Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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gen nach subcutaner Einimpfung entweder
locale Abscesse oder allgemeine Infection mit
Abscessbildung in inneren Organen. Fütte
rungen mit ihnen blieben erfolglos; ausser
ihnen scheinen auch noch andere Mikro
organismen bei der Eiterung eine Rolle zu
spielen. Scheuerlen, Ruijs und Klemperer
brachten sterilisirtes Terpentin- und Crotonöl
in Capillarröhrchen unter antiseptischen Cau-
telen unter die Haut von Thieren, nach Ab
heilung der Wunde wurden die Röhrchen
zerbrochen, es entstand hienach Entzündung,
aber keine Eiterung. Es muss daraus ge
schlossen werden, dass jede Eiterung eine In-
fectionskrankheit ist (vgl. Centralblatt für
allgem. Gesundheitspflege, 1886). Schütz wies
in den gewöhnlichen Abscessen der Pferde
Staphylococcus albus und aureus, dagegen in
den Abscessen drusender Pferde Streptokokken
nach, das Blut enthielt eiterbildende Kokken,
die Organe metastatische Abscesse.
Streptococcus pyogenes, der Eiter-Ketten-
kokkus, wurde von Ogston und Rosenbach in
der Prämie gefunden, er ist auf Fleisch-
wasser-Pepton-Agar und Blutserum bei 35
bis 37° C. leicht zu züchten, er bildet auf
ihnen kleine, weisse Pünktchen, die später
die Dicke eines Stecknadelkopfes erreichen;
in der Mitte wölbt sich die Cultur hervor
und färbt sich schwach bräunlich, ohne dass
sich der Nährboden verflüssigt, wohl aber
wird Eiweiss peptonisirt; er bildet hier lange
Ketten, die sich in Kokkenhäufchen auflösen,
in eiternden Geweben kurze Ketten oder ein
zelne Kokken, die ungleich gross sind, bald
kugelig, bald mehr gestreckt erscheinen.
Staphylococcus, s. Micrococcus aureus,
der goldgelbe Trauben- oder Eiterpilz, ist
besonders in der acuten infectiösen Knochen
markentzündung gefunden worden; er ruft
primäre Entzündungsherde und von ihnen
ausgehende secundäre Eiterherde hervor. Er
lässt sich auf gekochten Kartoffelscheiben
und Blutserum bei 30° C., auf Fleischwasser-
neptoneelatine und in sterilisirter Kuhmilch
bei gewöhnlicher Zimmertemperatur züchten,
ist anfangs weiss, dann orangegelb und er
zeugt einen Geruch nach verdorbenem Kleister.
Subcutane Injectionen des Pilzes blieben bei
Kaninchen. Meerschweinchen und Mäusen
ohne Erfolg. Injectionen in die Bauchhöhle
erzeugten eine acute Bauchfellentzündung, in
das Blut bei künstlichen Quetschungen und
Fracturen aber an den verletzten Stellen
Eiterherde, Muskelabscesse,Nierenabscesse etc.
Man hat den Staphylococcus auch in Kar
bunkeln und Furunkeln gefunden.
Micrococcus pyocyaneus, der Pilz des
blauen Eiters, hat eine ellipsoidische Form
und färbt den Eiter grünblau oder blau; das
Pigment ist als Pyocyanin isolirbar, daneben
findet sich noch eine gelbe Substanz, das
Pyoxanthor. ein Oxydationsproduct des Pyo
cyanins. (Vgl. Zopf, die Spaltpilze.)
Staphylococcus aureus vernichtet die
Milzbrandbacillen infolge starker Eiterung;
milzbrandkranke Kaninchen, die mit subcu-

tanen Injectionen der Pilze behandelt wur
den, genasen (vgl. Pawlowsky im 108. Bande
des Virchow’schen Archivs). Anacker.
Pyohaemia, s. Pyaemia.
Pyometra (von naov, Eiter; p^tpa, Ge
bärmutter), die Eiteransammlung in der Ge
bärmutter. Anacker.
Die Pyometra besteht in einer verschie
den mächtigen Ansammlung einer meist rahm
artigen oder schleimig-eitrigen, in vielen
Malen selbst jauchigen, bräunlichen, chokolade-
förmigen, bröckligen, widerlich riechenden
Flüssigkeit im Uterus. Die Pyometra kommt
am häufigsten bei der Kuh, selten bei der
Stute — hier fast nur bei älteren Thieren — und
sehr selten bei den kleinen Hausthieren vor.
Ursachen. Die Pyometra hängt fast
immer entweder mit der Trächtigkeit oder
mit der Geburt zusammen. Die Ursachen
dieses Zustandes liegen bald in einer früh
zeitig abgestorbenen, im Uterus zurückge
haltenen, faulenden Frucht, bald ist er die
Folge einer acuten oder chronischen Endo
metritis. eines Fruchthältercatarrhes. Das
Zurückbleiben und Ausfaulen der Nachgeburt
sowie ein zu früher Verschluss des Gebär
mutterhalses nach der Geburt bilden weitere
Ursachen. Ferner kann — namentlich bei
der Stute — die Zurückhaltung und Zer
setzung des Brunstsecretes Pyometra verur
sachen. Zuweilen lässt sich eine bestimmte
Gelegenheitsursache nicht nachweisen.
Symptome. Bei — meist nur zeitweise
— bestehender Oeffnung des Gebärmutter
halses Liesst zuweilen aus der Scheide bald
eine dickliche, rahmartige, eiterige, bald eine
grauliche, bröcklige, jauchige, fötide Flüssig
keit aus. Meist ist jedoch — namentlich bei
der Kuh —• der Uterushals verschlossen und
wird dadurch der krankhafte Uterininhalt
gänzlich zurückgehalten. In diesen Fällen
nimmt infolge der sich allmälig im Uterus
vermehrenden Flüssigkeit der Bauchumfang zu.
Die im Uterus angesammelte Flüssigkeits
menge ist bisweilen eine sehr beträchtliche,
50—80—100 1. Ein solcher Zustand kann im
ersten Augenblicke eine Trächtigkeit oder
eine Bauchwassersucht vortäuschen; allein bei
der äusserlichen Untersuchung findet man
weder auf der rechten, noch auf der linken
Bauchseite einen festen Körper. Bei der
Untersuchung durch den Mastdarm oder
durch die Scheide fühlt man den Uterus als
einen blasenförmigen, gleichförmigen, mehr
oder minder ausgedehnten, mehr oder weniger
gespannten und schwappenden Körper, ohne
Fötaltheile in demselben constatiren zu
können. Es stellt sich im Verlaufe der Krank
heit Abmagerung, chronisches Siechthum und
schliesslich Tod infolge von Erschöpfung ein.
In nur höchst seltenen Fällen kann bei
völligem Verschluss des Uterushalses Heilung
erstrebt werden.
Sectionsergebnisse. Man findet im
Uterus eine verschieden grosse eitrige oder
jauchige, fötide Flüssigkeitsmenge vor; dann
stellenweise eiterige Zerstörung der Kotyle
donen, Vereiterung oder Verjauchung der

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