Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
PURL:
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I. Von Staatswegen durch:
A. eine Reorganisation des preus
sischen Staatsgestütwesens:
a) in den Hauptgestüten: Alimälige Re-
ducirung;
b) in den Landgestüten: Durchführung
des Beschlusses des Hauses der Abgeordneten
vom 23. November 1869: die Verwaltung der
Landesgestüte ist unabhängig von der Ver
waltung der Hauptgestüte hinzustellen;
c) in der Centralverwaltung: Bildung eines
Centralraths für Angelegenheiten der Landes
pferdezucht mit Sitz und Stimme, und Aus
dehnung der Centralverwaltung für Ange
legenheiten der Landespferdezucht womöglich
auf den Bereich des Norddeutschen Bundes.
B. Wirksame Unterstützung und
UÜberwachung der deutschen Landes
pferdezucht;
a) Einführung eines ausgedehnten Prä-
miirungssystems:
1. durch Zucht- und Rennprämien;
2. durch Unterstützung der Zuchtvereine
für Beschaffung von Deckhengsten;
3. durch Ankauf der Landesbeschäler aus
der Privatzucht;
b) Zeitgemässe Reform der Körord
nungen.
II. Von Seiten der Interessenten
durch:
A. Begründung eines Vereins zur He
bung der Landespferdezucht im gesummten
Deutschland;
B. Begründung von Zuchtvereinen für
den Erwerb von Mutterstuten wie für die ge
meinsame Aufzucht von Fohlen;
C. Abhaltung von Pferdeschauen und
Märkten bei öffentlichem Verkauf mittelst
Meistgebot oder Lotterie:
D. Einrichtung von Reit- und Fahrschulen
an geeigneten Centralpunkten im ganzen
Lande;
E. Verbreitung nützlicher Kenntnisse beim
Betriebe der Pferdezucht durch Druckschriften
und Vorträge;
F. Wahl eines ständigen Ausschusses von
9 Mitgliedern cum facultate cooptandi zur
Durchführung der Beschlüsse.
Auf Anregung des Landesökonomie
collegiums in Preussen im Jahre 1871 —1872
wurde von dem Minister für die landwirthschaft-
lichen Angelegenheiten eine Pferdezuchtenquete
einberufen, die aus 20 Mitgliedern, meistens
adeligen Grossgrundbesitzern, Regierungsbe
amten, Landstallmeistern, Officieren, ohne
dass ein Thierarzt zugezogen worden ist,
bestand, und welche die Bestimmung hatte,
die Fragen wegen Förderung der Privatpf rde-
zucht zur Erörterung, vor ihr Forum zu
ziehen.
Sämmtliche Fragen wurden in 2 Gruppen
getheilt, nämlich in Fragen der Gestütsver
waltung und in Fragen der Landespferde
zucht. Zur ersten Frage wurde der Antrag
angenommen: Das königliche Ministerium
wolle die Verwaltung der Hauptgestüte von
der der Landgestüte in administrativer und
finaneieller Beziehung trennen.

Der zweite Antrag, die Bildung eines
Landgestütsrathes, wurde verworfen. Drittens
wurde beschlossen, dass alljährlich eine
Summe von 230.000 Thaler auf den Staats
haushaltetat gebracht werde, um damit durch
Ankauf die Zahl und Qualität der Beschäler
in den Haupt- und Landgestüten in geeig
neter Weise zu completiren und zu ver
mehren, und bei dem Ankauf auch darauf
Bedacht zu nehmen, dass den Bedürfnissen
der Landwirthschaft Rechnung getragen werde,
unbeschadet der Prämiirung.
Der Antrag: die Uebertragung der Ver
waltung der Landgestüte an diejenigen Pro
vinzen, die sich dazu bereit erklären, unter
den Modalitäten, welche den berechtigten In
teressen des Staates an der Entwicklung der
Laudespferdezucht Rechnung tragen, zu befür
worten, wurde angenommen. Einige Anträge
über Trainiranstalten, Verkauf von Vollblut
jährlingen, Auflösung des rheinischen Landge-
stüts etc. wurden verworfen, dagegen die
Etablirung eines Landgestüts in Pommern be
fürwortet. Der Antrag, den Etat für Ausbil
dung von Gestütseleven entsprechend zu er
höhen, um durch dauernde Beschäftigung
junger Leute als Assistenten der Haupt- und
Landgestütsdirigenten Personen von Befähi
gung für diese Stellen heranzubilden, wurde
angenommen. Ferner der Antrag, da, wo die
jetzigen Gehalte für Beschaffung vollkommen
brauchbarer Landgestütswärter, resp. Mieth-
wärter nicht ausreichen, die erforderlichen
Mittel entsprechend zu erhöhen. Der Be
schluss, Vermehrung der Landbeschäler und
die Bestimmungen treffen zu wollen, dass,
wenn Pferde, deren Ankauf bewirkt ist, ver-
äussert werden, dieser Erlös nicht wie bisher
zur Generalstaatscasse, sondern ebenso wie
der zum Ankaufsfonds zurückfliesst, wie die
bisher von den Zuchtvereinen zurückgezahlten
Darlehensraten, wurden angenommen.
Angenommen wurde ferner: nur solche
Hengste aus den Hengstgestüten in die Land
gestüte einzustellen, welche geeignet sind,
die Landespferdezucht zu heben; dann, dass
bei einer eintretenden Trennung der Land
gestüte von den Hauptgestüten die aus der
Zucht der letzteren gewonnenen qualificirten
Zuchthengste gegen einen von einer sachver
ständigen Commission zu bestimmenden Tax
preis an die Landgestüte abgegeben werden;
Ankauf auch solcher Hengste, welche unter
Berücksichtigung besonderer Localverhältnisse
geeignet sind, Sie Zucht der schweren Schläge
zu verbessern; Herabsetzung des Deckgeldes
bei Einführung eines Füllengeldes sowie
frühere Deckzeit, wo beides den Verhältnissen
entspricht; den Ankauf von Hengsten, welche
den Anforderungen eines Landbeschälers ent
sprechen und zum Decken fremder Stuten zur
Disposition gestellt werden, durch Ankaufs
prämien zu subventioniren; Beförderung der
Zuchtvereine und Bildung eines besonderen
Fonds (durch Budgetposition) von mindestens
10.000 Thaler zur Beschaffung von Hengsten
für Zuchtvereine, mit der Massgabe, dass die
jährlich zurückzuzahlenden Raten der den

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