewachsenen Ausläufen bewegt. Hafer,
Heu, Häckerling und etwas Kleie bilden die
hauptsächlichsten Futtermittel, neben denen
im Spätherbst auch einige Möhren verabreicht
werden.
Die junge Aufzucht wird in Deutsch
leuten und Freystadt, zum grösseren Theil
aber in Solza eingeschult. In dem sehr aus
gedehnten Freystädter Park befindet sich eine
Galoppirbahn, die mit den verschiedenartigsten
Hindernissen versehen ist. Hier wird ein grosser
Theil der Pferde für die künftige Bestimmung
vorbereitet. Als Master der Pardubitzer Jagd
gesellschaft hat Graf Larisch-Mönnich auch
die Whippers beritten zu machen und zu die
sem Zwecke müssen für die Parforcejagdzeit
26 eingerittene Jagdpferde bereit stehen. Diese
sind mit Ausnahme weniger original-englischer
Pferde im Gestüt gezogen. Im Alter von 4
Jahren folgen die jungen Pferde den Hasen
hunden, um darauf öjährig hinter der Hirsch
meute benützt zu werden. Nach beendeter
Saison wird ein Theil dieser Jagdpferde, wie
auch ein Theil der als Carossiers und Wagen
pferde verwendeten Thiere, darunter viele ins
Ausland, Preussen, Sachsen, Eussland, sogar
nach England verkauft und für sie Preise von
800 bis 2000 Gulden erzielt. Die durchschnitt
liche jährliche Einnahme beläuft sich hieraus
auf etwa 18000 Gulden, hat aber auch schon,
z. B. im Jahre 1886, bei 27000 Gulden betragen.
Gute Stuten, die sich auf den Jagden, einer Art
von Training, bewährten, werden nicht verkauft,
sondern in das Gestüt eingestellt und die
hierbei Schaden erlittenen Pferde für die
Ackerzüge benützt. Ausserdem sind noch seit
dem Bestehen des Gestüts 25 dreijährige
Hengste als Landbeschäler an die Eegierung
je zum Preise von 1500 bis 1800 Gulden ab
gegeben worden.
Die ersten .Anfänge des Gestüts fallen in
das Jahr 1849 zurück und wurden unter dem
Grafen Heinrich, Grossvater des jetzigen Be
sitzers, gelegt. Der derzeitige Mutterstuten
stamm bestand aus etwa 8 englischen Stuten.
Die Nachkommen derselben aber waren zur
Weiterzucht nicht brauchbar, so dass erst die
bald darauf aus Galizien und Eussisch-Polen
angekauften Stuten die eigentlichen Stamm
pferde des Gestüts wurden. Diese wurden zu
nächst mit starken Halbbluthengsten gepaart,
und als die so erzielten Producte genügende
Grösse und Stärke erhalten hatten, wurde

vom Jahre 1859 an die Verwendung starker
Vollbluthengste versucht. Seitdem hat das Ge
stüt, das allmälig bis auf den heutigen Um
fang vermehrt wurde, meistentheils unter Ein
wirkung solcher gestanden.
Die Stallungen, in denen die Pferde unter
gebracht sind, sind aus Stein aufgeführt, ihr
Boden ist aber aus Lehm hergestellt. Die Krip
pen sind aus Eisen,Cement, Thon, theils auch
aus Holz. Zur Lufterneuerung und Eegelung
des Wärmegrades sind Zuglöcher angebracht.
Für die gesundheitlichen u. s. w. Beziehungen
der Pferde sorgt ein in dem Gestüt angestellter
Thierarzt.
Ein Gestütbrandzeichen kommt nicht in
Anwendung. Grassmann.
Larix europaea, Lärche (Pinus Larix),
bekannte Conifere L. XXL 2, überall, selbst
im Norden wildwachsend und auf den Alpen
mit der Fichte die Baumgrenze bildend, lie
fert ausser der Lärchenbaumrinde, welche
bitter adsjtringirende Bestandtheile besitzt,
aber wegen zu schwacher Wirkungen nicht
mehr im Gebrauch steht, insbesondere eine
feinere Sorte Terpentin, welcher als Lärchen
oder venetianischer [Terpentin,
Terebinthina laricina oder veneta,
früher offlcinell war, jetzt aber durch den
billigeren Fichtenterpentin ersetzt ist. Auf
dem Stamme wachst der Lärchenschwamm,
Fungus Laricis, Agaricus albus, dessen
Fruchtkörper (Polyporus officinalis), wenn er
von der harten rindenartigen Aussenschicht
befreit ist, früher als Purgirmittel benützt
worden ist. Vogel.
Larroque L. war erst chef de Service,
dann Professor an der Veterinärschule zu
Toulouse, schrieb (1844—46) über die An
wendung einiger Mittel (Cyankali) und den
Gebrauch der Elektricität. Semmer.
Larven, s. Insecten.
Larvenschwein (Potamochoerus africanus,
Sus africanus, larvatus, hoiropotamus und
choiropotamus, Phacochoerus larvatus und
hoiropotamus), ein Vertreter des Pinsel
schweines in Süd- und Mittel-Afrika, ist in
der Kegel etwas grösser und stärker als Pota
mochoerus porcus. Das Larvenschwein ist bis
auf eine liegende Nackenmähne und einen
ziemlich langen, starken Backenbart gleich
mässig behaart und sein Bart ist wie die
Mähne weisslichgrau, das Gesicht fast grau,
der übrige Theil röthlich-grau-braun gefärbt.
— Ueber das Freileben dieser Species fehlt
noch jede Kunde. 1852 erhielt der Londoner
Thiergarten das erste lebende Pinselschwein,
und einige Jahre später bekamen auch noch
andere europäische Thiergärten einige Exem
plare dieser interessanten Species. Brehm
berichtet, dass diese Thiere sich in ihrem
Wesen und Gebaren durchaus nicht von
unseren Wildschweinen unterscheiden; viel
leicht sind sie etwas sanftmüthiger als
diese; sie gewöhnen sich sehr bald an ihren
Wärter und lassen sich dann wie Haus
schweine behandeln. Gegen Kälte müssen sie
aber durch gute Stallung geschützt werden,
da sie sonst leicht erkranken und eingehen.

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