Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/315/
Schreibfeder, Calamus scriptorius, das
hintere zugespitzte Ende der rautenförmigen
Grube (Boden des 4. Hirnventrikels), s.
Gehirn.
Schreien ist eine Schmerzensäusserung,
welche bei stark angespannten Stimmbändern
und sehr eingeengter Stimmritze durch kraft
volle, langgezogene Exspiration ausgeführt
wird. Man hört es bei sehr schmerzhaften
Operationen oder Misshandlungen zuweilen
von Pferden, auch durch Verletzung gewisser
Hirntheile, insbesondere der Vierhügel und
des Ursprunges der Medulla oblongata (Colin),
soll es erzeugt werden. Schweine schreien
nicht bloss bei Anwendung von Gewalt und
Misshandlungeri, sondern oft auch bei ein
facher Berührung und belästigen dadurch den
untersuchenden Thierarzt oft sehr erheblich. Sf.
Schreiner F. X. J., studirte Thierheil
kunde in München, war zugleich Bereiter im
königlichen Marstalle. 1821 gab er „Die Reit
kunst, theoretisch und praktisch dargestellt“,
heraus. 1829 erschien sein Buch, „Die Be
handlung der Pferde“, 1837 erschien eine
neue Auflage. Abltitner.
Schrengen, in Preussen, Ostpreussen,
Regierungsbezirk Königsberg, Kreis Rasten
burg, liegt etwa 4 km von Tolksdorf, Station
der ostpreussischen Südbahn.
Schrengen ist ein dem Commerzienrath
Wilh. Ziemer zu Königsberg gehöriges Gut.
Dasselbe umfasst einschliesslich des Vor
werks Scharfs 2600 Morgen (— 663'8 ha).
Das hier unterhaltene Gestüt wurde im
Jahre 1836 durch den Oberamtmann Franz
Schlick gegründet. Derselbe kaufte damals
die Besitzung Schrengen, welche einschliess
lich der Vorwerke Scharfs, Kottittlack und
Schäferei bei o000 Morgen (— 1276 6 ha)
umfasste, für den Preis von 22.000 Thalern
und überführte nach hier von seiner bis
dahin in Bittauen innegehabten Pachtung
ausser etwa 100 Fohlen und jüngeren Pferden
eine Heerde von 62 Mutterstuten arabischen
Vollbluts. Die Stuten waren sämmtlich
Schimmel und theils unmittelbar aus dem
Orient eingeführt, theils nach den Trakehner
Hauptbeschälern Nedjed und Bagdadly ge
fallen. Später wurden auch andere Hengste
Trakehner Bluts, wie Clitus, Rustan, Caledo-
nius u. s. w. benützt. Am einflussreichsten
für die Zucht wurden aber die beiden Hengste
Zariff und Baspra. Dies sind jedenfalls die
orientalischen Vollblüter, die 1844 in den ge
meinschaftlichen Besitz der Gestüte Althof,
Tarputschen und Angerap kamen. Vielleicht
ist mit letzterem auch der angloarabische
Vollblüter Baspra gemeint. Jedenfalls war
es einer dieser beiden Hengste Basra oder
Bassra, der für das Gestüt von höchster Be
deutung wurde.
Die Grösse der Pferde Schrengens be
trug S' 2" bis 55' 2 %" (1 62—1 63 m), selten
überschritt sie dies Mass. Alle Thiere zeich
neten sich durch schnittige Körperformen
und Gängigkeit aus und eine namentlich im
Trab hervortretende ungewöhnliche Schulter
freiheit war zu einem charakteristischen

Merkmal für Schrengens Pferde geworden.
Ihre Farbe blieb die der Schimmel und
die schönsten arabischen Vollblüter fanden
sich hier.
Die Ausnützung des Gestüts, für welches
das in Fig. 1786 wiedergegebene Brandzeichen
in Anwendung stand, beruhte hauptsächlich
in dem Verkauf der jungen Pferde an die
Remonte-An kaufscom mission.
Der Bestand der
Pferde erwies sich für
die Begüterung in der
Folge aber zu gioss
und so wurde dieMutter-
stutenheerde später et
was verringert. Aus
diesem Verkauf ent
sprangen die Stamm
stuten mehrerer anderer
Gestüte der dortigen
Gegend. Als dann im
Jahre 1870 in Schren
gen eine Meierei von
etwa 100 Kühen ein
gerichtet wurde, fand
gleichzeitig eine Ver
minderung der Zahl der Mutterstuten auf
20 statt. Dieselben, der Farbe nach Schimmel
und Rappen, sind noch Nachkommen der
früheren arabischen Zucht; sie sind Kreu-
zungsproducte arabischer Vollblutstuten und
englischer Vollblut-, sowie Trakehner Halb
bluthengste. Unter den Vollblütern hat be
sonders der in Trakehnen als Hauptbeschäler
thätige Lahire v. Sahama a. d. Luna v.
Whalebone in Benützung gestanden und jetzt
besitzt das Gestüt in dem 1872 geborenen
Senator v. Peto a. d. Victoire v. J. Rioter
einen eigenen englischen Vollbluthengst.
Die Zahl der jährlich im Gestüt gebo
renen Fohlen beträgt etwa 8 Stücki Zu diesen
werden jedes Jahr in Bittauen ungefähr
10 Absatzfohlen hinzugekauft und aufgezogen,
bis sie im Alter von 3 Jahren der Remonte-
ankaufscommission vorgestellt werden. Diese
zahlt dann gewöhnlich mehr als 700 Mark
für das Stück.
Im Sommer beziehen die ein- und zwei
jährigen Fohlen, sowie die Mutterstuten mit
Fohlen die bei 200 Morgen (= 31 06 ha)
grossen Weiden. Für die Dauer der kälteren
Jahreszeit stehen die Fohlen in Baufställen
und werden hier mit Mohrrüben, Hafer und
gutem Wiesenheu ernährt. Die Stuten aber
arbeiten, so lange sie irgend können, in
jedem leichteren Dienst, daher ist ausser den
Fohlenwärtern kein besonderes Gestütsper
sonal vorhanden. Die Leitung der gesummten
Pferdezuchtangelegenheiten fuhrt der Guts
administrator.
Die Rinderheerde in Schrengen zählt bei
200 Haupt. Hievon sind 120 Holländer Milch
kühe, die in dem ostpreussischen Heerdbuch
eingetragen sind. Aus der jungen Nachzucht
werden namentlich Bullen verkauft und die
Meierei liefert vorzügliche Tafelbutter.
Die Schafzucht wird aus ptwa 200 Stück
Oxfordshire Stammmüttern betrieben und wird

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66