Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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für 'die Viehhaltung als für den Ackerbau,
und erstere ist für das ganze Land von emi
nenter Bedeutung. Durch die warmen Ge
wässer des Golfstromes wird das Klima we
sentlich beeinflusst, ganz besonders im Westen
des Königreiches. Im Norden wirkt die Nähe
des Arktischen Meeres mit seinen grossen
Eismassen oft ungünstig auf die Vegetation.
Heftige Winde aus Nord- und Nordost tragen
häufig grosse Kälte und Schneemassen in das
Land, letztere bleiben auf manchen Höhen,
ja selbst in einigen Thälern hin und wieder
den ganzen Sommer über liegen. Im Südwesten,
besonders an der Küste, ist das Klima für den
Graswuchs äusserst günstig; an Feuchtigkeit
fehlt es hier selten, und es werden infolge
dessen auch fast ausnahmslos reiche Gras- und
Heuernten gemacht. Im Hochsommer steigt
das Thermometer selten über 24° C.; die
mittlere Jahrestemperatur beträgt in Edinburg
8 9 ° C. und im Winter fällt hier die Queck
silbersäule zuweilen auf — 6°, selten tiefer
— 8° C. herab. An vielen Orten ist der Boden
als recht fruchtbar zu nennen, und fast
überall findet das Vieh auf den Berg- und
Thalweiden hinreichende und zuträgliche
Nahrung: nur im Norden muss sich dasselbe
etwas spärlicher behelfen. Auf den Weiden
der Westhochlande (Westhighlands) und des
Grampischen Gebirges werden alljährlich
viele Thiere (Rinder und Schafe) ohne Zu
gabe von Kraftfutter fett, und schätzt man
das hier gewonnene Fleisch in der Regel
sehr hoch. Von dort gehen alljährlich viele
Stücke Mastvieh nach den Städten Schott
lands und Englands.
Bei der letzten Zählung (1888) fanden
sich in Schottland:
189.787 Pferde,
1,410.290 Haupt Rindvieh,
6,730.567 Schafe,
154.559 Schweine.
Vom Pferdebestande wurden 141.843 aus
schliesslich für den Ackerbau benützt, und
von den Rindern waren 410.256 Stück Milch
vieh, die übrigen Stiere, Ochsen, Färsen und
Kälber. Vorn Schafviehstande wurden 2,299.032
Stück als Lämmer bezeichnet, d. h. es waren
Thiere unter einem Jahre. Die Anzahl der
Schweine ist in Schottland verhältnissmässig
klein; es kommen daselbst auf 1000 Acres
Land nur 31 Stück, in England aber 82.
Dagegen ist der Bestand an Schafen hier un
gleich geringer als in Schottland; es ent
fallen dort auf 1000 Acres 407, hier 941 Stück;
ebenso ist auch der Bestand an Rindern in
Schottland verhältnissmässig grösser als inEng-
land; hier kommen auf 1000 Acres nur 189,
in Schottland hingegen 243 Haupt. Im Pferde
bestande ist in beiden Ländern kaum ein
Unterschied wahrzunehmen. In England sollen
auf 1000 Acres 30 und in Schottland 29 Pferde
entfallen.
Die Schafzucht — unstreitig der wich
tigste Zweig der schottischen Hausthierzucht
— hat in den letzten Jahren durchaus nicht
ab-, sondern zugenommen. Im Jahre 1886
wurden nur 6,603.611 Schafe gezählt, und es

soll deren Ankahl ih den letzten Jahren noch
beträchtlich zugenommen haben,
Am'weitesten über das Land verbreitet
ist die Rasse der schwarzköpfigen Haidschafe
(Blackfaced-Heathbreed), und es erscheint die
selbe auch für die Haide- und Moordistricte in
den Hochlanden und Grampiäns vortrefflich
geeignet, widersteht den Unbilden des Wetteis
ausgezeichnet, ist genügsam und liefert säst
ausnahmslos ein zartes, wohlschmeckendes
Fleisch. In der Regel sind beide Geschlechter
gehörnt; das Horn der Böcke ist ziemlich
lang und stark, bildet eine hübsche Spirale,
welche mit der Spitze stark nach vorne ge
bogen ist. Kopf und Beine dieser Schafe
sind schwarzgefärbt oder gesprenkelt: die
Mischwolle an den übrigen Körpertheilen ist
meistens weiss oder grau. Die Körperform
dieser Haidschafe lässt wenig zu wünschen
übrig; ihre Wolle könnte jedoch etwas besser
sein, sie ist stets grob, und eignet sich nur
zur Herstellung ordinärer Teppiche, Bett
decken etc. Um die Wolle dieser Schafe zu
verbessern, hat man Kreuzungen mit Böcken
der englischen Lonk-breed aus den Bergen von
York- und Lancashire vorgenommen, und
auch wirklich hiedurch eine Verfeinerung des
Products bei derNachzucht erreicht. Ausserdem
werden in Schottland Cheviot- und Bord er -
Leicesterscbafe gezüchtet; erstere im Ge
birge und letztere in den Nieder.ungen an der
Ostküste auf den sog. Lowland-farms. Im
ganzen Süden des Landes scheinen die Cheviot
schafe die beliebtesten zu sein; man trifft sie
dort fast überall.
Die Rinder Schottlands gehören mehre
ren schätzenswerthen Rassen an, die sich fast
alle durch Mastfähigkeit und einige derselben
auch durch gute Milchergiebigkeit auszeichnen.
Die ungehörnten Galloway- und Angusrinder
sowie die gehörnten schwarzen Aberdeenochsen
sind ziemlich frühreif und in hohem Grade
mastfähig; sie liefern vortreffliches Fleisch und
sind deshalb nicht nur in Schottland, sondern
auch in England sehr beliebt. Die kleinen
Ayrshire-Kühe liefern verhältnissmässig viel
Milch von vorzüglicher Qualität und sind daher
für Molkereiwirthschaften mit Butter- und
Käsefabrication sehr geeignet. Der Käse von
Dunlop und Cheddur wird meistens aus der
Milch von Ayrshire-Kühen hergestellt; beide
Käsesorten gelten mit für die besten Gross
britanniens. Auf den westlichen Hochland
schaften und auch weiter in den Gebirgen
Mittelschottlands kommt die vielgerühmte
Westhighland- oder Kyloe-Breed mit langen
Hörnern, verhältnissmässig kurzem Kopfe und
langem zottigen Deckhaar vor. Die Farbe
dieser sehr harten, wetterfesten Thiere wech
selt zwischen grau, schwarz, roth und braun;
sie machen häufig einen wilden Eindruck
und zeigen oft ein scheues Wesen, ver
theidigen sich aber — vom Wolf oder Bären
angegriffen — mit grosser Tapferkeit und
vielem Geschick. Die Kühe liefern leider nicht
viel, aber eine sehr fette Milch; jedoch ist ihre
Lactationsperiode von kurzer Dauer und sie
eignen sich daher für Meierei wirthschaften

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