Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Chemie vielfach Anwendung findet. Einge-
athmet wirkt er giftig. Blaas.
Schwefelwasser8toffvergistungen kom
men sowohl bei der inneren und äusseren
Verwendung von Schwefelleber und Schwe
fel (?) vor, als gelegentlich der Entleerung
von Mistgruben und Latrinen. Das übelrie
chende Gas, SH a (s. d.), ist nicht bloss ein
lähmendes Gehirn- und Rückenmarksgift, son
dern auch ein heftiges Blutgift, welches
dadurch respiratorische Paralyse zur Folge
hat, indem es die Athmung durch Zer
setzung des Oxyhämoglobins der rothen
Blutzellen (Bildung von Schwefelhämatin
und Sulfhämoglobin) unmöglich macht. Das
Blut nimmt dabei eine tintenähnliche, grün
lichschwarze Färbung an, verliert stark an
Circulationsfähigkeit und staut sich dann be
sonders in den grossen Gelassen sowie im
Gehirn, im Herzen und den Lungen auf.
Grosse Schwäche, Sopor und Krämpfe gehen
dem Erstickungstode voraus. Die Therapie
besteht in Zufuhr reichlicher frischer Luft,
Ablassen von Blut und Transfusion einer
0'6"/«>gen Kochsalzlösung; Kamphergaben,
Aetberinjectionen, Hautreize, kalte Douchen
sowie leichte Inhalationen von Chlorgas be
fördern die Wiederherstellung. Der Nachweis
von Schwefelwasserstoff geschieht am ein
fachsten durch Papierstreifen, welche mit
Bleiacetatlösung imbibirt sind und sich dann
schwarz färben, meist gibt sich das Gas aber
schon durch den Geruch zu erkennen. Vogel.
Schwefligsäureäther. Neutrale Aether
der schwefligen Säure, z. B. Schwefligsäure-
Aethyläther SOq^*® 5 , entstehen bei der
Einwirkung von Thionylchlorid (SOCl,) oder
Chlorschwefel (8,01,) auf Alkohole. Es sind
unzersetzt destillirbare Flüssigkeiten, welche
durch Alkalien in Alkalisulfide und Alkohole
zerlegt werden. l.oebisch.
Schweif, derselbe besteht bei allen Thieren
aus Wirbelknochen, Knorpeln, Muskeln, Blut
gefässen, Nerven, Zellengeweben, welcher als
verlängerter Theil des Beckens die Schweif
rübe bildet, die mit der allgemeinen Decke
(Haut) überzogen ist und auf der die langen
Schweif- und Schwanzhaare eingebettet sind;
beim Rinde kommen aber nur am Ende des
Schweifes diese Haare als Schwanzbüschel zum
Vorschein. Der Schweif bildet nicht blos eine
Zierde des Thieres, sondern hat eine natürliche,
physiologische und hygienische Bedeutung,
indem von seiner Beschaffenheit, Stärke,
Länge, Ansatz, Haarbesatz und Reichthum
desselben der Schutz des Afters und der äusseren
Geschlechtstheile abhängt, sowie die Schönheit
des Thieres bezüglich seines Aeusseren da
durch gewinnt oder verliert. Ausser diesem
hat der Schweif auch die Bestimmung, dass
er infolge seiner Beweglichkeit und Haar
bildung die die Thiere plagenden Insecten
verscheucht und abhält — also ein Schutz
mittel ist, deswegen werthvoll erscheint. Der
Pferdeschweif, wenn hoch angesetzt, gilt
nicht nur als Schönheitszeichen, sondern wird
hauptsächlich bei den Arabern bis auf die

hinteren Fesseln reichend und dicht mit
feinen Haaren besetzt, verlangt; ebenso wird
er bei den hochedlen und edlen Pferderassen
gerne gesehen. Dagegen ist der Pferdeschweif
bezüglich der Länge seiner Haare und der
Form desselben bei den Culturvölkern nicht
selten der Mode unterworfen, indem er, bald
kurz, bald lang, kugelförmig oder wagrecht
beschnitten, der Frisur unterliegt. Die Gewohn
heit, in Sportkreisen die Schweife zu stutzen,
hat gegenwärtig eine ungerechtfertigte Aus
dehnung genommen, indem diese Modethor
heit ihren Pferden fast überhaupt keinen
Schwanz mehr lässt. Der Amerikaner sagt:
„Wie eines Weibes Haar ihre Glanzeskrone
bildet, so ist des Pferdes Schweif sein Scepter
der Anmuth.“
Vor noch gar nicht langer Zeit war es
Mode, die Pferdeschweife aufzurichten, sie zn
stutzen oder abzuschneiden. Die Niederzieh
muskeln wurden nach Entfernung eines Theiles
des Schweifes selbst durchschnitten und der
verstümmelte Stumpf mittelst eines Seiles,
an dem ein Gewicht befestigt war und das
durch eine an der Decke des Stalles be
festigte Rolle lief, hoch gehalten; d. h. die
Pferde wurden englisirt. Dies war, wenn es
vielleicht auch bei der Behandlung von Pfer
den, die schlugen und gefährlich wurden,
wenn ihre Schweife beim Fahren über die
Leinen geriethen, zu entschuldigen ist, eine
grausame und zwecklose Gewohnheit.
Einige Reiter behaupten, dass „Stutzen“
fehlerhafte Trachten verbessert, eine Behaup -
tung, die leichter aufzustellen, als zu be
weisen ist.
Das Pferd kann passend mit einem Schiff
verglichen werden, sein Kopf stellt den Bug,
sein Körper den Rumpf und sein Schweif das
Ruder dar. Das Auge ist der Ausguck und
der sofortige Gehorsam in der Bewegung, die
durch eine schnelle Bewegung des Schweifes
angegeben wird, ist lebhafter als man glaubt.
Der Leib des Pferdes ist, vielleicht unbe
merkbar, aber nichtsdestoweniger sicher
gegen den Punkt gerichtet, wohin es seinen
Lauf zu nehmen wünscht. Der Kopf ist eben
falls mehr oder weniger nach derselben Rich
tung gewendet, wobei der Schweif in ent
gegengesetzter Richtung getragen wird, und
das lange Haar in zierlicher Weise, die An
muth der Bewegung begünstigend, nach
aussen fliegt. Ein „Zisch“ des Schweifes,
wenn plötzlich bei schneller Gangart die
Direction geändert wird, unterstützt das Pferd
in der Beibehaltung seines Gleichgewichtes
und setzt es in den Stand, schnell und un
muthig zu wenden. Die besten Reiter der
Welt sind die Comanches-Indianer. Stutzen
sie etwa die Schweife ihrer Klepper? Nein,
sie sind viel zu klug und erfahren, als dass
sie eine solche Thorheit begehen sollten. Der
Thierschutzverein in Massachussets hat in der
dortigen gesetzgebenden Versammlung ein
Gesetz durchgebracht, das das Stutzen des
Pferdeschweifes bei einer Strafe von minde
stens 100 Dollars, im Wiederholungsfälle bis
zu einem Jahre Gefängniss steigend, verbietet.

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