Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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die senkrechte Spannweite ihres Körperbaues
nach Umfang und Inhalt oder das, was der
Züchter als Gegensatz von „Nerv“ versteht.
Nach diesen beiden Momenten und keines
wegs nach dem blossen Körpergewicht oder
der Körperhöhe gliedern sich hier die ein
zelnen Pferde und auch wieder die ver
schiedenen vier Schläge gegeneinander. Und
aus denselben Momenten entspringt auch in
Verbindung dessen, was man „Nerv“ nennt,
ihr verschiedener Nutzen, Zucht- und Gebrauchs
werth.
Die schweren und leichten Trakehner
Wagenschläge z. B. sind trotz der geringen
Verschiedenheit ihrer Körpergewichte im Ver
gleiche zu den anderen beiden ähnlichen Ty
pen keine eigentlichen Reitpferde und das
selbe gilt umgekehrt von den beiden Reit
schlägen trotz ähnlicher Gewichtsunterschiede.
— Also das absolute Gewicht macht es nicht.
Körpergewicht allein ist eben an und für sich
weder ein allein durchschlagendes, noch mass
gebendes Moment für den Gebrauch, die Züch
tung, und die Art des Nutzens der einzelnen
Pferde und Schläge, geschweige, dass sich be
sondere praktische Vortheile und Vorzüge aus
der Ermittlung des absoluten Körpergewichtes
für die einzelnen Pferde ableiten liessen.
Rücksichtlich der Beschälremonten ver
hält es sich ad II unseres Vorwurfes ganz
ebenso, nur dürften sie die bisherigen Aus
führungen noch mehr erhärten. In dieser Ab
theilung des jungen Ersatzes für die Invaliden
der Landbeschäler beziffern sich die Körper
gewichte in den ganzen Schlägen zu ihrem
Bandmass, wie:
Körpergewicht
schwerer Reitschlag 810—610kg 170—l'73m
leichter Wagenschi. 470—570,, P65—168 „
Nach dem absoluten Körpergewicht der
alten Beschäler genommen, würde unter den
Remonten weder schwerer Wagen-, noch
leichter Reitschlag sein und es treten nur
schwerer — grosser — Reitschlag und leichter
— kleiner — Reitschlag in dieser ganzen
Kategorie auf.
Augenscheinlich trägt hier jedoch sehr
handgreiflich das absolute Körpergewicht als
massgebender Factor, u. zw. nach zwei
Seiten bei.
Im Ganzen fallen die absoluten Körper
gewichte hier relativ schwerer aus, als ad I
trotz des beinahe einheitlichen Masses, was,
wenn das absolute Körpergewicht eine züch
terische Werthgrösse darstellte, bei fast gleichen
Bandmassen nicht möglich wäre. Die Sache
geht aber ganz natürlich zu, weil bei den
Remontebeschälern, wie notorisch, gegenwärtig
auf schwere Schläge mehr Gewicht gelegt
wird, solches wegen der Nachfrage mehr be
rücksichtigt werden muss als früher, und die
Bandmasse hier nicht ganz dieselben, wie die
früheren, d. h. ehemaligen geblieben sind. —
Es wurden daher im Allgemeinen mehr schwere
Hengste als früher bisher gezüchtet und, das
schlägt durch, auch nur eingestellt in den
vier Typen, welche dadurch an Körpergewicht
nicht differenzirter werden, nur mehr durch

die Grösse variiren. Also das „absolute Kör
pergewicht“ ist nicht massgebend für die ab
solute Grösse der Pferde und für ihre Ge
brauchs- und Zuchtwerthe.
Warum aber fallen, so wird man einwen
den, denn hier in der Tabelle ad II der Re-
montebeschäler überhaupt die beiden Classen
des „schweren Wagenschlages und des leichten
Reitschlages“ desselben grossen und so gleich
artigen Trakehner Pferdestammes in seinen
vier Gebrauchstypen aus?
Wieder sehr natürlich: der vierjährige
Ersatz ad II, „die Remonte“, sind alles junge
Pferde desselben Pferdestammes; aber eben
deswegen sind die gleich grossen, nur durch
wegs älteren Pferde derselben Typen an Ge
wicht bekannte rmassen stets den jungen
Thieren ihres selben Schlages voraus. — Mit
anderen Worten: der kubische Inhalt gleicher
„lebender“ Körper ist in seiner Masse eben
ein unterschiedlicher und niemals eine todte
Gewichtsgrösse mit demselben absoluten
Gewicht.
Zieht man zu diesen Folgerungen noch
die Durchschnittskörpergewichte ad III und
IV in Betracht und zu den bisherigen hinzu,
so illustriren sie ebenso alles im Ganzen und
Allgemeinen, was bisher argumentirt wurde.
Landbeschäler:
Grosser Wagenschlag sind 601'50 kg schwer
„ Reitschlag „ 588 „ „
Kleiner Wagenschlag „ 521'50 „ „
„ Reitschlag „ 460 ,, „

Remonten:
Grosser Reitschlag sind 857 50 kg schwer
Kleiner Wagenschlag „ 440 „ „
Die von oben her sinkenden Körper
gewichte bezeichnen also wiederum nicht die
absolute Grösse der Thiere, vielmehr bloss
annähernd ihre Schwere, d. h. Masse und
Breite der Körperconfiguration der einzelnen
Schläge, sowie die summarisch zunehmende
Schwere der betreffenden Nachzuchten, wes
halb in der Schablone nach absolutem Kör
pergewicht — d. h. hier nach der absoluten
Masse, Breite und Compactheit der Thiere —
die erste und letzte Type der Remonten im
puren Calcul verschwinden, aber im Ganzen
die Rubriken der schweren Reit- Und leichten
Wagenpferde durchwegs schwerer ausfallen
als früher.
Im Jahre 1888 hat Nathusius-Königsborn
in der „Deutschen landw. Pr.“ und anderwärts
eine verschiedene zusammengesetzte Reihe
von Körpergewichten und Messungen an Pfer
den mitgetheilt, u. zw.:

Durch-
schnitts
gewicht

Bandmass
grösse

6 Trakehner Vollblut 838 8kg 1*67—1 74m
12 Trakehner Halbblut 578 7 „ 1 71—1 83 „
7 Landbeschäler in
Wahrendorf und Be
berbeck, darunter
Ostpreussen u. Voll
blut 886 4 „ 1 70—1 83 „
12 Hannoveraner Land
beschäler ...... 589 „ 1-62-1-78 „

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