Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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einen Seite gegen eine verticale Wand ge
lehnt, den von der Wand entfernten Fass
emporhebt.
Es macht bekanntlich dem Pferde grosse
Schwierigkeiten und es ist grosse Muskel
thätigkeit und viele Uebung nothwendig,
wenn es, allein auf die Hintersasse gestützt,
die Vorderhand hoch in die Luft heben und
einige Zeit in dieser Stellung verharren soll
(Circus), denn die verticale Schwerlinie fällt
vor die Unterstützungsfläche; durch Vor
schieben der Hintersasse sucht das Pferd die
letztere an die Schwerlinie vorzubringen.
Anders verhält es sich, wenn das Pferd einen
Reiter trägt; hier wird der gemeinsame
Schwerpunkt von Ross und Reiter höher ge
legt und das sog. Steigen eher ermöglicht;
hier kommt es sogar vor, dass die verticale
Schwerlinie hinter die Unterstützungsfläche
fällt, und das Pferd sich überschlägt.
Ein Wagen kippt nach der Seite auf ge
neigtem Boden um, sobald die verticale
Schwerlinie ausserhalb der Unterstützungs
fläche den Boden trifft. Soll daher ein Wagen
auch auf geneigtem Boden das Gleichgewicht
beibehalten, so ist je nach dem Grade
der gewünschten Sicherheit gegen Umkippen
nach der Seite durch die Einrichtung des
Wagens etc. der Schwerpunkt entsprechend
zu legen und die Unterstützungsfläche ent
sprechend breit zu machen (s. Räderfuhrwerk
theorie).
Die drei Arten des Gleichgewichts.
Ein Körper, der im Schwerpunkt direct unter
stützt ist, heisst indifferent, er befindet
sich im indifferenten Gleichgewichte;
denn, wird er etwas aus seiner Ruhelage ge
bracht, so bleibt er in der neuen Lage.
Dreht man einen prismatischen Balken
um eine über dem Schwerpunkte angebrachte,
jedoch in der verticalen Schwerlinie befind
liche Axe aus seiner Ruhelage, und zerlegt
das Gewicht in Componenten, so findet man,
dass der Balken Pendelschwingungen macht;
er ist stabil, er befindet sich im stabilen
Gleic h ge wicht.
Geht die Axe unterhalb des Schwer
punktes durch und wird der Balken aus der
Ruhelage nur etwas gebracht, so schlägt er
um und kehrt in die stabile Gleichgewichts
lage zurück; wenn man das im Schwerpunkt
angreifende Gewicht in zwei Componenten
zerlegt, so zieht die eine den Balken drehend
um die Axe nach abwärts; der Balken war
hinfällig, labil; er befand sich im labilen
Gleichgewichte.
Demnach sind Körper, welche sich um
eine horizontale oder schiefe Axe drehen
können, im stabilen, labilen oder indifferenten
Gleichgewicht, je nachdem der Schwerpunkt,
vertical unter, über oder in die Axe zu
liegen kommt.
Körper, welche in mehreren Punkten
unterstützt sind, sind im stabilen Gleichge
wicht, so lange ihre verticale Schwerlinie
durch die Unterstützungsfläche geht, denn bei
jedem Versuche, sie umzuwerfen (z. B. Stühle,
Tische), hebt sich ihr Schwerpunkt. Der
Koch. Encyklopädie d. Thierheilkd, IX. Bd.

Schwerpunkt hat die höchste Lage erreicht,
wenn die verticale Schwerlinie durch die
Drehungskante geht; in diesem Falle wird
das Gleichgewicht labil.
Drei Kegel, einer auf der Spitze stehend,
der zweite auf der Seite liegend, der dritte
auf der Basis stehend, befinden sich im la
bilen, bezw. indifferenten, bezw. stabilen
Gleichgewichte.
Der Satz, dass durch den geraden, cen
tralen Stoss die Bewegung des gemein
schaftlichen Schwerpunktes zum Stoss ge
langender Körper nicht geändert wird, ist
nur ein besonderer Fall des allgemeinen Ge
setzes von der Erhaltung des Schwerpunktes,
nach welchem die inneren Kräfte, d. i. die
Kräfte, welche die Massen irgend eines Sy
stems selbst auseinander ausüben, keine Ver
änderung der Bewegung ihres gemeinschaft
lichen Schwerpunktes bewirken können. Wenn
ein Geschütz abgefeuert wird, so erhält das
selbe durch den Druck der Pulvergase die
entgegengesetzte Bewegung des Geschosses.
Der gemeinschaftliche Schwerpunkt von Ge
schütz und Geschoss bleibt aber an dem
selben Orte, wenn man annimmt, dass ihre
Bewegung durch keine äussere Kraft ver
ändert wird. Wenn das Geschoss in der Luft
explodirt, so fahren dessen Theile nach ver
schiedenen Richtungen auseinander; der ge
meinschaftliche Schwerpunkt sämmtlicher
Theile des Geschosses bewegt sich aber in
derselben Parabel fort, in der er sich vor der
Explosion bewegte. Ableitner.
Schwerpunkt des Pferdes. Derselbe
stellt den Unterstützungspunkt zur Herstellung
des Gleichgewichtes beim Reiten und Fahren der
Pferde dar. Man unterscheidet (nach Heinsius)
das gewöhnliche und natürliche Gleichgewicht,
dann die falsche Gewichtsvertheilung, auch
oft falsches Gleichgewicht genannt. Beim er
steren muss die Schwerpunktsrichfung unter
dem Reiter oder dem Kammdeckel, gerade
nach abwärts in die Mitte zwischen den vor
deren und hinteren Gliedmassen des Pferdes
fallen, wobei die Schwere zwischen dem
Vorder- und Hintertheil desselben gleich
mässig, nämlich wagrecht vertheilt ist, welche
Vertheilung eine gleichmässige Benützung
der Tragkraft der Schultern wie der Hangen
bedingt und zur Folge hat.
Dieser Schwerpunkt fällt bei dem richtig
auf dem Mitteltheile und der Rückenwirbel
säule des Pferdes sitzenden Reiter unter
dessen Rückgratslinie, der dadurch mittelst
seiner Glieder zum bestimmten Hebel wird.
Beim Fahrpferde soll dieser Schwerpunkt
unter den den Sattel ersetzenden, richtig
auf der Mitte der Rückenwirbelsäule liegenden
Kammdeckel fallen, wobei hier die Arme und
Hände des Fahrers zum Hebel werden. Wäh
rend der Reiter als Hebel, mittelst des Ge
brauches seiner Hände, die Schwere des Vor-
dertheiles des Pferdes — nach und nach —
zu erheben und zurück zu bringen, sowie
durch die Gegenarbeit seiner Unterschenkel
die Kraft des Pferdes von hinten nach vorn
zu befördern und den auf diese Weise ver-
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