Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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und Nagethieren fehlen die Schneidezähne
bisweilen gänzlich, oder es sind nur die bei
den oberen vorhanden und die unteren fehlen.
Die bei der Geburt vorhandenen oder gleich
danach erscheinenden Zähne bilden das
Milchgebiss, sie sind in geringerer Anzahl
vorhanden, weniger fest und feiner in Form
als die bleibenden Zähne. Da dieses (Milch
gebiss) mit zunehmendem Alter der Thiere
durch andere Zähne ersetzt wird, nennt man
sie auch Wechselzähne. Nur bei Monotremen,
üruta und den echten Cetaceen erfolgt kein
Zahnwechsel. Zwei Backenzähne entwickeln
sich bei den Raubthieren zu eigenthümlichen
Fleisch- oder Reisszähnen, vor denen die
Lückenzähne und dahinter die Höcker- oder
Kauzähne stehen. In anderen Fällen verwan
deln sich Schneidezähne zu grossen Stoss
zähnen, wie beim Elephanten, Narwal, Walross,
Dugong, und dienen dann nur als Waffen.
Die Zusammensetzung des Gebisses wird
durch die sog. Zahnformeln erklärt, in denen
man die verschiedenen Zähne mit dem An
fangsbuchstaben ihres lateinischen Namens
bezeichnet; demnach mit p die Präraolares,
m die Molares, s den Reisszahn, c die Eck
zähne, i die Schneidezähne, und die Bruch
form anwendet, in welcher der Zähler den
Oberkiefer, der Nenner den Unterkiefer, resp.
die Zahl der Zähne in denselben an-
2 1
gibt. Es würde also die Formel i —, c —,
2 1

3 3
p —, m — das Vorhandensein von 2 Schneide

zähnen, 1 Eckzahn, 3 falschen und 3 echten
Backenzähnen jederseits im Ober- und Unter
kiefer — zusammen 36 Zähnen angeben.
Dieselbe Formel wird aber, und dies ist die
gebräuchlichere Art, auch so dargestellt:
3.3 1 2
-r-~ '—Die Maulhöhle wird vorne von flei-
3.3.1.1.

schigen, beweglichen Lippen begrenzt, die indes
den fleischfressenden Walen und den Cloaken-
tbieren fehlen, d. h. schnabelartige Fortsätze
zeigen. — Die Zunge (s. d.) fehlt nie, kann
aber, wie bei den Walen, angewachsen und
unbeweglich sein. Diejenige der Ameisenigel
ist wurmförmig verlängert, weit vorstreckbar
und mit feinen Widerhaken besetzt. Ent
weder ist die Oberhaut ganz weich, schleimig,
oder, wie bei den nur frisches Fleisch fres
senden Raubthieren, mit haarartigen Papillen
bekleidet (s. Raubthiere). Die Stütze der
Zunge ist das Zungenbein, dessen vordere
Hörner sich an den Griffelfortsatz des
Schläfenbeines anheften, während die hinteren
den Kehlkopf tragen. Seitlich wird die Maul-
höhle von einer musculösen Haut begrenzt,
die sich nicht selten bei Nagern (Hamster,
Eichhörnchen, Biber) und Affen zu sog.
Backentaschen erweitert. Zahlreiche Drü
sen finden sich noch in der Maul-, resp.
Rachenhöhle, z, B. die Ohrspeicheldrü
sen, Zungenspeicheldrüsen u. a., deren
Secrete wesentlich die Verdauung der aufge
nommenen Nahrung befördern. Auch hiebei
machen die fleischfressenden Cetaceen durch

das Fehlen der Speicheldrüsen wiederum
eine Ausnahme. Der Magen (s. d.) liegt in
der Bauchhöhle, stellt in der Regel einen
quergestellten häutigen Sack dar, bei den
Wiederkäuern aus vier, den meisten übrigen
Thieren nur aus einer Abtheilung bestehend.
Die Magenschleimhaut zeichnet sich durch
grossen Drüsenreichthum aus, deren Secrete
als wirksame Verdauungsfermente bekannt
sind.
Der Magen der Wiederkäuer (Rumi-
nantia) liegt unmittelbar hinter dem Zwerch
fell, füllt den grössten Theil der Bauchhöhle
aus und reicht bis in die Beckenhöhle. Die
erste Abtheilung, der Pansen oder Wanst
(Rumen), ist der grösste Theil des Magens
und nimmt die festen, gröberen Futtermittel
auf, ebenso der kleine Netzmagen, während
die flüssigen Futtermittel sofort mittelst der
Schlundrinne in die dritte Magenabtheilung,
den Psalter oder das Buch oder Blättermagen
(Psalterium) und darauf in die vierte Abthei
lung, den Labmagen (Abomasus) geführt
werden. Der Inhalt des Pansens und der
Haube wird zum grössten Theil zurück ins
Maul gebracht, nochmals gründlich einge
speichelt, durchkaut und nach dem Ver
schlucken in den Psalter und Labmagen be
fördert. (Vgl. Magen, Wiederkauen, Wieder
käuer.)
Der Darmcanal ist beim Pferde llmal,
Rinde 22mal, Schafe 27—28mal, Schweine
16mal und Hunde 5mal so gross als die
Länge des Körpers. Der Dünndarm hat einen
viel kleineren Durchmesser als der Dickdarm,
übertrifft den letzteren aber um das Drei
fache an Länge und wird durch das Darm
gekröse an die Wirbelsäule befestigt. Der
Blinddarm ist bei allen Pflanzenfressern sehr
geräumig. Der Dickdarm mündet wie bei
den Vögeln in die sog. Cloake.
Die Leber ist von rothbrauner Farbe
und beim Pferde in 3, beim Rinde in 2, beim
Schweine in 4 und bei den Fleischfressern
in 7—9 Lappen getheilt. Das Product der
Leber ist die Galle; die Gallenblase (s. d.)
das Sammelbassin für die in der Leber be
reitete Galle. Sie fehlt den Pferden, Karneolen,
Elephanten und einigen anderen Säuge
tieren.
Die Stimmbänder im Innern des Kehl
kopfes lassen zwischen sich einen schmalen
Spalt — die Stimmritze — frei. Werden
durch einen Luftstrom die Stimmbänder straff
gespannt und in vibrirende Bewegung gesetzt,
dann wird die Stimme erzeugt. Je nach der
Spannung der Stimmbänder und Breite der
Stimmritze wird ein höherer oder tieferer Ton
erzeugt und charakterisirt sich bei den Thieren
als unarticulirte Laute durch Gebrüll, Grun
zen etc. — Die Luftröhre ist ein Rohr,
dessen Wände durch eingelegte Knorpelringe
(das Luftrohr des Karneols besitzt 110 solcher
Ringe) immer straff gespannt bleiben. Ihre
Innenwand ist mit Flimmerepithelien beklei
det, welche sich fortwährend bewegen, um
etwaige feste Stoffe nach aussen zu transpor-
tiren. Sie verläuft gewöhnlich ohne Windun-

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