Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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des Schierlings, als Derivat des Hydropyridins
künstlich dargestellt worden. Man erhält das
Pyridin auch durch die Oxydation des Chi
nolins, wobei zunächst eine Pyridincarbon
säure entsteht, aus welcher nach Abspaltung
von Kohlensäure Pyridin zurückbleibt. Na
mentlich die Möglichkeit, durch die geschil
derte Reaction von dem Chinolin zum Pyridin
zu gelangen, hat zur Erkennung der oben
geschilderten chemischen Constitution des
letzteren geführt.
Das Pyridin ist ein tertiäres Amin, d. h.
der Stickstoff desselben ist mit seinen drei
Affinitäten an Kohlenstoff gebunden, dem
entsprechend zeigt es den Charakter einer
starken Base und vereinigt sich direct mit
Säuren zu Salzen. Es stellt eine farblose
Flüssigkeit von eigenthümlich penetrantem
brenzlichen Geruch und scharfem Geschmack
dar, vom spec. Gew. bei 0° — 0'9888, mit
dem Siedepunkt 117° C. Es ist mit Wasser,
Weingeist, Aether, Benzin, fetten Gelen leicht
mischbar. Die salzsaure Lösung des Pyridins
gibt mit Jodlösung einen braunen, mit Platin
chlorid einen gelben krystallinischen Nieder
schlag. Loebisch.
Pyridinum. Das flüssige Product der
trockenen Destillation besonders von Knochen
hat die physiologische Eigenschaft, die Reflex
erregbarkeit des Rückenmarks sowie die
krankhafte Erregbarkeit desAthmungscentrums
in unschädlicher Weise zu vermindern (Söe),
man wendet es daher in neuerer Zeit mit
Vortheil bei Brustbeklemmungen, Krämpfen,
Asthma (An aestheti cum für die Lungen)
etc. des Menschen an, indem man die klare,
brenzlich riechende Flüssigkeit etwa in der
Menge eines Theelöffels voll auf ein Tuch
giesst und täglich 2—3mal je '/, Stunde
einathmen lässt. Ausserdem ist das Pyridin
auch ein Erhärtungsmittel für mikroskopische
Zwecke, das zugleich die in der Bacteriologie
gebräuchlichen Farben leicht auflöst; die so
hergestellten Lösungen haben die Eigenschaft,
die meisten Mikroorganismen sofort intensiv
zu färben. Vogel.
Pyrochlor, ein tesseral krystallisirendes
Mineral, braun und undurchsichtig, brennt
sich im Feuer gelb (daher der Name). Wurde
im Zirkonsyenit von Frederiksvärn in Nor
wegen von Wöhler entdeckt. Härte 8, spec.
Gew. 4'2. Die Oktaöder sind häufig sehr
schön ausgebildet von 1—'S cm Grösse. Das
Mineral besteht aus Niob- und Tantalsäure,
Theroxyd und Ceroxydul, ferner aus wenig
Eisen, auch Manganoxydul und Fluornatrium,
zum Theile auch Uranoxyd. Das sehr seltene
Mineral wurde überdies in Minsk am Ural,
im Kalkstein bei Scheelingen, in Freiberg
gefunden. Loebisch.
Pyrodinum. Neben dem Salol und Phena
cetin ein neues Fiebermittel (Dreschfeld),
das seiner chemischen Zusammensetzung nach
als Acetphenylhydracin aufzufassen, krystal
linisch, färb- und geschmacklos sowie in
warmem Wasser leicht löslich ist. Pyrodin
setzt die Fiebertemperatur sicher und rasch
auf mehrere Stunden herunter, hat auch

sedative Wirkungen ähnlich dem Antipyrin
und soll besonders bei Pneumonien sich be
währen. Dosis für den erwachsenen Menschen
O'S — l'O, täglich nur einmal; in grösseren
Gaben erweist sich das Mittel als ein ziem
lich heftiges Gift. In der Thierheilkunde
liegen zur ' Zeit noch keine Erfahrungen
vor. Vogel.
Pyroenus (von itöp, Feuer; vivo;, Wein),
der Branntwein. Anacker.
Pyrogallol, Pyrogallussäure. Trihy-
droxylbenzol, s. Acidum pyrogallicum. Wie
Chrysarobin äusserlich bei chronischen Ekze
men (1 :10 Fett) verwendbar, aber als Blut
gift, wenn resorbirt, gefährlich. Vogel.
Pyrogallussäure, Pyrogallol, Trioxybenzol
C 6 H 3 (0H) 3 . Entsteht beim Erhitzen der
Gallussäure, indem diese in Kohlensäure und
Pyrogallussäure zerfällt, ferner beim Erhitzen
von a- und ß-Cblorphenol-Sulfonsäure mit
Aetzkali. Sie krystallisirt in Form weisser
glänzender Blättchen und Nadeln vom
Schmelzpunkt 118° C. und Siedepunkt 210° C.,
ist von bitterem Geschmack, löslich in
Wasser, Alkohol und Aether. Die wässerige
Lösung absorbirt bei Gegenwart von Alkalien
begierig Sauerstoff aus der Luft, wobei sie
sich bräunt; wegen dieser Eigenschaft dient
die Pyrogallussäure zur Bestimmung des
Sauerstoffs in einem Gasgemenge. Wässerige
Lösungen derselben reduciren rasch Silber,
Gold und Quecksilbersalze, wobei die Pyro
gallussäure zu Essigsäure und Oxalsäure
oxydirt wird; sie färbt Haut und Haare
dauernd braun. Die wässerige Lösung gibt
mit Eisenoxydulsalzen schwarzblaue, mit
Eisenoxydsalzen rothe Färbung. Die Pyro
gallussäure ist eine giftige Substanz, welche
den Blutkörperchen den rothen Farbstoff ent
zieht und Oxyhämoglobin zu Methämoglobin
umwandelt. Sie findet in der Medicin gegen
verschiedene Hautkrankheiten, namentlich
Psoriasis, Anwendung. Loebisch.
Pyrogen, ein Leuchtstoff, ähnlich dem
Solaröl, den man als Nebenproduct bei der
Mineralölfabrication erhält, indem man die
Dämpfe der rohen Carbolsäure rasch durch
ein hellglühendes Ruhr leitet und das ver
dichtete Destillat mit Lauge und Säure be
handelt, Loebisch.
Pyrola, Win te rgr ün unserer Waldungen,
Ericacee L. X. 1. In mehreren Arten vorkom
mende Pflanzen mit immergrünen, leder
artigen, oberseits glänzenden Blättern, soll
beim Verhüten der Weidethiere vermöge ihrer
scharfen Bestandtheile Blutliarnen erzeugen.
In Nordamerika ist das Kraut von Pyrola
um bell ata ein hochgeschätztes Diureticum
und Blasenmittel, das für den Menschen zu
8—18 g pro die gegeben wird. In grossen
Gaben erzeugt es Schwarzfärbung des Harns
und zuletzt Nierenentzündung. Vogel.
Pyroleum (von tiöp, Feuer; oleum, das
Oel), das brenzliche Oel. Anacker.
Brenzöl, flüssiger Theer, wie er
besonders aus Buchen und Birken gewon
nen wird (Oleum Fagi oder Botulinum empy-
reumaticum), sowie aus dem südfranzösi

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