Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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den Maskenschweinen (S. larvatus und peni-
cillatus) ähnlich sei.
Die grosse Ähnlichkeit zwischen der
diluvialen und der gegenwärtigen Form von
Sus scrofa lässt Schliessen, dass die dilu
viale Art des gemeinen Schweines ziemlich
unabhängig von abändernden Einflüssen des
Klimas und der Lebensweise seine Form bis
zur Gegenwart erhalten hat. Die Verschieden
heiten, welche sowohl die Formen der le
benden Schweine unter sich, wie von denen
des Diluviums und zum Theil des jüngeren
Tertiärs trennen, sind solche, welche in die
Breite der Abart oder Rasse fallen; sie sind
grösstentheils abhängig von der Art der Er
nährung und der Lebensweise, wodurch
insbesondere auch die Körpergrösse be
einflusst wird.
Als Uebergangsformen zwischen den-
Schweinen des jüngeren Tertiärs und des
Diluviums einerseits und den Schweinen der
Gegenwart andererseits dürfen wir die
Schweine der europäischen Pfahlbauten
betrachten.
In seiner „Fauna der Pfahlbauten der
Schweiz“ hat Rütimeyer unter den zahl
reichen Pfahlbauknochen drei Formen be
stimmt: das Wildschwein (S. scrofa ferus),
das Torfschwein (8. scrofa palustris) und
das Hausschwein (S. scrofa dornest!cus).
Das kennzeichnende Gepräge des Torf
schweinschädels besteht nach Rütimeyer in,
dem kurzen, niedrigen und spitzen Gesichts
theil, der neben den kleinen Eckzähnen, die
kaum über die Lippen vortreten konnten,
neben dem schwach ausgebildeten Rüssel und
den grossen Augen dem Thiere ein Aussehen
gab, das von demjenigen des Wildschweines
ebenso sehr abweicht, wie unter unseren-
Hausthieren das Aussehen des halberwach
senen Ferkels von demjenigen eines alten
Keilers. Später („Neue Beiträge zur Kenntniss-
des Torfschweines“ in Verb. d. Naturf.-Ge-
sellsch. in Basel, 1864) erklärt Rütimeyer
das Torfschwein für eine wilde Form des
romanischen und des ungarischen kraus
haarigen Schweines; die Beziehungen des
Torfschweines zu dem indischen stehen ihm
ausser Zweifel. Er stellt das Torfschwein in
dasselbe nahe Verwandtschaftsverhältniss zu
dem ungarischen kraushaarigen Schwein,,
welches nach H. v. Nathusius („Vorstudien
für Geschichte und Zucht der Hausthiere,
zunächst am Schweinschädel“, 1864, 8. 152)-
in allen wesentlichen Punkten dem indischen
Schwein ähnlich ist. Wie Nathusius die Be
ziehungen des kraushaarigen Schweines zum
europäischen Wildschwein leugnet, so stellt
auch Rütimeyer eine nähere Verwandt
schaft des Torfschweines mit dem gewöhn
lichen europäischen Wildschwein und auch
den wilden Zustand des Torfschweines in
Frage; er ist geneigt, das Torfschwein als
keltisches Hausschwein anzuerkennen.
J. W. Schütz („Zur Kenntniss des
Torfschweines“, Inaug.-Diss. Berlin 1868)
erklärt das Torfschwein übereinstimmend mit
dem Sennaarschwein, was zu dem Schlüsse

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