Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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4—6 Wochen andauernden Incuhationsstadium |
ca. 80%, von denen 20—70%, durchschnitt
lich aber 30—60% fallen. Nach der Impfung
tritt die Reaction meist schneller ein, als
nach der natürlichen Ansteckung. Meist stellt
sich 5—20 Tage nach der Impfung eine ent
zündliche Reaction und Exsudation einer
gleichen Lymphe ein, wie sie bei der natür
lichen Ansteckung in den Lungen und in der
Brusthöhle angetroffen wird. Meist bleibt der
Entzündungsprocess bei den Impfungen local,
wie die Versuche von Veith, Sick, Gaullet,
Dietrichs, Wagenfeld u. a. nachgewiesen
haben. Dennoch erhielten Hertwig bei Im
pfung mit Blut am Halse und Vix bei Ver
impfung von Stückchen kranker Lungen unter
die Haut eine ausgesprochene Pleuropneu
monie. Aehnliche Ergebnisse erhielten bei
ihren Impfungen auch Bouley, Reynal, Willems,
Voigtländer u. a., und Lenhard, Albrecht,
Roloff, Voigtländer, Reynal und Leblanc be
obachteten eine Infection gesunder Rinder
durch geimpfte. Nach einmaligem Ueber-
stehen der natürlichen oder der Impf-Lungen
seuche behalten die Thiere eine Immunität
gegen diese Krankheit fürs ganze Leben.
Delafond, Foderö, Clement, Dietrichs
u. a. fanden in den Lungen der Fötus der
an Lungenseuche gefallenen oder wegen
Lungenseuche getödteten Rinder alle für die
Lungenseuche charakteristischen Veränderun
gen vor und nahmen eine Vererblichkeit der
Seuche an. Es handelt sich hier aber weniger
um eine Vererblichkeit, als um eine directe
Infection des Fötus durch die Placenta von
Seiten des Mutterthieres. Das Contagium dringt
durch die Placenta und geht vom Mutterthier
auf den Fötus über;
Behandlung. Bei der Behandlung spielt
zunächst die Pflege und Diät eine grosse
Rolle. Die Patienten müssen in massig warme,
reine, luftige Ställe ohne Zugluft gestellt
werden. Zum Futter und Getränk eignet sich
am besten gutes Heu in kleinen Quantitäten
und reines temperndes Quellwasser. Das Fell
muss möglichst rein gehalten und ab und zu
frottirt werden. Für reichliche reine Streu
muss gesorgt werden und darf der Fussboden
der Ställe nicht nass und kalt sein. Bei
gutem Wetter in warmer Jahreszeit ist es
zweckmässig, die Patienten in abgeschlossene
Höfe, Gärten oder Umzäumungen zu treiben
und sie möglichst reine frische Luft athmen
zu lassen.
Dadurch gewinnt die Lungenseuche einen
mehr gutartigen Verlauf und sind die Ver
luste geringere als unter ungünstigen hygie
nischen Verhältnissen. Medicamente und son
stige Gurverfahren bringen im Ganzen weniger
Nutzen, obgleich die verschiedenartigsten
Mittel gegen die Lungenseuche empfohlen
und angewandt worden sind. Bourgelat, Bra-
gard, Hurtrel d’Arboval, Kreutzer u. a. em
pfehlen einen Aderlass von 6—12 Unzen bei
gut genährten vollblütigen Thieren besonders
im Beginn der Krankheit, bei vollem hartem
Puls und bei auftretenden Zeichen von
Lungenhyperämie und Lungenödem. Lafosse,

Serres, Kreutzer u. a. lassen äusserliche haut
reizende, scharfe Einreibungen, Senfteige, Can-
thariden, Euphorbium, Terpentin, Brechwein
steinsalbe etc. an den Brustwandungen
machen, Haarseile, Fontanelle und Niesswurzel
am Triel und vor der Brust setzen. Einige
Autoren sind für heisse Dampfbäder, andere
für kalte Begiessungen. Trelut und Dehan
wandten den Mathieu’schen Niessessig, einen
Aufguss von Salpeter, Alaun, Zinkvitriol,
spanischem Pfeffer, Cinnamom, Theriac und
Wachholderöl mit Weinessig in Form von
Einspritzungen in die Nase an. Andere Auto
ren empfehlen zu dem gleichen Zweck einen
Aufguss von Pfeffer mit Weinessig und Zusatz
von Terpentinöl. Einige Autoren empfehlen
das Einathmen von Chlordämpfen. Innerlich
sind vielfach empfohlen und gebraucht worden
antiphlogistische, diuretische, adstringirende
und tonisirende Mittel, wie Brechweinstein.
Salpeter, Glaubersalz, Salmiak und andere
Alkalien, Mineralsäuren, Eisenpräparate, be
sonders Eisenvitriol, Eisenchlorür, Eisenjodür,
Terpentinöl, Theerwasser, Creosot, Carbol-
säure, Fichtensprossendecocte, Arsenik, Al
kohol, Campherspiritus, Kupferpräparate, unter
schwefligsaure Salze. Alle diese Mittel haben
sich aber wenig bewährt. Die bitteren und
adstringirenden Mittel leisten nur bei pro
fusen Durchfällen, die Diuretica bei Brust
wassersucht, die Aderlässe und Antiphlogistica
bei hohem Fieber, die Exspectorantia und
Resolventia während der Reconvalescenz
einige Dienste. Mittel, welche das einmal
eingedrungene Contagium neutralisiren oder
vernichten könnten, gibt es nicht, selbst die
von Levi neuerdings empfohlene tracheale
Application antiseptischer und desinficirender
Mittel lässt im Stich. Am zweckmässigsten ist
es, die schwer erkrankten Thiere den Schlacht
häusern zu überliefern. Dasselbe gilt auch
bei etwa zurückbleibenden Nachkrankheiten,
wobei die Thiere die Fütterungs- und Cur-
kosten oft nicht mehr decken.
Eine weit wichtigere Rolle ' als die Cur
spielt bei der JLungenseuche die Prophy
laxis. Da beständige Ruhe bei Stallfütterung,
unreine, dumpfe, schlecht ventilirte, dunkle,
warme und enge Stallräume, erschlaffende
Nahrung und schlechtes, unreines Trinkwasser
den Ausbruch und die Verbreitung der Lun
genseuche befördern, so ist es zweckmässig,
beim Herrschen der Krankheit in der Nach
barschaft die hygienischen Verhältnisse zu
ordnen, für reine Luft, gute Ventilation, Aus
fuhr angehäuften Düngers, für gutes Futter
■ und reines Trinkwasser zu sorgen und bei
Vermeidung jeglicher Communication mit den
verseuchten Orten die Rinder ab und zu ins
Freie zu treiben. Einige Autoren empfehlen
auch die prophylaktische Anwendung anti
septischer und desinficirender Mittel, wie Car
bolsäure, Borsäure, Borax, Theer, Theerwasser,
die schwefligsauren Salze, Ferrum sulfuricum,
Chlorpräparate innerlich und fleissiges Aus
räuchern der Stallräume mit Chlor und Schwef-
ligersäure-Dämpfen. Noch sichereren Schutz
gewährt aber die Durchführung strenger

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