Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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Im Jahre 1885 veröffentlichte Lustig in Han
nover die Resultate seiner Untersuchungen
über die Mikroorganismen bei der Lungen
seuche. Lustig constatirte in der Lymphe aus
dem interlobulären Bindegewebe lungenseuche
kranker Rinder vier verschiedene Mikroben
arten in Reinculturen: 1. Eine grauweisse
Bacillencultur, welche die Nährgelatine ver
flüssigt. Die Cultur besteht aus kurzen dicken
Bacillen. 2. Weisse Mikrokokkeneultur, dem
gekochten Hühnereiweiss ähnliche Auflage
rungen bildend; dieselben zehren die Nähr
gelatine auf, ohne sie zu verflüssigen. 3. Gold
gelbe Mikrokokkeneultur, welche die Gelatine
verzehrt, ohne sie zu verflüssigen. 4. Orange
farbige, aus kleinen Mikrokokken bestehende,
trockene, wachsartige Auflagerungen bildende
Cultur, welche die Gelatine langsam aufzehrt,
ohne sie zu verflüssigen; gedeiht auch auf
Kartoffeln sehr gut. Später fand Lustig in
dieser Cultur neben Mikrokokken und Diplo
kokken in ganz frischen Culturen auch kurze
sporenhaltige Bacillen, die sich lebhaft be
wegen und mit Methylenblau, Gentianaviolett
und Diamantrubin gut färben.
Impfungen mit den drei ersten Culturen
an Rindern ergaben keine Reaction, während
bei der Verimpfung der vierten orangefarbe
nen Cultur am Priel das erstemal eine gänseei
grosse, das zweitemal eine hühnereigrosse
Geschwulst sich ergab. Ausserdem fand Lustig
die Mikroorganismen der drei ersten Culturen
im Parenchymsaft ganz gesunder Rinderlungen,
während die Mikroorganismen der vierten
orangefarbigen Cultur in demselben fehlten.
Lustig ist daher der Meinung, dass die Mi
kroorganismen der letzteren das Contagium
der Lungenseuche darstellen, was noch durch
weitere Experimente constatirt werden muss.
Ob und welcher Zusammenhang zwischen den
Mikrokokken und Bacillen der orangefarbigen
Cultur existirt, bleibt ebenfalls noch unent
schieden. Bruylants und Ver
riest halten die Mikrokokken
für das wirksame Agens bei
der Lungenseuche. Zu ähn
lichen Resultaten, wie Bruy
lants und Verriest, kam Noten
in Holland, der einen dem
Pneumococcus der Pneumonie
ähnlichen, mit einem Hof um
gebenen Coccus als Ursache
der Lungenseuche beschreibt (Fig. 1138),
Neben den gelben specifischen Kokken enthält
der Impfstoff noch zwei andere Spaltpilze, von
denen ein Bacillus nach Noten die bösartigen
Impfgeschwülste verursacht.
Noten und Poels cultivirten die Lungen
seuchekokken auf verschiedenen Nährmedien.
Mit der 12. bis 13. Generation wurden Hunde,
Kaninchen, Meerschweinchen und Rinder
durch Injectionen in die Lungen inficirt,
Hunde auch durch tracheale Injektion und
Mäuse durch Inhalation der Culturen. Impfun
gen mit den Reinculturen hatten denselben
Effect, wie Impfungen mit frischer Lymphe.
Von den der Ansteckung ausgesetzt ge
wesenen Rindern erkranken nach einem meist

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