Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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ähnlichen Körper, der in seinen Eigenschaften
dem Mucin nahe steht; doch werden seine
Lösungen durch Quecksilberchlorid und Blei
zucker gefällt. Loebisch.
Pyknit (ituxvo?, dicht), Stangenstein, eine
Varietät des Topas, welche lange mit dem
Beryll verwechselt wurde. Kommt in derben
strahligen Massen mit Lithionglimmern ge
mengt auf Zinnsteinstöcken zu Altenberg auf
dem Erzgebirge vor; grünlichgelb, stellen
weise von Eisenoxyd roth geflammt, spröde,
besteht wie der Topas aus kieselsaurer Thon
erde und Aluminiumfluorid. Loebisch.
Pyknosis (von uuxpoöv, dicht machen),
die Verdichtung, Verdickung. Anacker.
Pylaema (von rcuXvj, Pforte; txip.a, Blut),
das Pfortaderblut. Anacker.
Pylarus s. pylorus (von j:üXtj, Pforte;
d>po;, Wächter), der Pförtner. Anacker.
Pyle, die Pforte, das Thor, die Pfort
ader. Anacker.
Pylephlebitis s. pylophlebitis (von tcuXy;,
Pfortader; aXetp,Blutader; itis — Entzündung),
die Pfortaderentzündung (s. Hepatitis, Nabel
entzündung und Nabelvenenkrankheiten). Anr.
Pylorus, s. Magen.
Pylorusdrüsen, s. Magendrüsen.
Pyoblennocystis (von ubov, Eiter; ßXevva,
Schleim; mariq, Blase), die eiterartige
Schleim enthaltende Beule, die Lungeneiter
beule. Anacker.
Pyocele (von iroov, Eiter; r.-qXv;, Bruch)
der Eiterbruch, die Eitersenkung im Hoden
sack. Anacker.
Pyochezia (von wuov, Eiter; ysCs'v, Koth
absetzen), der Eiterabgang, der eitrige
Durchfall. Anacker.
Pyocoelia (von rcbov, Eiter; xoiXc'a, Bauch
höhle), der Eiterbauch. Anacker.
Pyocyanin, der blaue Farbstoff des Eiters.
Die nicht gar selten auftretende Blaufärbung
des Eiters rührt nach Lnecke von einer
eigenthümlichen Vibrionenart her, die sich
von einer Eiterfläche auf die andere über
pflanzen lässt. Zur Darstellung des Pyocyanins
werden die blaugefärbten Compressen oder
Verbandstücke 24 Stunden lang in dünnem
Weingeist macerirt, die meist grün gefärbte
Flüssigkeit wird dann abfiltrirt und der Al
kohol rasch abdestillirt. Der Rückstand gibt
ein klares Filtrat, welches im Kolben mit
Chloroform geschüttelt wird, in welchen mit
verschiedenen anderen Körpern auch der
blaue Farbstoff übergeht. Man versetzt die
abgehobene klare Chloroformlösung tropfen
weise so lange mit verdünnter Schwefelsäure,
bis sie völlig roth erscheint. Es scheidet sich
dann über dem Chloroform eine wässerige
rothe Schicht ab, die man abhebt, im Becher
glase auf dem Wasserbade erwärmt und dann
Aetzbarytlösung so lange zusetzt, bis die
Flüssigkeit wieder blau-erscheint. Man filtrirt
ab, wäscht mit Wasser nach. Die vereinigten
Filtrate werden wieder mit Chloroform ge
schüttelt und die klare Chloroformlösung an
der Luft verdunsten gelassen. Das so erhal

tene Pyocyanin krystallisirt in mikroskopischen
Nadeln oder Blättchen, welche an der Luft
beständig sind, beim Erhitzen schmelzen und
sich zersetzen. Es löst sich leicht in Chloro
form, Alkohol und Wasser, schwerer in
Aether. Das Pyocyanin färbt sich, wie Lack
mus, durch Säuren roth, durch Alkalien blau.
Durch Chlor, Salpetersäure, Terpentinöl wird
es zerstört. In verdünnten Säuren ist es
ziemlich beständig, durch starke Säuren wird
es beim Erwärmen verändert. In wässeriger
und in alkoholischer Lösung, auch in un
reinem Chloroform geht es leicht in einen
gelben Farbstoff -— Pyoxanthose — über,
der in Wasser wenig löslich, in Chloroform,
Alkohol und Aether leicht löslich ist und in
kleinen Nadeln krystallisirt. Loebisch.
Pyodiathesi8 (von iruov, Eiter; Liaffsu:;.
Anlage), die Anlage zur Eiterung. Anacker.
Pyogene (von iruov, Eiter; yswäv, er
zeugen) oder Eiter erzeugende Sub
stanzen bestehen in Mikroorganismen, deren
Natur noch nicht genau bekannt ist. Die äl
tere Lehre, dass mechanische und chemische
Reize Eiterung erzeugen, ist durch neuere
Untersuchungen erschüttert worden. Man fand
nämlich im Eiter Bauteilen als Entzündungs
erreger vor, die auf die Gewebe eitererzeugend
einwirken. Man hat jedoch bisher nur dann
mit den pyogenen Spaltpilzen Eiterung er
zielt, wenn man grössere Mengen von Rein-
culturen derselben dem Organismus einver
leibte oder den Versuchsthieren schwere Ver
letzungen beibrachte. Grawitz und de Bary
schlossen aus ihren Versuchen mit Höllenstein,
Ammoniak und Terpentinöl, dass chemische,
bacterienfreie Substanzen unter der Haut
Eiterung herbeiführen und die Gewebe für
das Wachsthum der Eiterkokken geeignet
machen, wenn sie in der gehörigen Menge
und Concentration und bei der richtigen Thier
art zur Anwendung kommen. Eine Bacterien-
art, welche unter günstigen Ernährungsbe
dingungen wächst, kann Spaltungsproducte
bilden, welche bei ihrer Resorption anderen
Bacterien das Wachsthum ermöglichen. Zur
Ausbildung dieser wirksamen chemischen
Körper ist die Anwesenheit von freiem Sauer
stoff nothwendig, wie dies bei einer äusseren
Wunde der Fall ist. Unter solchen Umstän
den sind die Kokken im Stande, auf den
Lymphwegen in die Tiefe zu gelangen, und
dort derart auf die Gewebe einzuwirken,
dass sie ihren Sauerstoff an die Pilze ab
geben, während sie selbst aufgezehrt werden
oder eimschmelzen und mit den Wucherungs-
producten der Umgebung den Eiter bilden.
Ohne Ptomäine vermögen die Eiterkokken
keine Entzündung oder Eiterung in der Sub
cutis einzuleiten (vgl. Virchow’s Archiv,
108. Bd.).
Rosenbach, Krause und Passet fanden im
Eiter acuter, geschlossener Abscesse Mikro
kokken in Ketten- und in Traubenform, näm
lich Staphylococcus aureus (von uraTraube; xdxxog, Beere; aurum, Gold), Stapli.
albus und Streptococcus pyogenes (von otps-
tpsiv. drehen, wenden). Diese Kokken erzen-

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