Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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gleichseitigen Athmungsstillstand beantwortet
wird (Schiff), während beiderseitige Zerstö
rung desselben sofortigen Stillstand derAth-
mung und dadurch den Tod herbeiführt. Man
pflegt es auf Grund mannigfacher Erfahrun
gen in ein Inspirations- und ein Exspira
tionscentruin zu zerlegen. Nächstdem sind
von Langendorff, Wertheimer u. A. erst im
vorigen Jahrzehnt auch im Rückenmarke
Athmungscentra, die spinalen Athem
centra, entdeckt worden, welche als mit
einer gewissen Selbständigkeit ausgestattete,
dem Kopfmarkcentrum aber scheinbar doch
untergeordnete Centren functioniren und nur
im Zusammenwirken mit jenem den zweck
mässigen Athemrhythmus zu erhalten ver
mögen. Neuestens erst hat Grossmann mit
Exner das Vorhandensein dreier verschie
dener Athemcentren experimentell festge
stellt, des Thorakophrenicuskernes im
Halsmark, des Kehlkopfnervenkernes
im Vaguskerne des caudalen und des Kopf-
athmungskernes im Facialiskerne des na
salen Kopfmarkabschnittes, durch deren Zu
sammenwirken allein die normale Athmung
ermöglicht wird, und deren je zwei in con-
tinuirlichem Zusammenhange zur Erhaltung
des regelmässigen typischen Athmungsrhyth-
mus erforderlich sind. Auch im Grosshirn
sind Athemcentra nachgewiesen worden. Chri-'
stiani fand ein solches cerebrales In
spirationscentrum am Boden des 3. Ven
trikels im Innern der Sehhügel, Martin und
Booker in dem caudalen Vierhügelpaare und
ein Exspirationscentrum in dem na
salen Paare dieser Hügel; athmungshem
mende Nervenbahnen scheinen an einer
bestimmten Stelle der 3. äusseren Windung
der Grosshirnrinde zusammenzulaufen und
von da dem intramedullären Athemcentrum
zugeführt zu werden, weshalb elektrische
Reizung jener Sammelstelle Athemverlang-
samung herbeiführt.
Die Prüfung der Athemcentra auf ihre
Eigenschaften, die von sehr zahlreichen
Forschern der älteren und neuesten Perioden
der Experimentalphysiologie in die Hand ge
nommen wurde, hat diese 1. als mit Auto
mat! e begabte, also von sich aus selb
ständig und ohne äussere Nerveneinflüsse
functionsfähige Centren darzustellen gelernt,
welche durch unbekannte, sich in ihnen ent
wickelnde Zersetzungsproducte der intereellu-
lären Säfte (Marckwald) die Bedingungen
zu einer regelmässigen Abwechslung von
In- und Exspirationsbewegung abgeben kön
nen, und als Beleg dafür vor Allem jene
hochinteressanten Versuchsresultate aufge
führt, wonach Frösche, in deren Adern statt
des gastragenden Blutes physiologische Koch
salzlösung oder Serum kreist (Marckwald),
bezw. denen das Herz exstirpirt ist (Langen
dorff), noch durch Stunden ruhig weiter
athmen; aber unter gewöhnlichen Verhält
nissen steht das Gesammtathemnervencen-
trum 2. zweifellos unter der Herrschaft di-
recter und indirecter (reflectorischer)
Reize, welche ihm theils durch das Blut,

theils durch periphere Nervenleitungen zu
geführt werden und dadurch als Reizerfolg
allerhand Abweichungen von dem normalen,
ruhigen Athemgange nach Zahl und Tiefe
der Respirationen erzeugen. 1'. Als die wirk
samsten und häufigsten Athmungsreize er
geben sich die etwaigen Abänderungen im
Gasgehalte des Blutes; jedes Abweichen
desselben von den regelrechten Grenzen er
zeugt Modificationen im Athemgange, die
ruhige Athmung, Eupnoea oder Ana-
pnoö, ist einzig durch den normalen Gasge
halt des Blutes (s. d.) gewährleistet. Behin
dert man rein mechanisch durch Einengen
oder gar Zuklemmen der Trachea die Lungen
ventilation und führt man das Blut eines so
in seiner Athmung beeinträchtigten Thieres
dem Gehirn eines zweiten Versuchsthieres
der gleichen Art durch Ueberleitung seines
Carotidenblutes in die eine Carotis dieses
Thieres und umgekehrt das Blut des ruhig
und ungestört athmenden Thieres demjenigen
zu, dessen Trachea eingeengt ist, und das zwar
je unter Unterbindung der anderen nicht ge
kreuzten Carotis und der beiden Vertebral
arterien, so wird bald die Athmung des
Thieres, dessen Trachea der Luft unbehin
derten Durchgang gewährt, frequent und be
schwerlich (dyspnoisch), diejenige des Thieres
mit eingeengter Trachea geht normaliter und
ruhig vor sich (Bienfait & Hogge). Die
Dyspnoö, ein Zustand hochgradiger Erreg
barkeit des Athemcentrums, wird durch alle
jene Momente verursacht, welche den nor
malen Gasaustausch erschweren und dadurch
O-Mangel oder CO a - Reichthum im Blute
oder gleichzeitig beides veranlassen; man
unterscheidet z. B. Dyspnoe aus O-Man
gel als die Folge der Einathmung sehr
O-armer oder -freier, indifferenter Gase bei
hinlänglicher CO s -Abfuhr; Athmung sehr
CO,-reicher Luft, etwa in Sperrräumen, er
zeugt dagegen Dyspnoe aus CO,-Ueber-
ladung; die gewöhnlichsten Erscheinungen
der Dyspnoe sind Beschleunigung und oft
gleichzeitig Vertiefung der Athembewegun
gen, wozu sich bei höherem Grade derselben
ein angestrengtes, mühsames Arbeiten der
Athemmuskeln gesellt. O-armes Blut reizt
dabei naturgemäss vorzugsweise die Inspira
tions-, CO,-reiches dagegen die Exspirations-
centren; fortgehende Desoxydation, bezw.
CO,-Anhäufung im Blute erschöpft schliess
lich durch UÜberreizung das Athemcentrum
und führt zur Asphyxie, einem Zustand, in
welchem Athmungs- und Herzthätigkeit all-
mälig zu erlahmen beginnen und in dem nur
noch spärliche, schnappende Bewegungen und
vereinzelte Herzschläge beobachtet werden;
nur künstliche Athmung, wie Lufteinblasen,
periodische Compression des Thorax etc , ver
mag dann den Tod abzuhalten, andernfalls
geht das Individuum durch Suffocation zu
Grunde; ganz allmälige Entziehung der Le
bensbedingungen erzeugt auch allmäliges Ein
schlafen ohne Todeskampf. Im Gegensatz zur
Dyspnoe ist Apnoe der Zustand vollkom
menen Athem Stillstandes infolge der

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