Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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anspräche weit grösser, und er leidet viel
häufiger an Krankheiten, Knochen-, Sehnen-
und Huffehlern.
Weitaus die Mehrzahl aller Rennpferde
ist von ziemlich grosser Statur; ihre Wider
risthöhe schwankt zwischen 1'60 und 1'80 m,
doch sind die grössten, höchsten Pferde, von
welchen man sagt, dass ihnen zu viel Luft
unter den Beinen fortginge, nicht immer die
beliebtesten, raschesten; es sind viel mehr
mittelgrosse und kleine Renner als Sieger
zum Pfosten gelangt als grosse.
Im Allgemeinen besitzen die edlen Renn
pferde einen schönen, trockenen Kopf, häufig
mit einer leicht eingebogenen Nase und einer
etwas vorspringenden, massig breiten Stirn.
Ihre Augen sind gross, hell und fast immer
mit haarloser Einfassung; die Nasenlöcher
(Nüstern) sind gross und erscheinen bei der
Arbeit weit geöffnet. Die Ganaschen sind nur
massig breit, aber gewöhnlich ziemlich weit
gestellt. Die mittellangen feinen Ohren sind
gewöhnlich hoch angesetzt und gerade ge
stellt. In der Regel ist ihr Kopf an den
ziemlich langen Hals hübsch angesetzt, wird
aber nicht ganz so stolz getragen wie beim
arabischen Hengste. Der Uebergang vom Halse
zur Widerrist- und Brustpartie ist häufig durch
einen seichten Ausschnitt markirt.
Der Widerrist selbst ist hoch, tritt scharf
hervor, ist lang und liegt in der Regel viel
höher als das Kreuz. Meistens besitzen die
Rennpferde einen mittellangen Rücken, der
fast immer etwas länger als der des Arabers
ist. Die kräftige Nierenpartie ist bei allen
gut gezogenen Exemplaren hübsch geschlos
sen und etwas nach oben gewölbt. Ihre Kruppe
ist verschiedenartig geformt; man trifft man
ches Vollblutpferd, welches eine lange, aber
nicht sehr breite Kruppe besitzt, dann aber
auch wieder andere, bei denen dieselbe etwas
kurz und breit erscheint. Ein tadelloser Bau
des Hintertheils begünstigt zum nicht ge
ringen Theil die grosse Schnelligkeit in allen
Bewegungen, zuweilen aber auch auf Kosten
der Körperkraft und Ausdauer.
Selten ist der Schweif des Rennpferdes
so hoch und so frei angesetzt wie beim Ara
ber, auch wird derselbe meistens nicht so
hübsch getragen. Gerade Kruppe und hohen
Schwanzansatz liebt der englische Sportsman
bei seinen Pferden nicht: er hat dafür einen
Spottnamen, nennt solche Thiere Peacocks
und glaubt, däss Individuen mit so geformtem
Hintertheil auf der Rennbahn nicht viel zu
leisten vermögen.
Die Hinterbacken und sog. Hosen aller
besseren Renner sind lang und breit; beson
ders schön sind ihre Unterschenkel geformt.
Die Sprunggelenke erscheinen oftmals etwas
schmal, sind zuweilen auch stark gewinkelt,
und nicht selten entdeckt man hier Fehler
der verschiedensten Art, so sind z. B. Hasen
hacke etc., scharf abgesetzte Sprunggelenke
gar häufig zu bemerken. Die Schienbeine ent
sprechen in der Regel der Grösse und Stärke
der Thiere; Fesselgelenk und Fesseln sind
fein und letztere oft ziemlich lang.

Der Brustkasten ist tief und ansehnlich
lang; zuweilen könnte derselbe etwas brei
ter sein.
Flachrippige Pferde sieht man bei dieser
Rasse nicht selten. Ihre gut gelagerten Schul
tern sind von hübscher Länge und genügen
der Stärke, auch ihre Vorderarme sind lang
und musculös, und die massig breiten Kniee
liegen nur ausnahmsweise zu hoch. Haut
und Haare sind fein, letztere kurz und glän
zend; ihre Farbe ist vorherrschend ein schönes
Braun; es kommen aber auch andere Farben
und Abzeichen bei dieser Rasse vor Schimmel
und Schecken sind nicht recht beliebt.
Die Leistungen der Rennpferde sind be
kanntlich von keiner anderen Rasse der Welt
erreicht oder übertreffen worden. Matys gibt
an, dass ihre Schnelligkeit sich zu der eines
Berbers verhalte wie 4:3. Wir glauben je
doch, dass man so im Allgemeinen darüber
keine bestimmte Verhältnisszahl angeben
kann; es sollen auch unter den Berbern
viele sehr schnelle Pferde vorkommen.
Alle englischen Renner erster Classe legen
die Strecke von einer halben deutschen Meile
in weniger als fünf Minuten zurück. Eine Stei
gerung ihrer Schnelligkeit ist im letzten Jahr
hundert nicht erreicht worden. Der berühmte
Hengst West - Australian gebrauchte unter
einem Gewichte von 8 stones und 6 Pfund
(gleich 59 kg) bei einem Rennen von 2% eng
lischen Meilen auf den Furlong (gleich % eng
lische Meile) 13% Secunden. Der gleich
schnelle viel gerühmte Flying-Childers lief im
Jahre 1721 — im Alter von 6 Jahren —
unter einem Gewichte von 9 stones 2 Pfund
(gleich 64 kg) das Furlong in 14 Secunden,
und zwar bei einem Rennen von 3% eng
lischen Meilen Länge.
Diese Schnelligkeit ist — nach Schwarz -
necker’s Angabe — auch jetzt noch die durch
schnittlich erreichte. Die Leistung des Buc-
caneer zu Salisbury ist wahrscheinlich die
grösste in Bezug auf Schnelligkeit.
Das grossartigste und interessanteste
englische Rennen findet alljährlich am Mitt
woch vor Pfingsten (derby-day) zu Epsom
in der Grafschaft Surrey statt und wurde zu
Ehren seines Gründers (1780), des Herzogs
von Derby, „the Derby-race“ genannt. Es
ist ein Flachrennen nur für dreijährige Pferde
und wird über 1% englische Meilen ge
laufen.
In neuerer Zeit werden ähnliche Rennen
auch auf mehreren Rennplätzen des Conti-
nents von den Jockeyclubs und Rennvereinen
abgehalten, die ebenfalls „Derbys“ genannt
werden.
Kettledrum durchlief die 1% englischen
Meilen zu Epsom in 2 Minuten 43 Secunden
und Ellington dieselbe Bahn in 3 Minuten
4 Secunden.
Auf jenem ersten und wichtigsten Renn
plätze der Welt müssen alle hervorragenden
Pferde ihre Leistungen zeigen, und wenn sie
hier als Sieger den Pfosten erreichen, so ist
ihr Besitzer ein „glücklicher Mann“, d. h. so-

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