Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
PURL:
http://viewer.tiho-hannover.de/viewer/image/PPN671000365/548/
dass von den Grundbesitzern, durch deren
Gebiet die Schafheerden ziehen, eine Trift
(Camino para llevar el ganado ä pacer) von
90 Schritt Breite zu beiden Seiten der
Strasse freigelassen werden musste.
Die sog. Mesta, ein Verein oder eine
Genossenschaft der Heerdenbesitzer von Wan
derschafen (Ovejas trashumantes), ist wahr
scheinlich schon zur Begierungszeit des
Königs Pedro IV. von Aragonien (1336 bis
1387) ins Leben gerufen und mit vielen
Vorrechten ausgestattet worden.
Nach den Gesetzen dieser Mesta, welche
übrigens schon in früheren Zeiten mehrfach
aufgehoben, abgeändert und wieder einge
führt worden ist, hatten nur gewisse privi-
legirte Personen (in der Begel Granden)
das Becht, Wanderheerden (mit grösserer
Kopfzahl) zu halten; sie konnten dieses
Becht aber auch an andere Personen käuflich
oder pachtweise überlassen.
In der Begel wurden jene Vorrechte nur
den Besitzern von Merinoschafheerden ver
liehen, nicht aber den Züchtern des gemeinen
spanischen Landschafes, welches „Churra“
genannt wird. Man wollte die Zucht dieses
letzteren mehr und mehr einschränken, hin
gegen die der Merinos möglichst weit über
das Land verbreiten.
Es ist leider nicht mehr genau zu er
mitteln, ob die Merinos schon zur Zeit der
Bömerherrschaft von Tarent oder erst
später — im VIII. Jahrhundert — mit den
Mauren, von Nordafrika aus, nach Spanien
gelangt sind.
Colnmella der Aeltere berichtet, dass sein
Vetter mehrere tüchtige (bravos) afrikani
sche Böcke aus Cadiz mitgebracht habe,
und diese dann mit tarentinischen Mutter
schafen gepaart habe; sie hätten eine vorzüg
liche Nachkommenschaft geliefert.
Nach M. v. Neitzschitz hat sich das
Merinoschaf zumeist im VIII. und VII. Jahr
hundert v. Chr. in Kleinasien, im Stromgebiet
des Mäander entwickelt, welches damals durch
eine blühende Wollindustrie berühmt war.
Von Kleinasien (Carien und Phrygien) kam
die Wolischafzucht nach Griechenland (Ar
kadien, Attika und Megaris), dann nach Italien
(Tarent) und endlich nach Spanien.
Sicher ist, dass Jahrhunderte lang, etwa
bis zum Ende des XVIII. Jahrhunderts,
Spanien den Vorzug genoss, jenes Merino
schaf in einem nationalökonomisch bedeu
tenden Umfange fast ausschliesslich zu be
sitzen, aus dessen Wolle vermöge ihrer
ausserordentlichen Feinheit, Geschmeidigkeit,
Sanftheit etc. sehr viel schönere Stoffe (be
sonders Tuche) gefertigt werden konnten, als
aus den Wollsorten aller anderen Schaf-
rassen der Welt.
Die Merinos umfassen zwei Bassen, näm-
die wandernden oderBazas trashumantes (nicht
transhumantes) und die stehenden oder Bazas
estantes ö riberiegas. Zur ersteren gehören die
Schläge (Castas) von Leon, Segovia und Soria
(in Alt-Castilien). und zu der anderen alle
jene Schläge, welche in der Nähe der Ort

schaften ihrer heimatlichen Bezirke sowohl
im Sommer, wie im Winter verbleiben.
Mehr als die Hälfte des spanischen Schaf
viehbestandes gehört jetzt zu der stehenden
Basse; die Thiere derselben sind meist
kleiner, zierlicher als die Wanderschafe
und liefern eine minder feine Wolle, Die
Ovejas trashumantes bleiben den Sommer
über auf den Bergweiden ihrer Heimat und
werden gewöhnlich erst im October nach den
südlicheren Landschaften in Estremadura,
Mancha und in die Gegend von Cordova ge
trieben, wo sie dann bis zum April ver
bleiben.
Eine jede grössere Schäferei (Cabaha)
steht unter der Oberaufsicht eines Mayoral
und ist in kleinere Heerden (Bebaüas) von
1500 bis 2000 Stück eingetheilt, deren jede
unter einem Guardamayor steht. Das Hüten
der kleineren Heerden (400—500 Stück) be
sorgen die Hirten (Pastores 6 Zagales),
welche in der Begel von grossen, sehr tüch
tigen Hunden bei dieser Arbeit unterstützt
werden.
Auf den Wanderungen müssen die Heer
den oftmals recht bedeutende Tagemärsche
von 10 bis 12 Stunden machen, besonders
wenn sie durch Gegenden ziehen, in denen
gute Triften fehlen.
Die Winterweiden im Süden gehören
nicht immer den Heerdenbesitzern, sondern
müssen sehr häufig gepachtet werden. In
früherer Zeit — d. h. so lange die Mesta
noch alle Vorrechte besass — wurden die
Landeigenthümer gezwungen, die Weide
plätze für einen geringen, feststehenden
Miethpreis den Besitzern von Merinoschafen
zu überlassen, und es konnte infolge dessen
die Bodencultur dort niemals zu einer guten
Entwicklung gelangen.
Seit Anfang dieses Jahrhunderts ist die
Merinoschafzucht in Spanien infolge von
Krieg, Vernachlässigung und Ueberfluthuilg
durch andere Länder notorisch sehr zurück
gegangen. Heute verlangt niemand mehr nach
Originalthieren aus dem Stammlande, im
Gegentheil holen die spanischen Heerden
besitzer schon seit längerer Zeit ihr Ver
edlungsmaterial aus Frankreich und Deutsch
land (Sachsen).
Aus der Kreuzung der Bazas trashu
mantes und Bazas estantes mit dem alt
spanischen Landschafe (Churra) ist eine Mittel
rasse hervorgegangen, die „Entrefina“ ge
nannt wird und in zahlreicher Menge überall
vorhanden sein soll.
Die unveredelten, grobwolligen Schaf
heerden (Ganados burdos ö churros) gehören
zur Gruppe der südeuropäischen Zackeischafe
und ähneln in der Gestalt den ungarischen
Baszkas.
Die Churras zeigen einen kräftigen Glie
derbau mit guter Musculatur und liefern bei
nicht zu knapper Weide verhältnissmässig
viel Fleisch und Fett (Fig. 1862).
In Niederaragonien trifft man noch immer
eine ziemlich bedeutende Hammelzucht, und
es finden sich dort zur Herbstzeit Käufer

Anschrift

Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover
Hochschulbibliothek
Bünteweg 2
30559 Hannover
Kontakt

Tel.: +49 511 953-7100
Fax: +49 511 953-7119

E-Mail senden


Datenschutzerklärung

Partner

:
version: intranda viewer - a0c7c66