Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Achter Band (Pferdescheere - Rysz)
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den sonstigen das Athemcentrum reflectorisch
beeinflussenden Nerven erweisen sich die
Sinnesnerven als besonders wirksam, inso
fern als intensive Sinnesreize eigenartige
Athembewegungen, wie Niesen, Husten etc.,
auslösen: am deutlichsten illustrirt diese re-
flectorische Wirkung der Hautsinnesnerven
der Schmerzens- und der thermische Reiz;
ersterer ruft nach vorhergegangenen kloni
schen Zuckungen der Inspiratoren (Zwerch
fell) tiefe Exspiration mit nachfolgendem
Exspirationsstillstand hervor; die kalte
Douche dagegen veranlasst eine sehr tiefe
und intensive Inspiration, der sich nach mehr
oder weniger langer Pause auf der Höhe
dieser Athemphase eine meist allmälig ab
laufende Exspiration anschliesst.
Trotz der weitgehenden Kenntniss der
Athmungsinnervation ist die Theorie von der
Regulirung der Athmung unserem Ver
ständniss noch nicht vollkommen erschlossen.
Man kann sich darüber etwa folgende Vor
stellung entwerfen: Der erstmalige inspira
torische Athmungsreiz geht von dem Athem
centrum aus und ist seiner Natur nach ein
Blutgasimpuls, als solcher erhält er sich
vermöge der fortgehenden O-Consumtion und
COz-Production während des ganzen Lebens;
der Rhythmus der Athmung wird jedoch
durch ihn nicht allein beherrscht, sondern in
denselben greifen als Regulatoren eine An
zahl Nerven ein, welche durch äussere oder
innere, vom Körper selbst ausgehende Reize
in Erregung versetzt, die Athmungsfrequenz
und Tiefe entweder hemmend oder mehrend
beeinflussen; regulatorische Vorrichtungen
bietet dem Centrum insbesondere der N.
vagus dar, der durch seine im Respirations-
tractus selbst sich verzweigenden Fasern die
in diesem angreifenden Reize als Beschleuni
gen gs- und Hemmungsreize dem Centrum
überträgt und dadurch dessen Erregbarkeit
für inspirationserregende, bezw. hemmende
Reize mehrt oder mindert. Nach J. Rosen
thal setzt sich nämlich, wie dies von Pflueger
im Allgemeinen für die nervösen Centra
rhythmischer Actionen des Körpers ange
nommen worden ist, auch in dem Athem
centrum der Auslösung von Athembewegungen
eine Summe von Widerständen entgegen,
deren Ueberwindung nothwendige Vorbedin
gung für das Zustandekommen jener Erre
gung ist. Der naturgemäss dem Uebergang
von Nervenzelle zu Nervenzelle entgegentre
tende Widerstand bedarf des Durchbruches
durch die sich aufstauenden chemischen,
insbesondere die Blutgasreize (O-Mangel,
CO,-Anhäufung); der Schwellenwerth, dessen
Ueberschreitung durch die ständig anwach
sende Reizgrösse behufs Auslösung einer In
spiration erforderlich ist, kann indes vermehrt
oder vermindert werden. Vermindert wird
er durch die Activität der inspirationserregen
den Vagusfasern; treten sic in Thätigkeit, so
genügt eine geringere Ansammlung von
Reizen, um jenes centrale Hemmniss zu be
seitigen, die Athmung wird deshalb beschleu
nigt und gleichzeitig abgeflacht. Die inspira

tionshemmenden Vagusfasern dagegen ver-
mehren jenen hypothetischen Widerstand im
Athmungscentrum und fordern, selbst in Er
regung versetzt, ein bedeutenderes Anwachsen
der Blutreize; dadurch aber, dass eine grössere
Summe wirksamer Anstösse zur Auslösung
einer Athmung nöthig ist, verlangsamen sie
die Aufeinanderfolge, also das ganze Tempo
der Athmung, wie sie andererseits auch deren
Tiefe entsprechend vermehren.
d) Die absolute Grösse des Gas
wechsels, wie er im Laufe eines gegebenen
Zeitabschnittes bei unseren verschiedenen Haus
thieren statthat, lässt sich mit unabänder
lichen Zahlen und Massen nicht angeben, da
sich dieselbe nach den verschiedensten
inneren und äusseren Umständen ändern muss.
Zahlreiche mit deren Erforschung sich be
fassende Autoren haben die Gesetze derselben
nach vorheriger Feststellung von Mittelzahlen
näher studirt. Daraus ergibt sich zunächst
ein Gaswechsel für 1 kg Thier und eine
Stunde bei

O-Äufuahme
Kaninchen von . 642 cm 3
Katze (Minimum 450 „
j Maximum 947 „
Hund 847 „
Schwein 331 „
Schaf 347-5 „
Kalb 336 „
Kuh 318 „
Ochse 382 „
Esel '. 394 „
Pferd f 392 „
(215 „
Huhn 831 „
Sperling 6710 „
Grünfink 8137 „
M r el -)tS: 30-8 „
,er (wachend 838 „
Frosch 491 „
Diese Masse für die

Wechsels wechseln nun abhängig von inneren
Zuständen des Organismus 1. nach der
Thierspecies im Anschluss an die Körper
masse so, dass kleine, eine verhältnissmässig
grössere Oberfläche besitzende Thiere theils
mit Rücksicht auf die dadurch bedingte re
lativ grössere Wärmeabgabe, theils im Hin
blick auf die grössere Energie der Circulations-
und Respirationsvorgänge, der Körperbewe
gungen etc. einen relativ grösseren Gaswech
sel unterhalten als grössere Individuen; 2. nach
dem Geschlecht und Alter insofern, als
der Mann in allen Lebensaltern lebhafter
respirirt als das Weib (Verhältnis? zwischen
beiden fast wie 2:1), und als im Jugendalter
mehr 0 consumirt und CO, producirt wird
als im Greisenalter. Die Gravidität ferner
steigert den Werth des Gaswechsels; 3. nach
der Ruhe oder Thätigkeit des Körpers
schwankt derselbe in ganz erheblichen Massen.
Der ruhende Mann von 70—73 kg Körperge
wicht z. B. scheidet in 24 Stunden 695—1038 g

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