Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Sechster Band (Langogne - Myzon)
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liehe 50 fl., und „dass er beuor habe,
des Pfarrers Quarthier und die Freiheit for
die Hausnothdurft Holz zu schlagen“.
Der Erzherzog genehmigte die gestellten
Bitten, wie aus einem Stiftsbrief vom 19. Mai
1580 zu ersehen ist, und schon im nächsten
Jahre wurde in Lippiza das neue Gestüt an
gelegt.
Zur selben Zeit bestand Lippiza ausser
dem Meierhofe nur aus den früher erwähnten
drei Huben, und der Hauptmann von Triest,
der auf hohen Befehl „die Stuterey“ besuchte,
sieht sich veranlasst, an den Erzherzog in
einem Berichte verschiedene Vorschläge zu
machen. Bis zum Jahre 1585, innerhalb
welcher Zeit mehrere Neubauten ausgeführt
worden waren, ein Schmied angestellt wurde,
war das Gestüt bereits in feste, sichere Bah
nen geleitet, und war der erste Gestütsver
walter Franz Jurko, der einen Jahresgehalt
von 100 Thalern bezog, vollauf beschäftigt,
die an ihn ergehenden Befehle zur weiteren
Hebung des Gestütes auszuführen. Schon im
Jahre 1590 wurden auf hohen Befehl die Wies-
mader mit einer Trockenmauer umgeben und
der lange Stall für das junge Gestüt um ca.
10 Klafter verlängert.
1594 fand ein Gebietszuwachs statt, über
dessen Ausdehnung keine näheren Angaben
vorliegen. Der fürstliche Marstall in Graz er
hielt damals schon regelmässige jährliche Zu
wüchse, was aus den vom Jahre 1595 vor-
findlichen Belegen ersichtlich ist, wo im
selben Jahre 30 Stück Fohlen nach Graz ab-
gingen. Nach dem Tode des Erzherzogs Karl
wurde am 12. December 1596 dessen erst
geborenem Sohne, dem Erzherzog Ferdinand,
nachmaligen Kaiser Ferdinand II., als Herrn
von Krain feierlich gehuldigt. Trotz der
drückenden Geldnoth, die im Reiche und am
Hofe herrschte, wurde Lippiza nicht vernach
lässigt, wovon allerhöchste Befehle, von Wien
und Wiener-Neustadt datirt, Zeugniss geben.
Stetig wurde an der Vervollständigung der
Baulichkeiten gearbeitet und im Jahre 1602
der für damals gewiss bedeutende Betrag von
1160 fl. speciell zur Erweiterung der Ställe an
gewiesen. Aus anderen Anordnungen ersieht
man, dass das Personal vermehrt, Wasser
lacken grösser gemacht, die Wohnung des Ge
stütsmeisters und ein neuer Stall hergestellt
wurde. Ein ordentlicher Stall für die Vater
pferde dürfte zu dieser Zeit noch nicht be
standen haben, wie aus einer Hofkammer
verordnung vom 28. März 1636 zu entnehmen
ist, wo es heisst, dass die vom Gestütsmeister
nach der Belegung nach Laibach geschickten
Hengste von Lippiza im Vicedomus zu Lai
bach gut untergebracht und gut gewartet
werden sollen. Während der Begierungszeit
des Kaisers Leopold I. (1687—1705) wurde
dem Gestüte besondere Aufmerksamkeit zu
gewendet. Gegenwärtig befindet sich noch
oberhalb des Einganges in den Hengstenstall
ein schwer in Stein gemeisselter Adler, der
auf seinem Brustschilde den Namenszug des
Kaisers trägt. Doch nicht nur der äusseren
Ausstattung des Gestütes wurde hohe Sorg

falt zugewendet, auch die Organisation der
Verwaltung wurde einer eingehenden Refor
mation unterzogen, für die Züchtung stricte
Normen ertheilt. Das Gestüt sollte gehalten,
sollte gefördert werden, denn der Pferdebe
darf war ein erhöhter und die Hofhaushal
tung selbst bedurfte bei dem prunkvollen
spanischen Ceremoniel vieler und schöner
Wagen- und Reitpferde; die Ausfahrten gli
chen ganzen Festzügen, da hiezu stets
wenigstens 20 Wagen mit einer entsprechenden
Anzahl von Vorreitern, Stallleuten, Läufern
u. s. w. erforderlich waren.
Eine Instruction in 23 ausführlichen
Punkten ddto. Wien, 7. September 1658, von
Sr. Majestät selbst gezeichnet und vom Grafen
v. Sintzendorfl gegengezeichnet, bietet bis
heute noch die Grundlage der Gestütsvorschrif
ten. Im Jahre 1660 besuchte Kaiser Leopold I.
Triest und kam nach achttägigem Aufenthalte
in dieser Stadt mit seinem ganzen Hofstaate
und auch vom spanischen Gesandten gefolgt,
zunächst nach Lippiza, um die Einrichtungen
des Gestütes in Augenschein zu nehmen, wo
bei er den Bediensteten seine volle Zufrieden
heit aussprach. Aus verschiedenen wiederholten
Befehlen und Mahnungen ist zu ersehen, dass
Se. Majestät Lippiza immer im Auge behielt.
Die Cultur des edlen Pferdes im „kaiserlichen
Gestüte“ blieb nicht ohne Einfluss auf die
Pferdezucht des Landes. Adel und Städte er
richteten Stutereien, zu welchen hauptsächlich
Lippiza die Zuchtthiere lieferte. In solcher
Weise erwies sich das kaiserliche Gestüt für
die Pferdezucht des ganzen Landes, diesen
wichtigsten Zweig der Volkswirthschaft, segen
bringend. Unter der Regierung Kaiser Josef I.
(1705—1711) wurde abermals ein Stall für
die jungen Fohlen vergrößert. Da das Ge
stütspersonale bereits auf 90 Köpfe angewach
sen war und eine grössere Vermehrung bevor
stand, wurde beantragt, einen Caplan für
Lippiza anzustellen, und wurde diesem An
suchen auch mit einem vom 8. November
1710 ausgestellten Handbillet Folge gegeben.
Von den unter Kaiser Josefs Regierung ver
anlassten Erweiterungen der Gestütslocalitäten
gibt noch jetzt ein oberhalb des sogenannten
gewölbten Hengstenstalles angebrachtes Chro
nographicon Zeugniss, das die Namen Leopold I.
und Josef I. vereint.
LeopoLDo I. plo. orbls Caesare IMperante
Iosepho InIMICos DebeLLante.
(Zur Zeit als der erlauchte Kaiser Leopold I.
über sein Land regierte. 1704. Zur Zeit als
Joseph seine Feinde schlug. 1704.)
Die für die staatliche Entwicklung Oester
reichs hochbedeutsame 29jährige Regierungs
zeit Karl VI. (von 1711—1740) war auch für
Lippiza von wesentlichem, fortbildendem und
constituirendem Einflüsse. Von den in diese
Zeit fallenden Neubauten sei der grosse Schütt
kasten erwähnt, der über 8000 fl. zu stehen
kam. Besonderes Augenmerk wurde der Wasser
frage zugewendet, zu welchem Zwecke auch
Bohrversuche von einem aus Idria beorderten
Bau- und Wasserkunstmeister vorgenommen
wurden, die jedoch ohne Resultat waren. Im

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