Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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Umdrehung und wird in der Weise ausge
führt, dass das Pferd die Vorhand wie zu
einem erhabenen Galoppsprung, also mit ge
krümmten Beinen, erhebt und die ganze Um
drehung auf dem inneren, stehenbleibenden
Hinterfuss in einem Sprunge vollführt, wäh
rend der andere Hinterfuss, nur massig von
der Erde erhoben, einen Halbkreis beschreibt.
Sie ist daher eigentlich auch nur ein mit
einer Kehrtwendung verbundener Galopp
sprung.
Die Pirouette wird aus den drei Gang
arten, Schritt, Trab und Galopp vollführt.
Bei jungen Pferden wird aus der Bewegung,
u. zw. zuerst aus dem Schritt gehalten, dann
das Pferd mehr versammelt, bis zum Hanken-
biegen und Untertreten der Hintersasse, wor
auf die Vorhand bis zur entgegengesetzten
Seite um die Hinterhand herumgeführt wird.
Ebenso geschieht bei vorgeschrittenerer Aus
bildung die Umdrehung aus dem Trabe nach
stattgefundener Parade und schon in lebhaf
terem Tempo als anfänglich. Im Galopp zeigt
sich das Pferd für die Uebung schon geneigter,
da es sich hiebei bereits in zusammengescho
bener Haltung befand. Zum Gelingen ist
es vor Allem nothwendig, dass das Pferd
gut auf die Hanken gesetzt wird, sich in
diesen, den Sprunggelenken und Köthen ge
hörig biegt, um die Last zunächst auf beide
Hinterfüsse gleichmässig im Gleichgewicht
aufzunehmen, dann auf einen Fuss zu ver
legen und, ohne in Schwankungen zu ge
rathen, die Wendung ausführen zu können.
Je kraftvoller, vermögender und feuriger das
Pferd ist, desto vollkommener wird sich die
Uebung gestalten lassen. Schwache Pferde
können weder die Vorhand genügend erheben,
noch die Hinterhand, namentlich die Sprung
gelenke genügend biegen.
Bezüglich des Beiters ist es zum guten
Gelingen der Pirouette aber erforderlich, dass
er nicht nur die Stärke der Zügel und Schen
kelhilfen gegen einander abzumessen im
Stande ist, sondern dass er auch seine eigene
Körperhaltung der Wendung anzupassen und
mit dem Körper gewissermassen in diese
hineinzugehen versteht.
Als eine Art der Pirouette, deren man
auch in der höheren Tanzkunst sich bedient,
kann man in der Reitkunst das Changement
h la pirouette bezeichnen. Dasselbe besteht
aus zwei nach derselben Seite kurz hinter
einander ausgeführten Passaden. Grassmann.
Pirouettiren, französisch pirouetter, sich
im Kreise herumdrehen (s. Pirouette - ). Gn.
Pisa in Italien, 8 km von der Ärnomün-
dung, ist berühmt wegen mannigfacher Sehens
würdigkeiten (schiefe Thurm, Campe Santo
u. s. w.). Hier besteht ein unter König Victor
Emanuel für den Bereich des vormaligen
Grossherzogthums Toscana gegründetes Staats-
hengstendöpöt. Dasselbe ist vortrefflich ein
gerichtet und ist mit etwa 50 Beschälern
besetzt. Der vorzüglichste unter ihnen ist
wohl der 1879 aus England eingeführte An
drei! v. Blair Athol a. d. Woodcraft v. V olti-
geur, welcher für 100 Lire deckt.

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In der unmittelbaren Nähe von Pisa
liegt Babericina, das italienische Training-
Hauptquartier, und westlich von der Stadt
nahe am Meere die Meierei San Rossorio
(s. d.), woselbst ein berühmtes Kameelgestüt
besteht. Grassmann.
Pisang, s. Musaceen. Vogel.
Pisek in Böhmen, liegt in der gleich
namigen Bezirkshauptmannschaft am Wotawa-
fiuss in einer sandigen Gegend.
Der in Pisek unterhaltene Staatshengsten-
depötposten führt die Nr. 5 der zum Staats-
hengstendöpöt für Böhmen gehörigen. Die
Zahl der hier aufgestellten Beschäler beträgt
82. Von ihnen sind 2 englische Vollblüter:
Ahasverus v. Verneuil a. d. Dossa und
Constantinovich v. Constantin a. d. Carri-
cature, 56 englische Halbblüter, 10 Nor-
folker, 2 orientalische Halbblüter, 5 Kladru-
ber, 5 Normänner und 2 Kaltblüter. Von
letzteren ist einer Suffolk, der andere Ar-
denner. 5 der Hengste sind aus dem k.k. Staats
gestüt Radautz, 38 aus den Fohlenhöfen ent
nommen, während der Rest durch Ankauf,
u. zw. 16 im Inlande, 2 in Ungarn und 21
im Auslande beschafft sind.
Der Bezirk des Döpötpostens, welcher
die südwestliche Ecke Böhmens einnimmt,
erstreckt sich über die Bezirkshauptmann
schaften: Blatnä, Strakonic, Pisek, Schütten
hofen und Prachatic. In denselben werden
21 Stationen, u. zw. 1 mit 8, 1 mit 7, 1 mit
6, 3 je mit 5, 5 je mit 4, 6 je mit 3 und 4
je mit 2 Hengsten besetzt. An Deckgebühr
wird mit Ausnahme von 13 Hengsten, deren
Belegtaxe auf 3 Gulden festgesetzt ist, iür
jeden Hengst 2 Gulden erhoben.
Was nun die Verwaltung des Postens
betrifft, so wird derselbe wie in Pilsen (s. d.)
geleitet. Grassmann.
Pisenauer Gestüt auf dem Bruderhaus zu
Solitude, Württemberg, wurde nach Wörz
„die Staats- oder Landespferdezuchtanstalten
Württembergs“ dem Gestüthof Offenhausen im
Jahre 1790 einverleibt (s. Offenhausen). Gn.
Pisis (von überreden, bewegen),
das Empfindungsvermögen. Anacker.
Piso (von pisare, stampfen), der
Mörser. Anacker.
Pissa s. pitta s. pixa, das Pech, der
Theer. Anacker.
Pisse, rothe, s. Blutharnen.
Pistacia lentiscus. Mastix-Pistazien
baum, Anacardiacee L. XII. 5. der Mittel
meerländer, aus welchem durch Einschnitte
in die Rinde der Mastix,
Resina Mastix, Masticse, ausfliesst
und zu erbsengrossen, weissgelben, glänzen
den Harzkörnern eintrocknet. Die Masse wird
zu Klebpflastern, des angenehmen Geruches
wegen auch zu Räucher- und Zahnpulvern
verwendet. Vogel.
Pistillum (von pinsere, stossen), der
Stösser, der Stempel, das weibliche, Befruch
tungsorgan der Pflanzen. Anacker.
Das Pistill ist ein pharmaceuti
sches Instrument (Stempel), aus Holz,
Porzellan, Porphyr, Metall u. s. w. gefertigt.

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