Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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der Sundasee und der Molukken. Eine Art
ist bis an die Westküste Amerikas, Chili,
in das pacifische Gebiet eingedrungen. Sir.
Schauder. Dieses Wort wird theils für
einen geistigen, theils für einen körperlichen
Vorgang gebraucht.- Körperlich genommen
ist Schauder ein Krampf der glatten Muskel
fasern, welche in der Cutis liegen und die
Haarbälge umgeben, und dazu gesellt sich
wohl immer eine krampfhafte Contraction
der Capillarwandungen und mehr oder weniger
ausgedehnte unwillkürliche Zusammenziehun
gen der willkürlichen Muskeln. Die Folge dieser
Gontractionen sind beim Menschen Blasswer
den der Haut und das, was man „Gänsehaut“
nennt: die Haut überzieht sich mit hügel
artigen Erhebungen, da die Hautmuskeln
ringförmig um die Haarbälge herumliegen
und ihre Contraction diese emporwölbt. Bei
den Thieren ist die Consequenz deshalb auch
ein Gesträubtwerden der Haare, resp. bei
den Vögeln der Federn. Als auslösende Mo
mente für diese Erscheinungen kommen ver
schiedenartige Ursachen in Betracht: 1. Haut
reize, namentlich plötzliche Kälteeinwirkung,
in diesem Fall ist der Schauder eine Refiex-
erscheirung. 2. Von innen her kann der
Schauder ebenfalls ausgelöst werden, und hier
scheint es sich immer um eine Giftwirkung
zu handeln, d. h. um Auftreten einer bis zur
Giftigkeit concentrirten Substanz in der
Säftemasse, die einen Krampfreiz bildet,
sobald sie mit dem Blutstrom zu den
betreffenden Muskeln gelangt. Dabei sind
drei Fälle zu unterscheiden: a) Genuss gifti
ger oder widriger Stoffe, ja schon das Rie
chen an solchen, wobei die Stoffe durch In
halation ins Blut gelangen, kann Schauder
erzeugen, b) Bei dem Schauder, der meistens
das erste Symptom eines Fiebers bildet,
geht die Erscheinung davon ans, dass ein in
den Geweben aufgespeicherter Giftstoff (Selbst
gift oder Fremdgift) zur Entspeicherung ge
langt, in giftiger Concentration dem circu-
lirenden Blute sich beimengt und so zu den
Muskeln gelangt, c) Der Anblick einer wi
drigen Sache oder Begebenheit, sogar der
Gedanke daran, kann einen Schauder aus
lösen. Wenn das aber als ein blosser Reflex
aufgefasst wird, so ist das wahrscheinlich
nicht zutreffend; es handelt sich hier viel
mehr darum, dass bei lebhaften Eindrücken
geistiger Natur Zersetzungsvorgänge im Sitz
des Sensoriums stattfinden, infolge welcher
giftwirkende Zersetzungsproducte in das Blut
und mit diesem zu den contvactilen Geweben
gelangen; denn Thatsache ist, dass in allen
solchen Fällen riechbare Stoffe in der Ath-
mungslaft und der Hautausdünstung (Angst
stoffe) auftreten, und liegt die Annahme sehr
nahe, dass diese in gleicher Weise wie beim
Fieberschauder und der Inhalation widriger
Stoffe den Krampf auslösen. Jäger,
Schaufelknorpel, schaufelähnlich gestal
teter Ansatzknorpel am hinteren Ende des
Brustbeins mit oberer concaver und unterer
schwach convexer Fläche. Ist besonders bei
dem Pferde und Wiederkäuern ausgebildet,

bei dem Schweine und den Fleischfressern dage
gen nur klein. Er entspricht dem Schwertknor
pel (Cartilago xiphoideus) des Menschen. Em.
Schaufeln sind die band- oder schaufel-
förmig gestalteten Geweihe vom Damhirsch,
dem Elen- und Rennthier (s. u. Hirsch). Em.
Schaufeln werden auch kurzweg die
bleibenden Schneidezähne bei den Wieder
käuern genannt. Koch.
Schaumbrett, s. Schaumstriegel.
Schaumkraut, Wiesenschaumkraut,
mit weissen und lilafarbenen Blüthen, Cru-
cifera L. XV. 2, Cardamine, hat bittere
und gelind scharfe Bestandtheile, wird daher
wie Brunnenkresse gebraucht und dient auch
vielfach als verdauungsbeförderndes, appetit
erregendes Hausmittel für die Wiederkäuer
und Schweine. Vogel.
Schaumstriegel oder Schaumbrett ist ein
für die Pferdepflege gebräuchliches, lineal
artiges, oft halbrund gebogenes Stallwerkzeug
von Holz, Metall oder Gummi, das oft mit
zwei besonderen Griffen (Handhaben) an den
Enden versehen ist. Dasselbe wird zum Ab
schäumen der Pferde benützt, indem man
damit dem Haarstrich entsprechend den Kör
per des Pferdes streicht und dadurch den
demselben anhaftenden Schweiss entfernt. Gn.
Scheck, Schecken, s. Haarfarben.
Schnellt (Schwerstein, Tungstein), ein
tetragonal krystallisirendes Mineral. Die
Krystalle, welche in der gewöhnlich und
vorherrschend entwickelten Deuteropyramide
grosse Aehnlichkeit mit tesseralen' Oktaedern
haben, zeigen in Combinationen sehr auf
fallende Hemiedrie. Häufig in einzeln aufge
wachsenen Krystallen, oder in knospenförmi
gen Gruppen und „Krystallstöcken“. Farblos,
gewöhnlich jedoch grau, gelb, braun, fett
glänzend, schwach durchsichtig.
Chemische Zusammensetzung im reinen
Zustande: wolframsaurer Kalk, CaW0 4 , ge
wöhnlich mit Kieselsäure, Eisen oder etwas
Fluor verunreinigt. Vor dem Löthrohr schwer
schmelzbar; Salz- und Salpetersäure zer
setzen ihn mit Hinterlassung von gelber
Wolframsäure. Scheelit kommt vor in Zinn
wald und anderen Orten in Sachsen, in
Schlaggenwald, in Cornwall, bei Traversella,
in Connecticut, wo man das massenhaft vor
kommende Mineral zur Darstellung von
Wolframsäure' im Grossen verwendet etc. Bs.
Scheel’sches Grün, Smaragdgrün, Mi
neralgrün, arseniksaures Kupfer (Cu-
priarsenik), erzeugt zuweilen ähnliche Ver
giftungen, wie das Wiener Grün oder Schwein
furter Grün (arseniksaures Kupferacetat),
welche in ihren Erscheinungen mit denen
der arsenigen Säure zusammenfallen, s. Aci
dum arsenicosum. Vogels
Scheel’sches Süss, so viel als Glycerin.
Scheererit, ein weisser, fettiger, dem
Wallrath ähnlicher Körper, der zuerst in
Kieferstämmen des Braunkohlenlagers bei
Utznach am Züricher See aufgefunden wurde.
Seine chemische Zusammensetzung soll jener
des Sumpfgases, CH 4 , gleich sein. Ein ähn
liches Mineral von der angeblichen Zusam-

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