Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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sundheitszustand bei Menschen und Thieren
zu verzeichnen. Dagegen sieht man bei Ein
tritt und während der Dauer des vom Süd
osten kommenden Scirocco (ein warmer,
meist mit Nebel und Regen verbundener übel
riechender Wind) das Auftreten von katar
rhalischen Erkrankungen bei den Gestüts
pferden, insbesondere bei den jungen, zarten
Pohlen. Oekonomie ist mit dem Gestüte nicht
verbunden, und wird nur ein verhältnis
mässig geringer Theil von Heu gemacht. Das
wenige Heu ist jedoch immer von vorzüg
licher Qualität, wenn es bei günstiger Witte
rung eingebracht werden kann. Da Lippiza
kein lebendes Wasser besitzt, so wurden mit
der Zeit sechs verschieden grosse Lüsternen
erbaut, in welche das von den Dächern mit
telst Röhren gesammelte Regenwasser geleitet
und für den menschlichen Bedarf aufbewahrt
wird. Das für die Thiere nöthige Wasser ist
ebenfalls Regenwasser und wird selbes in
vier im Walde zerstreut angelegten Tränk
lacken aufgefangen. Der Mehrbedarf an Heu
wird theils von Prestranegg und zum Theil
durch Ankauf aus freier Hand gedeckt. Hafer
und Stroh wird angekauft.
Der Boden des Gestütes ist reiner Karst
boden, wovon ein grosser Theil bereits urbar
gemacht und zu Wiesen hergerichtet wurde.
Humus ist sehr wenig vorhanden, jedoch ist
derselbe sehr gut, und könnte, wenn eine Be
wässerung möglich wäre, eine sehr üppige
Vegetation hervorgerufen werden. Der übrige
Theil des Gestütsterrains befindet sich fast
noch in seinem Urzustand und wird dieser
Theil als Weide verwendet.
Das in seiner Art wohl einzig dastehende
Gestüt wurde durch Erzherzog Karl am 19. Mai
1580 gegründet, und wurden demselben noch
im selben Jahre im Aufträge des Erzherzogs
durch Freiherrn v. Khevenhiller in Spanien
angekaufte Vaterpferde und Mutterstuten ein
verleibt und schon im nächsten Jahre erfolg
ten grössere Ankäufe.
Lippiza, welches, wie schon früher er
wähnt, zuerst als eine Villa des Bisthums
Triest genannt wurde, war vom Jahre 1547
bis 1549 kurz vor dem Tode des Bischofs
von Triest, Bonomo, an Giovanni Maria Pros
per Todeschino, Bürger von Triest, um jähr
liche 10 Ducaten (ä 6 Lire) verpachtet und
nach dem im Monate April 1546 erfolgten
Tode Bonomo’s von dem Vicar Francesco
Zischovich im Namen des neuernannten Bi
schofs Francesco Risano verwaltet.
Zur Zeit der Gründung des Gestütes be
stand das Dörflein Lippiza aus drei Huben-
theilen (Masi), auf welchen, drei Familien,
wahrscheinlich Tschitschen (Cicen), ansässig
waren, die jährlich an das Bisthum in Triest
36 Lire bar bezahlten, ferner 6 Hennen,
6 Kuchen (focaccie), 6 Fuhren Holz, 3 Fuhren
Heu abzuliefern hatten und endlich für den
gerechten Getreide- und kleinen Thierzehnt
sowie für Robot, u. zw. jeder Mann mit 6 Tag
werken aufzukommen hatten.
Die Aufmerksamkeit Erzherzog Karls
dürfte wohl durch die in der Nähe um

Aquileja herum und an der Quelle des Tima
vus (Reka) schon im hohen Alterthume be
triebene Pferdezucht auf die Gegend gelenkt
worden sein.
Den Timavus und seine Umgebung nennt
uns schon die Geschichte der Venetier; an
seinen Ufern errichteten dieselben dem aus
der Hercules-Mythe bekannten thracischen
Diomedes, gewissem»assen als dem Patron
der Pferdezucht, einen Tempel und umgaben
diesen mit einem heiligen Hain, in welchem
windschnelle Rosse gezogen wurden, die Vor
eltern der heutigen Karstpferde.
Die Pferde dieser Gegend wurden von
den Alten wegen ihrer Schnelligkeit, Kraft und
Ausdauer mit Vorliebe zum Kriegsdienste
verwendet. Im XVI. Jahrundert wurden
Hengste dieses Schlages wegen ihrer Stärke,
Gelenkigkeit und Ausdauer als Turnierpferde
häufig gesucht und gut bezahlt. Die Be
wohner des Karstes selbst nutzten die Eigen
schaften des dort gezüchteten Pferdeschlages
gleichfalls voll aus.
Der Boden der Heimat bot ihnen in
seiner Kargheit zum Lebensunterhalte wenig,
beinahe nichts, und ein grosser Theil der
selben suchte nun als „Säumer“ sich Brot
und Erwerb zu sichern, indem sie auf Saum
rossen den Wein von Triest, Wippach, dann
von Venedig kommende Waaren nach Lai
bach, Graz, ja bis nach Wien vertrugen,
und mussten die Pferde hiebei klettern
wie die Ziegen. Die Pferde brachten auch
die hiezu erforderlichen Eigenschaften mit
und rühmte man dieselben in ganz Europa
sonderlich wegen ihrer Dauerhaftigkeit, denn
sie leben lange und halten sowohl die Arbeit
als den Ritt lange beharrlich aus, weil sie,
noch jung, dazu gewöhnt werden, indem man
sie auf lauter Stein und Felsen weiden lässt.
Erzherzog Karl besuchte im Jahre 1576
mit seiner Gemahn Triest und bei diesem
Anlasse scheinen die ersten Unterhandlungen
wegen Uebernahme Lippizas nach kurz vor
her behördlich regulirten und festgestellten
Grenzmarken eingeleitet worden zu sein. Im
Monate Jänner 1579 wurden über Befehl des
Erzherzogs zwischen dem Bischof von Triest,
Nikolaus v. Göret (1576—1595), und Hans
Khisl, Oberst-Erblandjägermeister, und Ihrer
fürstlichen Durchlaucht Hofkammerpräsiden
ten, einem vom Erzherzog hochgehaltenen
Manne, die begonnenen Unterhandlungen
wegen Acquirirung des „Dörfts Lipiza zu Ihre
fürstlichen Durchlaucht Gestüt“, nachdem
schon früher bei Adelsberg ein solches ange
legt war, schriftlich weiter fortgeführt. Der
Bischof beeilte sich, seine Bereitwilligkeit
zur „gehorsamblichen“ Uebergabe an den
gnädigsten Landesfürsten und Herrn zu er
klären, wünscht „Demselben vill Glueck und
Heyll und dass es wohl gerathe“.
„Da aber auch er schuldig sey, und die
Noth es wohl erfordert, dieses armen
Bisthums Nutz zu befürdern, auf dass er nit
ein ewigen Fluch bei den Nachkohmen auf
sich lade, dass er Etwas mit schaden
daruon vergeben hat“, so bittet er um jähr-

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