Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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schlag gezogen würde, doch geben sie leider
dessen Znchtgebiet nicht näher $n.
In den Beschälerdepöts zu Zaragoza
und Huesca stehen nur einige spanische
Hengste; die meisten stammen aus England,
Frankreich und Deutschland, doch wollen die
Aragonesen von den Kreuzungen, besonders
mit dem französischen Blut, nicht viel wissen.
(Se ha indicado qne los cruzamientos con
caballos francescs de differentes razas han
introducido confusion.)
Die Provinz Alt-Castilien hat in älterer
Zeit bekanntlich viele schöne Pferde geliefert,
die überall — auch im Auslande — grosse
Anerkennung gefunden haben; im der Neuzeit
ist auch dort die Pferdezucht in Verfall ge
rathen und ob es gelingen wird, wie der Hip-
polog Oberst Cotarelo meint, durch Verwen
dung deutscher Zuchthengste dieselbe wieder
empor zu bringen, erscheint heute noch frag
lich. Die Züchter gehen dort meistens sehr
lässig zu Werke und bis heute ist noch nicht
viel Beachtenswertes aus jener Gegend auf
den Markt gekommen.
In der Provinz Valladolid stehen in den
Beschälerdöpöts 44 Hengste der südspanischen
Kassen, welche durchschnittlich in jedem
Jahre 2800 Stuten zu bedecken haben. Im
Allgemeinen rechnet man in Spanien auf je
den Deckhengst (der Staatsgestüte) nur
23 Stuten.
Die Züchtung im südlichen Theile von
Leon ist nach den Schilderungen des Fran
zosen A. Germond de Lavigne nicht übel.
Die dort wohnenden Maurogaten (oder
Maragatos) sind wahrscheinlich Nachkommen
der eingewanderten blondhaarigen Gothen;
sie halten ihre Viehheerden gewöhnlich recht
gut und betreiben daneben auch den Flachs
bau mit grosser Sorgfalt. Als Rindviehzüchter
haben diese Leute einen besseren Namen, wie
als Pferdezüchter; sie schätzen Esel und Maul
thier als Arbeitsthiere höher als die Pferde,
die letzteren sind dort gewöhnlich nur klein,
zierlich und leisten im Zuge nicht Befriedi
gendes.
Die Pferde von Salamanca sind grösser,
breiter und stärker und werden sowohl zum
Ziehen, wie zum Reiten benützt. In den Ge
birgslandschaften von Ober-Navarra zählte
man 7000 Stuten, von welchen jedoch nur
780—800 Stück zur Zucht benützt wurden.
Nach den Berichten von Cotarelo stehen da
selbst in 22 Ddpöts nur 44 Pferde-, aber
80 Eselhengste; letztere werden vorwiegend
zur Maulthierzucht verwendet.
In Navarra unterscheidet man zwei Pferde-
typen, nämlich den Schlag in den Flussnie
derungen (Yeguas riberenas) und einen an
deren im Hochgebirge (Yeguas de la mon-
tana); der letztere ist zwar kleiner als das
Pferd der Niederungen, aber in seinen Lei
stungen durchaus nicht schlechter als dieses.
In der westlichen Region gelten die
Pferde Galiciens für die kräftigsten des
Landes. Schon in alter Zeit erfreuten sich
dieselben eines guten Namens; man hielt
sie für die besten Kriegsrosse, welche dem

heftigsten Anprall feindlicher Reitermassen
stets kräftigen Widerstand zu leisten ver
mochten und daher überall sehr gesucht
waren. > Der fragliche Schlag soll aus der
Kreuzung edler arabischer Stuten Und
schwerer französischer Hengste (vielleicht
Normannen) hervorgegangen sein.
Der Spanier nennt die galicisehen Pferde
der neueren Zeit Jacas de dos enerpos (Doppel
ponies) und rühmt ihre grosse Ausdauer im
Tragen schwerer Lasten. Die Thiere besitzen
einen dicken Kopf mit kleinen, etwas tief an
gesetzten Ohren, einen kurzen, fleischigen Hals
mit einerdicht stehenden, langen Mähne, weiche
zum Theil als sog. Schopf zwischen den
Ohren durch bis auf die Nase herabfällt. Ihre
Brust ist breit, die Schultern stehen ziemlich
gerade, der Rücken ist kurz, hat eine gute,
kräftige Lendenpartie und eine mittellange,
nicht allzu abschüssige Kruppe mit leidlich
hübsch angesetztem Schweif. Die unteren
Gliedmassen dieser Doppelponies sind kurz,
sehr kräftig, mit starken Sehnen und festen
Hufen auf das Beste ausgestattet. Ihre Haar
farbe ist verschieden; dunkelbraune Pferde
sollen am häufigsten vorkommen.
Ihre Höhe schwankt zwischen 1’40 und
1 80 m. Zum Zuge werden diese Thiere sel
tener benützt als zum Reiten und Lasttragen.
Die Feldarbeiten werden auch in Galicien
meistens mit Rindern, Maulthieren und Eseln
besorgt.
In der Provinz Leon, d. h. im westlichen
Theile derselben, gibt es zwei gut eingerich
tete Hengstdöpots, in welchen 16 Beschäler
spanischer Rasse etwa 360 Pferdestuten und
ausserdem noch eine grössere Anzahl von
Eselinnen bedecken.
Fitzinger theilt im XXXI. Bande der
Sitzungsberichte der mathematischen und
naturwissenschaftlichen Classe der Akademie
der Wissenschaften (Wien) bezüglich der leo-
nesischen Pferde mit, dass dieselben regel
mässig an gewissen Körperstellen, namentlich
am After und der Unterseite des Schwanzes,
Warzen hätten, und dass gerade hiedurch
dieser Schlag bei den dortigen Pferdezüchtern
beliebt sei. Die spanischen Schriftsteller er
wähnen von dieser Eigenthümlichkeit der
leonesischen Pferde nichts, und erscheint es
unwahrscheinlich, dass man Thiere mit solchen
Fehlern bei der Zucht bevorzugen sollte.
Die Maulthier- und Eselzucht. Ob
gleich es in Spanien niemals an Verordnungen
gegen die zu weit ausgedehnte Zucht von
Bastarden (Maulthieren und Mauleseln) gefehlt
hat und schon zur Zeit Philipp’s II. (1362)
bei einer Strafe von 20.000 Maravedis und
zwei Jahren Gefängniss die Bedeckung einer
Stute durch einen Eselhengst verboten wurde,
hat dieselbe dennoch eine grosse Verbreitung
über das ganze Königreich gefunden. Den
Pferdezüchtern wurden alle möglichen Vergün
stigungen zu Theil, so z. B. die Befreiung
von Einquartierung und wer drei Jahre hin
durch 12 Stuten zur Pferdezüchtung hielt,
konnte nicht einmal wegen Schulden verhaftet
werden.

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