Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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acute und chronische Bronchitis und Peri
bronchitis, croupöse Entzündung der Luft
wege, Bronchopneumonie, Lungenwurmseuche,
sporadische Pneumonie und Pleuritis, Hydro-
thorax, Lungenhyperämie, Fremdkörperpneu
monie, Lungenemphysem, Neubildungen in
den Lungen (Krebsmetastasen), Tuberkulose,
Echinococcus, traumatische und rheumatische
Pleuritis, Herzleiden, Eindringen von Fremd
körpern vom Magen aus in die Lungen und
ins Herz, traumatische und rheumatische
Pericarditis, Athembeschwerden in Folge von
Leberhypertrophie, Bauchwassersucht und
Tympanitis, Vergiftungen.
Bei der acuten Bronchitis ist der Husten
häufiger, kräftiger und feuchter als bei der
Lungenseuche, der Auswurf ein reichlicher;
derselbe wird jedoch von cbm Bindern gleich
wieder verschluckt. Die Auscultation ergibt
feuchtes Rasseln und Blasengeräusch. Die
Percussion ergibt eine normale Resonanz in
den Lungen. Bei der chronischen Bronchitis
fehlt das Fieber und es ist seltener feuchter
Husten vorhanden. Bei der Peribronchitis
nodosa, ^wie bei der Tuberculose haben die
Symptome einige Aehnlichkeit mit der Lun
genseuche. Die Peribronchitis zeichnet sich
durch weniger heftige Erscheinungen, durch
einen eigenthümlichen hartnäckigen Husten
und Abwesenheit jeglicher Empfindlichkeit
der Brustwandungen und ein verstärktes Re
spirationsgeräusch aus. Die Lungenwurm
seuche weist dieselben Erscheinungen auf,
wie die Bronchialcatarrhe, und man findet
im expectorirten Schleim den Strongylus mi-
crurus und seine Eier auf. Bei der croupösen
Entzündung der Luftwege, die zuweilen
seuchenartig auftritt, zeigen die Patienten
Athembeschwerden, ein pfeifendes Athmen,
einen häufigen, heiseren, rauhen Husten, der
besonders beim Druck auf den Kehlkopf her
vortritt. Die Auscultation und Percussion des
Thorax ergibt nichts Abnormes. Wenn beim
unvorsichtigen Eingeben von Arzneimitteln
in flüssiger Form diese in die Luftwege ge
rathen, so entstehen häufig acute Bronchiten,
Bronchopneumonien und selbst Lungen
gangrän, die zu Verwechslungen mit Lungen
seuche Anlass gebe«. Die durch Hineinge-
rathen differenter Arzneimittel in die Luft
wege veranlassten entzündlichen Affectionen
der Luftwege und Lungen zeichnen sich aus
durch tiefen, häufigen, feuchten Husten,
reichlichen Auswurf und Ausfluss schaumiger
Flüssigkeiten aus Nase und Maul, Schleim
rasseln und grossblasiges Geräusch. Die ent
zündliche Affection und Gangrän betrifft meist
die vordem Lappen und untern Ränder der
Lungen, während die übrigen Theile meist
normal bleiben. — Die einfachen Lungencon-
gestionen zeichnen sich durch ein lautes,
pfeifendes, beschleunigtes, unregelmässiges,
dyspnöisches Athmen, dumpfes Stöhnen, Aus
fluss einer schaumigen, blutigen Flüssigkeit
aus Nase und Maul und durch sehr acuten
Verlauf mit schnellem Hebergang in Genesung
oder Tod aus. Die von Lungencongestionen
befallenen Thiere liegen meist, machen häufig

Schluckbewegungen, haben einen kleinen,
kaum fühlbaren Puls und ihre Sensibilität
ist bedeutend herabgesetzt. Bei der Auscul
tation des Thorax hört man ein starkes
Schleimrasseln. Der acute Verlauf und die
Heftigkeit der Zufälle Schliessen hier eine
Verwechslung mit der Lungenseuche aus.
Bei der sporadischen Pneumonie, die bei
Rindern im Ganzen selten vorkommt, ist der
Verlauf ein mehr acuter, die Affection der
Lungen eine mehr gleichmässige, Verdauungs
störungen, Blähungen, Verstopfungen und
Durchfälle sind gewöhnlich dabei nicht vor
handen, es fehlt ebenfalls die Empfindlichkeit
der Brustwandungen wegen Abwesenheit von
Pleuritis und das Oedem am Triel. Die ein
fache Lungenentzündung beschränkt sich meist
auf einzelne sporadische Fälle oder einzelne
Ställe und pflanzt sich nicht durch Ansteckung
fort.
Bei der Section der an sporadischer Pneu
monie gefallenen Thiere findet man die Lun
gen meist im Zustande gleichmässiger rother
Hepatisation, das interstitielle Bindegewebe
ebenfalls verdickt, infiltrirt, aber von rosa-
rother oder gelblichrother Farbe, auf der
Pleura keine Pseudomembranen und in der
Brusthöhle kein Exsudat. Bei der Kälber
pneumonie erfolgt eine anfangs gleichmässige
Infiltration der ergriffenen Lungenpartien mit
nachheriger Entwicklung von Eiterherden ohne
besondere Affection und auffallendes Her
vortreten des interlobulären Bindegewebes.
Bei der Bronchopneumonie ist das Fieber
geringer, der Husten kräftiger und tiefer und
die Brustwandungen sind nicht alterirt, dabei
ist starkes, pfeifendes und schnarchendes
Athmen und Schleimrasseln zugegen.
Das Lungenemphysem zeichnet sich aus
durch einen trockenen Husten, abgeschwächtes
Respirationsgeräusch und ein knatterndes,
pfeifendes Geräusch. Die Athemnoth steigert
sich während der Bewegung und bei höherer
Temperatur. Der Percussionsschall ist ein
voller, hoher, sonorer; cs fehlt jegliches Fieber
und jegliche Empfindlichkeit der Brust
wandungen.
Bei der einfachen und traumatischen
Pleuritis sind alle Symptome dieser Krankheit
vorhanden; es fehlen aber alle Erscheinungen,
welche auf eine Veränderung des Lungen
parenchyms hindeuten und die bei der Lun
genseuche nie fehlen. Nach Cruzei gibt es
hei den Rindern auch eine nicht contagiöse
Pleuro-Pneumonie, die sich von der Lungen
seuche nur durch die Nichtconfagiosität und
den gutartigen Verlauf und geringere Ver
luste auszeichnen soll.
Beim einfachen Hydrothorax ist die
Brusthöhle mit einer klaren, gelblichen oder
röthlichgelben Flüssigkeit ausgefüllt; es fehlt
jegliche Entzündung und Auflagerung von
Pseudomembranen an der Pleura und in
Folge dessen ist auch kein Reibungsgeräusch
beim Athmen zu vernehmen. Der Percussions
schall ist so weit ein matter, als das Trans
sudat im Thorax hinaus reicht. Das Lungen
gewebe ist verdichtet, sonst aber normal.

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