Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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noch in den letzten Tagen vor dem Rennen da
rauf arbeiten lassen zu können. Je nachdem
die Bahn für Flach- oder Hindernissrennen be
stimmt ist, ist sie eben oder von natürlichen,
bezw. künstlichen Hindernissen unterbrochen.
Die Länge der Bahn richtet sich gewöhnlich
nach den vorhandenen Raumverhältnissen; je
länger sie ist, desto besser ist es. Eine gute
Bahn darf daher nicht unter 20(10 m lang
sein. Die einzelnen Entfernungen, die üblich
gelaufen werden, 1200, 1600, 2000, 2400m
u. s. w., sind darauf genau abgemessen und
bezeichnet, damit für den Start keine Irrungen
sich zutragen können.
Das Geläuf, das eine elastische Grasbahn
sein soll, darf besonders auf grossen Renn
plätzen nur gegen Gestattung der Bahnver
waltung zu Uebungsgalops benützt werden.
Gemeinhin ist hiefür eine Abgabe zu ent
richten, da die ordnungsmässigeInstandhaltung
eines vielbenützten Geläufes namentlich bei
nassem wie bei sehr trockenem Wetter mit
vieler Mühe und oft beträchtlichen Kosten
verbunden ist.
Während das Geläuf für Galoprenn-
bahnen ein elastischer Rasen sein soll, muss
dasjenige für Trabrennen ein hartes, chaussee
artiges sein, das dabei der Elasticität nicht
ermangelt. Die schmalen Räder des Renn
wagens dürfen keine bemerkenswerthen Ein
drücke auf dem Geläuf hervorrufen, da da
durch eine Erschwerung in der Fortbewegung
stattfinden würde, andererseits muss aber der
Huf des Pferdes zwar einen festen, sicheren
Auftritt finden, der aber wiederum dem Pferde
nicht in die Knochen dröhnen darf. Was nun
die Länge der Trabrennbahnen betrifft, so
ist auch hier eine möglichst lange die gün
stigste, die aber mindestens 1000 m, bezw.
eine englische Meile je nach der gebräuch
lichen Distanzbestimmung messen sollte. Gn.
Renneisen, s. u. Hufeisen.
Rennen bezeichnet in sportlicher Be
ziehung allgemein den Wettstreit geeigneter
Mitbewerber, eine im Voraus bestimmte Weg
strecke schnell zurückzulegen. Es gibt daher
Rennen für Radfahrer, im Rudern, für
Fussgänger, hier gewöhnlich Laufen genannt,
Rennen für Hunde u. s. w. In der Regel ver
steht man jedoch unter Rennen, kurzweg das
Wettrennen der Pferde, während für die
übrigen Rennen fast stets eine unterscheid
liche Bezeichnung hinzugesetzt wird.
Was nun die Schnelligkeit der Rennen
betrifft, so erfordert die heute gebräuchliche
Art derselben leider nicht immer die grösst-
möglichste Schnelligkeit der Mitbewerber, da
es meist nur darauf ankommt, welcher der
selben die vorgesteckte Entfernung bei mög
lichst gleichem Ablauf zuerst zurückgelegt.
Die Pferderennen werden nach mannig
fachen Gesichtspunkten unterschieden, vor
nehmlich in Flachrennen, d. h. Rennen ans
ebenem, ununterbrochenem Geläuf, und in
Hindernissrennen. Zu letzteren gehören alle
diejenigen Arten, bei denen im Geläuf Hin
dernisse vorhanden sind, welche von den

Pferden überwunden werden müssen. Je nach
der Art u. s. w. solcher Hindernisse werden
diese Rennen Hürdenrennen (Hurdle-race),
Jagdrennen (Steeplechase) (s. die einzelnen
Stichworte) genannt.
Die Flachrennen zerfallen ihrerseits in
Zuchtrennen (Produce stakes), Altersgewichts
rennen, Handicaps, ferner in solche für die
verschiedenen gleichaltrigen Pferde, für ein
heimische, für ausländische und für Pferde
gewisser Länder gemeinschaftlich, und in
Rennen über lange oder kurze Distanzen
(s. Zuchtrennen, Produce stake und Handicap).
Für Altersgewichtsrennen ist der Unterschied,
den die einzelnen Pferde durch verschiedenes
Aller in ihrer Leistungsfähigkeit zu einander
haben, durch die auf Erfahrungsgrundsätzen
beruhende Festsetzung des Gewichtes, das
die Pferde zu tragen haben und das sich sogar
nach den verschiedenen Jahreszeiten richtet,
ausgeglichen.
Weiter unterscheidet man die Rennen in
öffentliche und Privatrennen (Matches) (s.
Privatrennen und Match). Erstere sind solche,
die öffentlich ausgeschrieben werden, d. h.
deren Propositionen öffentlich bekannt ge
macht sind und für die gemäss der Proposi
tion allgemein genannt werden kann. Auch
hinsichtlich der Reiter unterscheidet man die
Rennen in Officiers-, Herren-, Jockey-Reiten
oder Rennen, sowie in Rücksicht der Gang
art in Galop- und Trabrennen.
Was nun den eigentlichen Zweck der
Rennen betrifft, so kann man diesen kurz so
ausdrücken: Die Rennen dienen dazu, den
wirklichen Werth der Leistungsfähigkeit eines
Pferdes festzustellen. Dieser wirkliche Werth
ruht bei der heutigen Einrichtung der Rennen
allerdings nur auf einer relativen Grundlage,
da die Leistungsfähigkeit nur mit derjenigen
eines, bezw. mehrerer anderer Pferde ver
glichen wird. Jedenfalls ermittelt man aber
durch die Rennen Leistungsfähigkeit, denn
schon allein die Vorbereitung für dieselben,
Training genannt, fordert solche. So ge
prüfte und in der Prüfung bestandene Pferde
dienen später zur Zucht. Man ist daher im
Stande, das beste Material für die Zucht aus
zuwählen und zu verwenden, um nur günstige
Erfolge von der Nachzucht erwarten zu
dürfen. Es dienen also die Rennen neben
dem sportlichen Interesse, das sie gewähren,
zur Ermittlung geeigneter Pferde zur Zucht
zwecks Hebung dieser.
Die Einrichtung der Rennen reicht bis
in das Alterthum zurück. Bereits die alten
Griechen und Römer veranstalteten solche
(s. Olympische Spiele). Die Araber hatten schon
nach den Traditionen des Abu Ubeyda etwa
um das Jahr 300 n. Chr. regelrechte Wett
rennen und kannten derzeit ebenso das lrai-
niren der Rennpferde. Die Leistungsfähigkeit
eines guten Pferdes betrug damals nach
Asinayi im gestreckten Galop 100 Pfeil
schussweiten, d. h. etwa 22 km. In England
fanden die ersten Versuche der Pferderennen
unter Heinrich II. im Jahre 1170 statt, indem
man derzeit die auf den Markt zu Smith-

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