Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Damit das Gesetz kein todter Buchstabe
bleibe, hat der Präsident des Vereines eine
Belohnung von 100 Dollars für jeden Fall
ausgesetzt, der in Massachussets zur Anzeige
gebracht wird.
Bei den Armeepferden ist zum Glück
diese Modethorheit des Schweifstutzens noch
nicht eingebürgert. Wahr ist es allerdings,
dass zu lange Schweife sich leicht beschmutzen
und eine grössere Pflege bedürfen, wie kurze,
weswegen der Pferdeschweif kegelförmig so
beschnitten werden soll, dass er immerhin
die Länge bis an oder über das Sprunggelenk
erhält und dadurch lange genug bleibt, um
sich die Fliegen abzuwehren.
Ein grosser Haarschwanzbüschel beim
Binde gilt nicht selten als schön und ein
hochangesetzter Schweif überhaupt ist als
Rassezeichen zu betrachten, das gern gesehen
wird, wenn die Schwanzrübö nicht zu dick,
sondern mehr in die Breite geht und mit
feinen kurzen Haaren besetzt ist.
Beim Schafbock (Hammel) werden die
Schweife beim Verschneiden meistens bis in
der Länge von einigen Centimetern gestutzt
oder verkürzt, damit sich dieselben weniger be
schmutzen sollen. Grossen Anklang finden
schöne Schweife (Ruthen) bei dem Hunde,
obwohl durch Kurzsichtigkeit oder Thorheit
vielen Hunden nicht nur die Schweife abge
schlagen, sondern auch noch die Ohren ge
stutzt werden, was als ein Act der Thier-
quälerei, gleich dem Englisiren der Pferde,
angesehen werden muss (vergl. a. Schwanz).
Ableitner.
Schweisein ist die volkstümliche Be
zeichnung für Schweifwedeln (s. d.). Gn.
Schweifflechte der Pferde ist ein grind
artiges Ekzem, das auch an anderen mit
langen, borsten artigen Haaren besetzten
Körpertheilen vorkommt, z. B. an der Mähne,
am Haarschopf und an den Lippen. Wie
bereits unter „Mähnengrind“ angeführt wurde,
bilden sich auf der entzündeten Haut Bläschen,
deren Inhalt nach dem Bersten derselben zu
Schorfen erhärtet und sich mit den Epithelien
und dem Hauttalg vermischt und die Haare
verklebt. Da sich auf der Haut Grinde bilden
und hiebei Juckgefühl vorhanden ist, so hat
man das Leiden auch Schweifjucken und
Schweifgrind genannt. Der Verlauf ist chro
nisch, die Behandlung die beim Mähnengrind
angegebene. Anacker.
Schweisgrind, s. Afterjucken.
Schweiskern, Nucleus caudatus, graue
Substanz in Form eines Kerns in den ge
streiften Hügeln des Grosshirns, s. Gehirn.
Schweismuskeln, s. Muskeln.
Schweismuskelschnitt, s. Englisiren.
Schweisriemen ist ein zur Beschirrung
des Pferdes gehöriger Theil, u. zw. der
jenige, der vom Kammdeckel, bezw. Kummet
des Geschirrs, dem Sattel u. s. w. zum Schweif
des Pferdes führt und um diesen gelegt wird.
Der Schweifriemen, der also längs des Rückens
des Pferdes läuft, hat die Aufgabe, eine festere
Jjage des betreffenden Geschirrs herbeizu

führen. Er ist aber in den meisten Fällen we
nig zweckmässig, da er, wenn er die an ihn
gestellten Ansprüche erfüllt, gewöhnlich die
Schweifrübe des Pferdes scheuert oder gar
kneift und so leicht zu Ungezogenheiten des
Pferdes Veranlassung bietet. Bei Arbeitspfer
den sollte man den Schweifriemen eben der
Belästigung wegen niemals anwenden. Ange
bracht ist derselbe wohl für die Stallpflege,
z. B. beim Halten des Schweiffutterals, damit
dies nicht von der Rübe herabrutschen kann.
Hier ist der Riemen lose angebracht und ver
ursacht keine Beschwerden. Auch ohne solche
dulden sogar manche Pferde gar keinen
Schweifriemen.
Den für Reitzwecke angewendeten Schweif
riemen nennt man häufig Hinterzeug. Gn.
Schweifrost,Uromyces (vonoopd,Schweif;
p.6w»]S, Pilz), gehört zu den Rostpilzen oder
Uredineen (s. d.), er schmarotzt auf Euphorbium,
Geranium, Lauch, Knöterich, Runkelrüben
blättern und Hülsenfrüchten, entwickelt eiför
mige Sporen, die mit einem Streichen versehen
sind und braune oder schwarzbraune Staub
häufelten erzeugen. Die mit Rost befallenen
Pflanzen bewirken nach ihrem Genusse
höher geröthete Schleimhäute, gastrische
Erscheinungen, Speicheln, Magen- und Darm
entzündung, Bauchschmerzen, Verstopfung,
Diarrhöe, Husten, Fieber, Schwäche, Sopor,
Krämpfe, Zittern, Blutaustretungen in die
Schleimhäute und Gewebe, missfarbiges,
dunkles Blut, angestrengte Respiration, Blut
harnen, Harnruhr, lähmungsartige Schwäche
im Hintertheil, bei tragenden Thieren Abortus.
Der Tod kann schon innerhalb 12—24 Stun
den eintreten, öfter währt die Krankheits
dauer 8—14 Tage.
Die Pilze reizen die Schleimhäute der
Luft- und Verdauungswege, besonders auch
die Nieren, das Blut disponiren sie zur Zer
setzung; sie wandern schon beim Keimen der
Pflanzen in die Wurzel ein und steigen all-
mälig mit dem Stengel bis zur Blüthe empor,
durchwuchern das Pflanzengewebe und zer
stören es, die Oberhaut platzt, es kommen
nun viele schwarze Flecke zum Vorschein,
die aus einem Staube, den kleinen Sporen
bestehen. Derartiges mit Brandpilzen besetztes
Futter darf nicht verfüttert werden; Ab
klopfen, Abwaschen, Lüften und Besprengen
mit Salzwasser entfernt die Pilze, so dass
dann die befallenen Futterstoffe mehr oder
weniger unschädlich werden. Als Heilmittel
dienen Brechmittel, salinische Abführmittel,
Aloö, für Hunde und Pferde Kalomel in
Schleim, bei Verfall der Kräfte Säuren,
Weingeist, Aether, Kampher, reizende Ein
reibungen in die Haut. Anacker.
Schweifriibe, die aus den Schweifwirbeln,
den Muskeln und der diese überziehenden all
gemeinen Decke bestehende Grundlage des
Schweifes. Dieselbe besitzt die Form eines
vierseitigen, in eine Spitze auslaufenden Keiles,
dessen Basis oben an dem Uebergange des
Schweifes in die Kreuzbeinregion, dessen
Spitze etwa in der Höhe des Kniegelenkes
gelegen ist. Ihre vierkantige Form erhält die

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