Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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der Glieder, Leichtigkeit der Bewegung,
Schönheit der Gestalt und Widerstands
fähigkeit gegen die Unbilden des Wetters
und schlechte Behandlung vor vielen anderen
vortheilhaft aus. Die spanischen Züchter jener
Bastarde loben die grosse Sorgsamkeit ihrer
Maulthiertreiber bei der Aufzucht und
Fütterung der Fohlen; man lässt diese ge
wöhnlich sechs Monate lang an der Mutter
saugen und gibt ihnen nebenbei noch etwas
Körnerfutter.
Die Zucht der Maulesel (Equus asinus
hinnus) wird hauptsächlich in den Provinzen
Cuenca, Albacete und Aragonien betrieben;
sie erscheint den dortigen Züchtern leichter,
sicherer und billiger als die der Maulthiere.
Der Maulesel ist weniger empfindlich, auch
genügsamer und bereitet bei der Aufzucht
keine grösseren Schwierigkeiten als die der
Esel; es sind jedoch dessen Leistungen viel ge
ringer als die des Maulthieres. Die Spanier
nennen jenen „Macho romo“ oder „Burdd-
gano“, das Maulthier hingegen stets „Mulo“.
Die Zucht der Esel (Asnos) ist über die
ganze iberische Halbinsel weit verbreitet;
wenngleich dieselben in Spanien nicht ganz
so gross und kräftig sind, wie die vortrefflichen
Esel von Poitou, so gehören sie doch unstreitig
mit zu den allerbesten Europas. Boden, Klima
und Futter sagt ihnen zu, und es wird auf
ihre Zucht ohne Frage mehr Sorgfalt ver
wendet, als man dem Spanier sonst wohl zu
traut. Für schöne Eselhengste werden zu
weilen ganz ansehnliche Preise bewilligt,
vorausgesetzt, dass sie nicht zu klein oder
gar schwächlich sind. (En Andalucia, la Man
cha, y particularmente en la provincia de Cor
doba, se hau mejorado hace pocos afios, y ya
so ha pagado por un burro de cinco aSos con
cuatro dedos sobre la marca, la suma de
15.000 rs.)
Bei Zamora, in der Provinz Leon und an
anderen Orten von Alt-Castilien gibt es Esel
von sehr schöner Gestalt, hinreichender Grösse
und tüchtigen Leistungen, auch in Estre
madura findet man hübsche Exemplare; die
besten sind jedoch in Aranjnez zu finden, und
es stammen diese von Ampurdan, einer frucht
baren, mit Wäldern von Oelbäumen reich be
deckten. aber stellenweise auch versumpften
Ebene in der Provinz Gerona, am Unterlauf
des Fluvia.
Eselhengste und Eselinnen sind in
Spanien viel länger zur Zucht zu verwenden
als Pferde; auch können ersteren ohne Nach
theil alljährlich eine weit grössere Anzahl von
Stuten zugeführt werden als den Pferde
hengsten; ihre Fruchtbarkeit soll überall eine
grosse sein, und es ist dieser Umstand für
viele der dortigen Landleute mitbestimmend
gewesen, die Eselzucht möglichst umfangreich
zu betreiben und die Pferdezucht einzu
schränken.
Die Kameelzucht wird noch immer
an verschiedenen Orten Südspaniens, haupt
sächlich in den Provinzen Cadiz und Murcia
mit einigem Nutzen betrieben, doch schein
dieselbe eher ab- als zuzunehmen. Bei der

vorletzten Viehzählung fanden sich im ganzen
Lande 3104 und bei der letzten aber nur noch
1597 Stück dieser wiederkäuenden Thier
gattung. Nach den Mittheilungen des Don
Leon Castro y Espeja eignen sich die Pro
vinzen Murcia, Valencia und Andalusien am
besten für die Kameelzucht. (Las mejores
provincias de Espafia para la multiplicacion
del camello son las de Murcia, Valencia y
del reino de Andalucia).
Die Araber unterscheiden 20 verschiedene
Kameelrassen, es ist leider nicht bekannt,
welcher Rasse die in Spanien — schon seit
der Maurenzeit — vorkommenden Kameele
angehören; jedenfalls sind sie nicht zu den
grösseren und grössten, sondern eher zu den
kleineren Rassen zu stellen. Die Thiere
werden dort kaum 2 m hoch und 3 m lang
und gehören alle zur Species der Dromedare
oder einhöckerigen Kameele (Camelus drome-
darius). Ihre grosse Genügsamkeit kommt
den Spaniern besonders in den steppenartigen
Landschaften des Südens sehr zu Statten;
ebenso schätzt man ihr kluges, gutmüthiges
und geduldiges Wesen.
Hinsichtlich des Zahnbaues weichen die
Kameele von allen anderen Wiederkäuern
wesentlich ab, indem sie im Besitz von zwei
(in der frühesten Jugend sogar sechs) Schnei
dezähnen in der Oberkinnlade sind, während
sie in der unteren Kinnlade deren sechs
tragen.
Die Spanier benützen die Kameele nur
im Flachlande zum Lasttragen, im Gebirge
fällt ihnen das Klettern sehr beschwerlich;
ob sie dort auch zum Ziehen — wie z. B. in
der Dobrudscha und an anderen Orten des
Orients — benützt werden, ist von den spa
nischen Zootechnikern leider nicht angegeben.
Schwimmen können die Kameele nicht, und
wenn. sie einmal über einen Strom setzen
sollen, so hält man sie längseits der Fahr
zeuge an Kopf und Schwanz über Wasser
und schleppt sie derartig hinüber zur Lan
dungsstelle.
Die Zucht des Rindviehes hat in
Spanien neuerdings weit grössere Beachtung
gefunden als in früherer Zeit; dieselbe hat
jetzt erheblich zugenommen, auch bezüglich
der Grösse und des Gewichtes der Rinder
soll dort eine wesentliche Aenderung wahrzu
nehmen sein.
Am sorgfältigsten wird dieser Zweig der
Hausthierzucht in den nördlichen Provinzen
betrieben; hier finden sich auch mehrere
ziemlich gut eingerichtete Meiereiwirth
schaften, in denen Butter und Käse fabricirt,
zum Theil auch frische Milch an die nächsten
Städte verkauft wird.
Auf den hochgelegenen Triften und in
den Gebirgslandschaften von Galicien und
Navarra, besonders aber in der Sierra Gua-
darrama, Sierra Morena und am Guadalquivir
werden die grössten, kräftigsten Rinder auf
gezogen — d. h. in einem halbwilden Zu
stande gehalten —, um endlich an die Be
sitzer der Stiergefechtsplätze (Arenas) abge
geben zu werden und hier aus den Händen

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