Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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land Renthiere und Hunde — gebraucht.
Ochsen kommen als Zugthiere am meisten in
Södermanland, Smaland und einem Theile von
Westergotland zur Verwendung. In Norrland,
wo sich ein kräftiger Pferdeschlag findet,
wird das Rind so selten als Zugthier benützt,
dass man beinahe sagen kann, es kommt dort
als solches kaum vor.
Die Viehzucht wird heute fast durch
gängig nach rationellen Grundsätzen betrie
ben; durch ordentliche Pflege und Veredlung
der Rassen etc. hat sich auf dem ganzen
Gebiete der Hausthierzucht neuerdings eine
wesentliche Besserung bemerkbar gemacht.
Zur Aushilfe derselben wurden von Zeit zu
Zeit hübsche Thiere für die sog. Stamm
holländereien angekauft; es wurden viele
Rinder von der englischen Shorthornrasse,
wie auch solche vom schottischen Ayrshire-
und Pembrokschlage bezogen und diese zur
Kreuzung benützt. Auch Voigtländer und
Algäuer sind dorthin gekommen und haben
meistens befriedigt. — Vor allen anderen
haben sich jedoch die Holländer als Milchvieh
bewährt; sie sind daher auch ziemlich weit
über das Land verbreitet, ganz besonders aber
in den südlichen und mittleren Landestheilen.
In neuerer Zeit haben sich mehrere grössere
Meiereigesellschaften gebildet, und das ganze
Molkereiwesen hat durch das vom Herrn
J. G. Swartz auf Hofgarden in Oestergotland
erfundene Milchabkühlungsverfahren (durch
Eiswasser) einen grossen Aufschwung ge
nommen. Vorzüglich schöne Butter wird auf
diese Weise hergestellt und grosse Quantitäten
derselben kommen alljährlich zum Export.
Zwei umherreisende Unterrichter, d. h.
Lehrer werden vom Staate besoldet, um Rath
und Aufklärung über die Pflege, Auferziehung;
Fütterung und sonstige Behandlung des Rind
viehes, sowie über die Art der Veredlung
desselben durch Auswahl passender Zucht
thiere, zu ertheilen. Diese Beamten ertheilen
auch Unterricht in der Behandlung der Milch,
sowie in der Käse- und Butterbereitung und
machen endlich noch Vorschläge zur Einrich
tung von zweckmässigen Holländerei- oder
Meiereigebäuden.
Die Pferdezucht, welche in Schweden
lange Zeit ganz geringe Beachtung gefunden
hat, erfuhr neuerdings manche Besserungen.
— Die niedrigen Getreidepreise — Schweden
hat erst seit 1888 mässige Getreidezölle er
halten — haben die Landleute veranlasst, für
ihr Getreide, besonders den Hafer, eine an
dere, bessere Verwerthung zu suchen und sie
haben gefunden, dass allein schon durch
zweckmässige Fütterung der Thiere ein Wandel
zum Besseren zu erreichen ist.
Die Pferde wurden früher oftmals sehr
mangelhaft ernährt; sie mussten sich oftmals
mit Futtermitteln begnügen, die man im
mittleren und südlichen Europa als Pferde
futter kaum oder gar nicht kennt, z. B.
Flechten, Baumlaub, getrocknete Fische etc.
Heute sind die Zustände wesentlich gebessert
und manches brauchbare Pferd wird in Schwe
den aufgezogen.

Die unveredelten Bauernpferde haben in
der Regel einen etwas schweren, dicken Kopf
mit starken Ganaschen und einen kurzen,
plumpen Hals mit starker Mähne; letztere
ist an dem mittellangen Rumpf nicht beson
ders schön aufgesetzt, das Kreuz gewöhnlich
abschüssig und der dicke Schweif eher tief
als hoch angesetzt. Ihre unteren Gliedmassen
sind meist kräftig, aber nicht immer hübsch
gestellt. Dunkle Haarfarben herrschen vor;
es kommen aber auch viele Falben mit Aal
streifen unter ihnen vor. Das Deckhaar wird
im Winter sehr lang, und sog. Pudelpferde
mit krausem Haar sollen im Norden nicht
seltene Erscheinungen sein — wir sahen ein
solches Pferd im Sommer 1878 auf der Aus
stellung zu Norköping. —- Für die Gebirgs
landschaften sind die kleinen ponyartigen
Pferde ganz passend; sie haben meist einen
sicheren, lebendigen Gang und sind in hohem
Grade genügsam. Die kleinsten Ponies trifft
man auf der Insel Oeland in der Nähe von
Calmar; sie werden gern als Reitthiere für
Kinder, aber auch zum Ziehen kleiner Holz
oder Korbwägen benützt. In Norrland gibt
es einen mittelgrossen, kräftigen Schlag, der
zum Lastfuhrwerk wohl tauglich ist und in
Stockholm zum Ziehen der Bierwägen etc.
benützt wird. Für die Reiterei fand man bis
her nicht immer taugliche Pferde, und all
jährlich müssen viele Remonten für die Ca-
vallerie aus der Fremde an gekauft werden.
Aus Dänemark, England, Deutschland (Ost
preussen) und Frankreich wurden und werden
noch jetzt ziemlich viele Pferde bezogen;
auch Norwegen liefert Jahr für Jahr die be
liebten Gudbrandsdaler nach Schweden. Es
wurden letzthin noch eingeführt 54 Hengste
und 120 Stuten der Ardenner und 16 Hengste
jener norwegischen Rasse, die hauptsächlich
in den mittleren Landestheilen zur Zucht be
nützt werden sollen.
In der Provinz Schonen (Skäne) steht
die Pferdezucht am höchsten; dort interessiren
sich viele grössere Gutsbesitzer ganz lebhaft
für dieselbe und sie beschaffen meist aus ei
genen Mitteln das nöthige Zuchtmaterial.
Anglonormannische, ostpreussische und Cly-
desdaler Hengste dienen daselbst als Beschä
ler für die Landstuten.
Die kleinen Pferde (Ponies), welche unter
dem Namen „Skocgsruss“ auf der Insel Got
land gezogen werden, haben neuerdings an
Zahl abgenommen und scheinen durch einen
grösseren Schlag verdrängt werden zu sollen.
Durchschnittlich führt Schweden 3000 Pferde
aus und 4000 Stück ein; die Mehrzahl dieser
letzteren kommt aus Dänemark, welche haupt
sächlich für den schwereren Zug bestimmt
sind; Luxuspferde liefert England, Ostpreus
sen und Hannover.
Dass Schweden in die englische Voll
blutzucht eingetreten ist, hat es dem deutschen
Turf bereits durch den berühmten Basnäs
bekannt gemacht. — Das Interesse für Wett
rennen mit Vollblut ist jedoch in der neue
sten Zeit etwas geringer geworden, wohin
gegen für Trabrennen sich mehr Liebhaber

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