Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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je nachdem die Schlundröhre für Schafe oder
Rinder benützt werden soll, mit einem trichter
förmigen metallenen Mundstück (Fig. 17,70 a)
und einem eiförmigen, meistens aus Metall
gefertigten und siebartig oder nur einmal
durchlöcherten Endstück (Fig. 1770 b).
Die Monro’sche Schlundröhre wurde. Ur
sprünglich aus spiralförmig aufgerolltem und
verzinntem . Eisendraht hergestellt; welcher
mit Leder überzogen war. ■ :
In neuerer Zeit werden derartige Röhren
aus Kautschuk gefertigt. Zur leichteren Eim
führung der Röhre bedient man sich einer
in die Lichtung derselben einzuführenden
Mandrinne, aus Fischbein oder spanischem
Rohre gefertigt.
Bei der Anwendung wird dem Thiere
vorher ein Maulgitter eingelegt; besser be
dient man sich eines Querholzes (Fig. 1770 c, c),
welches in der Mitte durchlöchert ist und mit
Riemen um den Kopf des Thieres geschnallt
wird (Fig. 1770 d, d).
Man zieht die Zunge des Thieres an
einer Seite hervor, bringt das birnförmige
Ende der elastischen Röhre durch das Lumen
der Oeffnung des Querholzes in das Maul des
Thieres, lässt es über den Zungenrücken in
die Rachenhöhle gleiten und schiebt es durch
den Schlundkopf und die Speiseröhre bis in
den Magen unter entsprechender Bewegung
der eingeführten Mundrinne vor.
Durch die so eingeführte Röhre entweichen
nunmehr die Gase, was durch Kneten des
Bauches in der linken Flankengegend mit
den geballten Händen von Seite eines Gehilfen
zu unterstützen und zu beschleunigen ist.
Hat das Entweichen der Gase aufgehört,
so zieht man die Röhre allmälig zurück.
Dieses Instrument wird mit Vortheil bei
der Blähsucht der Wiederkäuer angewendet.
Literatur: Prof. Dr. L: Förster, Thierärztliclie
Instrumenten- und Yerbandlehre. Wien 1861. Koch.
Schlundschlitz, s. Zwerchfell.
Schlundschnitt, s. Oesophagotomie.
Schlundsonde, s. Sonden.
. Schlundstenose, s. Schlundverengerung.
Schlundstosser. Ein spanisches Rohr,
welches an einem Ende mit einem eiförmig
zusammengewickelten und solid befestigten
Stoff versehen ist, wird Schlundstosser ge
nannt. Mit demselben wird bezweckt, durch
entsprechende Einführung in den Schlund
daselbst stecken gebliebene fremde Körper
nach abwärts zu Stössen. Koch.
Schlundverengerung, Oesophagostenosis
(von olootpdfo;, Schlund; ersvo’?, eng), sind
theils Compressions-, theils Obtura-
tionsstenosen. Compressionen des Schlun
des kommen zu Stande durch Neubildungen,
vergrößerte Lymphdrüsen, Kropfgeschwülste
und Aneurysmen in der Umgebung des
Schlundes, Obturationen durch Fremdkörper,
Neubildungen unterhalb oder auf der Schleim
haut, Schleimcysten, Finnen, Psorospermien,
Wurmknoten und Hypertrophie der Muscu-
laris. Stricturstenosen beruhen auf nar
bigen, giirtel-, ring- oder klappenförmigen
Zusammenschnürungen der Schlundschleim-

-haut nach Läsionen, Geschwüren und An
ätzungen. Compressionsstenose des Schlunds
wird bei perlsüchtigen (tuberculösen) Rindern
angetroffen, wenn die Mittelfelldrüsen tuber-
culös degeneriren und durch ihren Druck
den Schlund verengern: es ist dann häufig
chronische Tympanitis zugegen, weil die im
Pansen sich entwickelnden Gase nicht durch
den Schlund entweichen können. Bei den
Stricturstenosen wird das im Schlunde sich
anhäufende Futter gewöhnlich erst längere
Zeit nach der Futteraufnahme regurgitirt, so
bald: sich die über der Stenose befindliche
Schlunderweiterung mit Futter angefüllt hat.
Wegen der sonstigen Symptome der Dys
phagie und deren Behandlung s. „Schlund
erweiterung“. Anacker.
Schlundzahge, s. Zangen.
Schlundzerreissung, Oesophagorrhexis (v.
olao'fotyos, Schlund; pijlt;, Zerreißung), er
eignet sich öfter bei Einführung der Schlund
röhre oder des Schlundstossers in den Schlund,
um daselbst sitzen gebliebene Fremdkörper in
den Magen hinabzustossen; ebenso zerreissen
hin und wieder die in ihrer Cohäsionskraft ge
schwächten Häute der Schlunderweiterungen
und Schlunddivertikel. Der Schlund der Pferde
zerreisst zuweilen durch Hufschläge anderer
Pferde, welche den Schlund trafen, ebenso bei
Kühen durch Hornstösse. Auch sonstige Läsi
onen des Schlundes (Quetschungen, Schläge)
führen unter geeigneten Umständen zu Schlund
rupturen. Betrifft die Zerreißung die Hals
portion des Schlunds, so bemerkt man auf
der linken Seite des Halses eine Geschwulst,
die in dem Masse an Umfang zunimmt, als
Bestandtheile der genossenen Nahrung mehr
und mehr aus der Oeffnung heraustreten und
sich in der Umgebung derselben im Binde
gewebe ansammeln. Später kommt es zur
theilweisen Regurgitation der ausgetretenen
Stoffe, der übrige Theil derselben bleibt
liegen und entzündet die betroffenen Weich
theile, so dass es später zum Durchbruche
des Eiters durch die Haut kommt, womit die
Schlundfistel gegeben ist (s. d.). Das austre
tende Futter senkt sich auch wohl mehr in
die Tiefe und ruft hier phlegmonöse Ent
zündung und Emphysem hervor, das sich
über grössere Theile des Halses, der Brust
und der Schulter ausbreiten kann. Erfolgt
die Ruptur in der Brustportion des Schlundes,
so verursacht das in die Brusthöhle austre
tende Futter Schwindelanfälle, Lungencon-
gestion, Dyspnöe, Zittern, Angst, Brech
anstrengungen, Kolik und schliesslich eine
lethale purulente Pleuritis. Am Halse macht
man auf die Geschwulst einen Einschnitt,
entfernt die ausgetretenen Futtermassen,
reinigt die Wunde, schneidet die zerrissenen
Schlundränder glatt und heftet sie oder hält
sie mit aufgelegten Kluppen zusammen. Die
Hautwunde kann ebenfalls geheftet werden,
doch so, dass der Eiter genügenden Abfluss
hat und die Wunde rein gehalten werden
kann. Kleinere Wunden verheilen nach einigen
Wochen, bei grösseren Schlundwunden bleibt
die Heilung zweifelhaft. Anacker.

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