Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Schaak’sches Räudemittel. Es besteht
aus gleichen Theilen Theer, Schwefelblumen
und Terpentinöl. Die Mischung ist sehr
wirksam, hat aber das Unangenehme, dass
sie sich von der Haut der Thiere erst durch
wiederholtes Einseifen abwaschen lässt (s.
auch Räudcheilmittel). Vogel.
Schaben, eigenthümliche Gehörswahr
nehmung, wie sie besonders beim Auf- und
Abreiben von Geschwülsten während des
Athmens auf der Lungen- und Rippenpleura
sowie bei der Brustfell- und Herzbeutelent
zündung gemacht werden kann (s. Ausculta-
tion). Vogel.
Schaben wird jenes operative Vorgehen
genannt, mittelst welchem thierische Gewebe
der Fläche nach zu trennen
bewerkstelligt werden soll.
Bei Operationen am Kno
chen wird z. B. vorher die den
selben überziehende Beinhaut
mittelst geeigneter Werkzeuge
— Knochenschaber, Fig. 1678
— loszutrennen sein (Trepana
tion, oder in der Anatomie
meist nach der Maceration der
Knochen).
Bei der Castration wird mit
unter der Samenstrang der
männlichen Thieren abgeschabt,
bei weiblichen Thieren wird der
Eierstock mittelst des Finger
nagels oder eines künstlichen
Nagels, Fingerhut (vgl. Fig. 313
unter Castration), losgeschabt.
Nebst den vorher erwähnten
Instrumenten bedient man sich Fig. 1678.
zum Schaben stärkerer Messer Knoehen-
— Linsenmesser, vergl. unter scbaber.
„Messer“ Taf. XLI, Fig. 26 — und anderer
geeigneter Werkzeuge. Koch.
Schaben (Btattidae), Insecten der Ord
nung Geradflügler (Orthoptera, s. d.), Ab
theilung der Cursoria. Ihr Körper ist ganz
flachgedrückt, von ovaler Form, der Kopf vorne
verschmälert, nach hinten gerichtet, oben von
dem grossen Vorderbrustschilde fast ganz ver
deckt und zeichnet sich durch den Mangel an
Ocellen (Punktaugen) aus. Die Mundtheile sind
stark entwickelt, die Oberkiefer mit vier bis
sechs zahnartigen Warzen versehen, das kurze
Kaustück des Unterkiefers verläuft in eine
scharfe, hakige Doppelspitze. Die Fühler
aus zahlreichen Gliedern bestehend, erreichen
eine grosse Länge. Schenkel und Schienen
der langen, mit Stachelborsten besetzten
Laufbeine erscheinen zusammengedrückt und
tragen fünfgliedrige Tarsen mit polsterartigen
Sohlen und Heftlappen zwischen den Krallen.
Die Flügel der Weibchen sind nur rudimentär
entwickelt oder fehlen ganz, während sich
die Vorderflügel der Männchen als grosse
Übereinandergreifende Flügeldecken zeigen,
mitunter aber ebenfalls gleich den Hinter
flügeln verkümmert sind. Der Hinterleib ist
scharf berandet und endet mit zwei geglie
derten Borsten. Färbung schwarz, grau oder
gelblich. Ihre Nahrung besteht aus allerlei,

namentlich aber thierischen Stoffen. Besonders
interessant gestaltet sich die Entwicklung
der Schaben. Im Weibchen bilden sich nicht
allein die langgestreckten Eier, sondern für
eine ganze Anzahl derselben (bei Periplaneta
orientalis für 40 Stück) Eikapseln (Ootheken),
in welchen die Eier in Doppelreihen gela
gert sind. Anfangs bleiben diese Kapseln
nur verborgen, ragen aber mit zunehmender
Reife immer mehr aus der weiblichen Hinter
leibsspitze heraus, bis sie kurz vor dem Aus
schlüpfen der Larven herausfallen. Die Oothe
ken stellen dunkelbraune, glänzende Kapseln
dar, die nach der einen Seite schwachge
bogen, dünner und eingekerbt sind, dabei
eine Naht bilden. Von der Naht aus theilt
eine Scheidewand das Innere in zwei gleiche
Hälften, deren jede eine Reihe Eier enthält.
Ein Weibchen kann drei bis vier solcher
Kapseln (zu je 24—40 Eier) ablegen. Dieser
Vorgang fällt in die Zeit zwischen April und
August; das Entschlüpfen der Larven erfolgt
nach sehr verschiedener Zeit, man will dazu
schon die Dauer von acht Tagen, und sogar
von einem bis vier Jahren (bei Periplaneta)
beobachtet haben. Den Weg an das Tages
licht bahnen sich die Larven, ihre erste
Larvenhaut in der Kapsel zurücklassend,
durch die Naht. Ihr Wachsthum geht unter
mehrmaligen Häutungen nur langsam von
statten.
Die Schaben sind sehr lichtscheue Thiere,
die sich bei Tage in allerlei Verstecken auf
halten und des Nachts futtersuchend sehr
lästig werden können. Wenn sie plötzlich
von Licht überrascht werden, suchen sie
schleunigst ein Versteck zu erreichen, wobei
ihnen ihre Gewandtheit im Laufen sehr zu
Hilfe kommt. Am häufigstens siedeln sie sich
in Bäckereien, Küchen, Vorrathskammern und
Speichern an, erscheinen meist in zahlreicher
Gesellschaft und können dann ihrer grosser
Gefrässigkeit wegen recht bedenklichen Scha
den verursachen. Zur Vertilgung ist das Auf
streuen von Insectenpulver, Arsenik, Borax
(BjOfNa,) sehr zweckmässig. Auch die Igel
vertilgen grosse Mengen von Schaben. Die
Verbreitung dieser Insecten ist eine sehr
weite und zahlreiche. Der Orient beherbergt
ebenfalls wie der Occident verschiedene For
men; jener solche von bedeutender Körper
grösse. Gattungen;
1. Heterogamia Burm.; Weibchen flügel
los, Männchen mit langen Flügeln, Körper
stark abgeplattet; die Weibchen leben vor
zugsweise im Sande.
2. Periplaneta orientalis L., gemeine
Schabe, aus Asien nach Europa eingewan
dert; Fühler länger als der Körper, Beine sehr
lang und dornig, der letzte Hinterleibsring des
Männchens trägt zwei lange, starke Griffel.
Diese Schaben werden auch Kakerlaken ge
nannt; nur des Nachts kommen sie zum
Vorschein.
3. Blatta germanica, deutsche Schabe;
Körper 1 cm lang, Farbe gelblich, an der
Brust zwei lange, dunkle Längsstreifen; alle
vier Flügel des Männchens ragen über das

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