Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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ruhen. Im Jahre 1879 waren in Deutschland
9 grössere Vieh Versicherungsgesellschaften
(Pfälzer, Braunschweiger, Hessische Bank für
Deutschland, Centralvereinsbank, Nationale,
Sächsische, Vereinsbank zu Uelzen, Rheini
sche und Union), welche zusammen für
M. 37,696.287.— Vieh versichert hatten. Die
Nettoprämie betrug im Durchschnitte mit Aus
nahme zweier Banken M. 3.14.—. Wenn man
freilich den materiellen Werth des Viehstan
des in Deutschland betrachtet, der in die
Millionen geht, so ist eigentlich nur im
Kleinen ein Bruchtheil derselben versichert,-
u. zw. aus dem Grunde, weil sich zu diesen
Versicherungen der häutigen Gefahr von
Krankheiten und Unglückfällen wegen die
Actiengesellschaften oder Unternehmen nur
schwer herbeilassen, solche Versicherungs
verbände zu gründen, oder aber, wenn sie ge
bildet, solche hohe Prämien verlangen, dass
die Viehbesitzer sich lange besinnen, ihre
Thiere versichern zu lassen. Die Gegensei
tigkeitsversicherungen dagegen sind in allen
Verhältnissen des Versicherungswesens ohne
dies ungemein schwer ins Leben zu rufen
und gerade in dieser speciellen Versicherung
von Pferden finden sich die Männer nur
selten, die mit Intelligenz und Geldmitteln
ausgerüstet sind, um sich das Vertrauen der
Viehbesitzer zu erwerben und an die Spitze
solcher Gesellschaften zu stellen. Abr.
Pferdewärter sind Personen, die die Pferde
zu warten, zu pflegen, zu putzen, zu füttern, zu
tränken, überhaupt in jeder Beziehung im
Stalle, im Freien und bei der Arbeit zu über
wachen haben und die ihre ganze Aufmerk
samkeit darauf richten müssen, dass die
ihnen anvertrauten Thiere äusserlichen Be
schädigungen entgehen und vor Einflüssen,
die Krankheiten verursachen können, bewahrt
werden.
Ein guter Pferdewärter soll daher auch
Kenntnisse über den Bau und das Aeussere
des Pferdes, die Gangarten, Warte, Pflege,
Gesundheits- und Krankheitserscheinungen
derselben besitzen, etwas von dem Huf
beschlag verstehen, Reiten und Fahren können
und in dem UmgangmitPferden, die Untugenden
(Schläger, Beisser, Durchgeher) haben, sich
jederzeit zu helfen und demnach sie zu be
handeln wissen; weiters soll er Sattel-, Ge
schirr- und Wagenkenntniss besitzen. Deshalb
muss ein guter Pferdewärter einen kräftigen
gesunden Körperbau besitzen, mit guten
Sinnen versehen, fleissig, nüchtern, aufmerk
sam und geduldig sein, um unerschrocken,
muthvoll und couragirt sich seinen Pferden
nähern zu können.
Die Pferdewärter lassen sich classificiren
in Luxus-, Reit-, Wagen- oder Herrschafts-
Wärter, in solche von Kutschern, Fiakern,
Trambahn und Omnibus, sowie in Post-, Fuhr
manns-, Müller-, Bräuer- und Spediteurs-, dann
bei gewöhnlichen Sandfuhren und für die
Landwirthschaft verwendete Bauern-Pferde
wärter. Ausserdem sind noch beim Militär
als Reit- und Fuhrsoldaten verwendete
Pferdewärter vorhanden. Jedenfalls ist die

letztere Classe die bestunterrichtete und
wird daher diese auch meistentheils bei der
ersteren in Verwendung genommen, weil die
selbe meistens theoretisch und praktisch aus
gebildet ist und den Umgang mit Pferden
kennt und sie auch nach ihrem Tem
perament und den Charaktereigenthümlich
keiten am besten zu beurtheilen weiss.
Im Jahre 1877 wurde in Klamestorp in
der Nähe von Jönköping in Schweden eine
Schule für Pferdewärter durch eine Actien-
gesellschaft errichtet. Auf der Schule werden,
so lange der Platz es zulässt, Zöglinge auf
genommen, die es wünschen, zu Kutschern
und Pferdewärtern ausgebildet zu werden,
zugleich auch Pferde, die eingefahren werden
sollen. Der Unterricht wird in vier Terminen
gegeben, jeder zu drei Monaten, so dass die
Sommertermine mehr zu praktischen Uebungen
angewendet werden und die Winterzeit mehr
zu dem theoretischen Unterrichte. Die Schule
wird durch einen Vorsteher versehen, der die
Aufsicht über die administrativen und finan-
ciellen Vorkommnisse, sowie die Leitung der
Oekonomie hat, die Disciplin aufrechthält und
den Unterricht zu geben hat. Demselben wird
ein Fahrmeister und Rechnungsführer beigege
ben. Der Vorsteher gibt Unterricht in dem
Exterieur des Pferdes, in der allgemeinen Grund
lage der Betriebslehre, in der Lehre von der
Zucht und Pflege des Pferdes, in der Theorie
des Hufbeschlages und der Pferdewartung im
Stalldienst und in der Behandlung der all
gemeinen und leichteren Krankheitsfälle beim
Pferde. Der Fahrmeister unterrichtet im
Fahren mit einem, zwei oder vier Pferden, im
Einfahren jüngerer und älterer Pferde, im
Stalldienst und Pferdewartung, zugleich
darin: Sattel, Gebiss und Sattelzeug auf das
Pferd zu legen, anzuspannen, in der Be
wahrung von Wagen und Sattelzeug und in
der richtigen Ausführung des Beschlages.
Wenn man den hohen Werth, der im Pferde
material liegt, betrachtet, so sind brauchbare
und gute Pferdewärter unschätzbar und wären
solche Schulen allenthalben zu errichten an
gezeigt. Ableitner.
Pferdezahnmais, s. Mais.
Pferdezuchtenqueten werden von Zeit
zu Zeit von Seite der Staatsregierungen oder
Körperschaften veranstaltet, um zu unter
suchen, in welchem Zustande die Pferdezucht
bezüglich der Quantität und Qualität im
Lande sich befindet, ob sie vorwärts schreitet
oder im Rückgänge begriffen ist, welche
Systeme der Verbesserung und Veredelung in
den Gestütsanstalten Anwendung finden, und in
welcher Weise die ländlichen und Privatpferde
züchter sich der Sache angelegen sein lassen.
So wurde im Jahre 1870 vom Unionsclub in
Preussen ein Pferdezuchtsenquete veranstaltet,
der die Elite der preussischen Sportsmen,
die Spitzen der preussischen Gestütsver
waltung, Vertreter der Remonte-Ankaufscom
mission und Remontedepötsverwaltung sowie des
Oekonomiecollegiums beiwohnten und die über
folgende Punkte zur Hebung der Landes
pferdezucht verhandelte:

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