Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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von den österreichischen Ländern noch Salz
burg zu erwähnen, welches ebenfalls — wie
Belgien und Frankreich — viele schwere
Lastpferde producirt. Freytag.
Pferdestaupe ist der von Dieckerhoff in
die Veterinärnomenclatur eingeführte Name
für Influenza, u. zw. für diejenige Form der
selben, welche sich als ein contagiöser Ca-
tarrh der Respirations- und Verdauungsorgane
mit typhösem Charakter zu erkennen gibt.
Schütz nannte diese seuchenhaft auftretende
Pferdekrankheit Rothlaufseache (s. In
fluenza und Brustseuche). Anacker.
Pferdetyphus, s. Petechialfieber.
Pferdeversicherungen haben sich in neue
rer Zeit dadurch gebildet, dass entweder
Actiengesellschaften entstanden, oder aber
auf Gegenseitigkeit gegründete Privatgesell
schaften in verschiedenen Ländern sich eta-
blirten, die zum Zwecke der Schadloshaltung
bei Unglücksfällen von Pferden durch Krank
heiten, Seuchen, Beinbrüche, Brände, Blitz
schläge etc. gegen gewisse jährliche Prä
mienerhebungen die Besitzer solcher Thiere
zu entschädigen und nach einer bestimmten
Werthscala den ganzen oder theilweisen Ver
lust zu decken suchen. Die entstandenen
Actiengesellschaften haben sich aber weniger
der Pferdeversicherung allein, als vielmehr
der gesammten Viehversicherung (s. d.) an
genommen, dagegen sind in Bayern anfangs
der Vierzigerjahre Privatgesellschaften ent
standen, die auf Gegenseitigkeit beruhten und
die sich auf kleinere Bezirke erstreckten,
nur Pferde in ihre Versicherung aufnahmen
und gut prosperirten. Im Allgemeinen gibt
es drei Versicherungssysteme: 1. das der
Prämie; 2. das der gegenseitigen Versiche
rung; 3. das gemischte System. Das erste
System ist das einfachste; der Versicherte
zahlt zu Anfang des Jahres eine gewisse
Summe (Prämie) an die Gesellschaft und
hat sich weiter nichts um die Verluste
oder den Gewinn zu bekümmern, den
dieselbe macht; in diesem Falle muss jedoch
die Prämie immer höher gestellt werden als
in beiden andern, weil sie auch ungewöhn
liche Verluste in Rechnung nehmen und der
Gesellschaft einigen Nutzen abwerfen muss.
Bei dem gegenseitigen Versicherungssystem
wird nicht mehr auf die Versicherten umge
legt, als der wirklich zu ersetzende Schaden
beträgt, und dieses System ist bei den kleine
ren Versicherungsverbänden das vortheil-
hafteste, einfachste und beste. Bei dem ge
mischten System werfen die Besitzer ihre fest
gesetzte Prämie in die Gasse, welche eine
Gesellschaft von Capitalisten ausgestattet
haben; sie nehmen Antheil an dem allen-
fallsigen Ueberschusse, sind aber nicht
zu Nachzahlungen verbunden. Dieses System
ist besonders bei Gegenständen, deren Ab
gang sehr veränderlich oder nicht genau be
kannt ist, anzurathen; es kann, sobald das
durchschnittliche Verhältnise der Verluste
sicher bekannt worden ist, durch eines der
vorhergenannten Systeme ersetzt werden.
Die Grösse der Prämien richtet sich

nach dem Werthe der versicherten Gegen
stände und dem Verhältnis der Verluste,
wobei auf das Alter und auf den Gebrauch
der Thiere Rücksicht zu nehmen ist; denn
der Werth junger, mittelalter, alter Pferde
ist verschieden, sowie beim Gebrauch der
zur Industrie und den Handel verwendeten
Pferde der Verlust ein grösserer sein wird,
als der von Luxus- und Bauernpferden. Im
Jahre 1848 hat sich für das Königreich
Bayern in Baireuth ein auf Gegenseitigkeit
gegründeter Versicherungsverein gegen Scha
den an Pferden und Rindern etablirt. Die
Schadenvergütung betrug im ersten Halbjahr
für 100 fl. Versicherungssumme bei Pferden
38 kr. und für Postpferde 2 fl. 5 kr.; dage
gen im zweiten Halbjahre für erstere 1 fl.
16 kr. und für letztere 3 fl. 19 kr. Im dritten
Halbjahre wurden von den gewöhnlichen
Pferden 2 fl. 44 kr. und den Lastpferden
3 fl. 84 kr. eingehoben. Dieser Versiche
rungsverein konnte sich nicht halten und
ging nach einigen Jahren wieder ein. Zu
gleicher Zeit wurde in Speier in der
Rheinpfalz ein allgemeiner Versicherungsver
ein gegründet und in denselben auch Pferde
aufgenommen, der heute noch besteht und
grosse Geschäfte macht. Obwohl für ganz
Bayern bereits ein Versicherungsverein vor
handen war, gründete dennoch der Thierarzt
Adam im Jahre 1830 einen speciellen Verein
für Pferdeversicherung auf Gegenseitigkeit in
Happburg mit Zugrundelegung der Verfas
sung des bayrischen Vereins, weil die Pferde
besitzer eines kleineren Bezirkes sich kennen
und den Werth ihrer Pferde gegenseitig ab
zuschätzen wissen, was die beste Controle
für das Gedeihen desselben sei und ein
grösseres Zutrauen erweckte, als dies bei
einem grösseren Verein möglich ist. Die
Statuten dieses Vereins lauten im Auszug:
§ 1. Der auf Gegenseitigkeit gegründete
Verein vergütet für unverschuldete Verluste
an Pferden den Mitgliedern zwei Drittheile
des nachgewiesenen Werthes und die Cur-
kosten aus den Aufnahmsgebühren und halb
jährigen Beiträgen.
§ 2. Es werden zunächst nur Oekonomie-
pferde versichert.
§ 3. Jeder Pferdebesitzer, der sich zur
Aufnahme meldet, hat den bestimmten Ver
sicherungsantrag auszufüllen, die in demsel
ben über die Ställe, den Gesundheitszustand,
den Werth der Pferde gestellten Fragen wahr
heitsgetreu zu beantworten und zu unter
schreiben.
§ 4. Bleibt die Aufnahme unbeanstandet,
so erfolgt die Eintragung in das Hauptbuch
und folgt die Ausfertigung der Aufnahms
urkunde.
§ 8. Die Versicherung beginnt, sobald die
Aufnahmsgebühr (vom Hundert Versicherung
2%) erlegt und die Aufnahmsurkunde ausge
händigt, die folgende Mitternacht.
§ 6. Die Versicherung hört auf: 1. Wenn
das Mitglied 14 Tage vor Ablauf des halben
Jahres seinen Austritt anzeigt; 2. wenn es
binnen sechs Wochen seine Beiträge nicht

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