Titel:
Encyklopädie der gesammten Thierheilkunde und Thierzucht ; Neunter Band (S - Stallspringer)
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Besserung oder Vermehrung der Landespferde
zucht zu sorgen, erfüllen sollen, möglichst
niedrig bemessen sein. Daher betrug z. B.
die Deckgebühr für Buccaneer, Verneuil u. s. w.
nur 200 Gulden, für die deutschen Chamant,
Eingeölet u. s. w. nur 300 Mark, während man
auch für Privathengste, wie Charibert, Preise
von 2000 Mark kennt. Werden Staatshengste
für ausländische Stuten verlangt, so tritt ge
wöhnlich im Vergleich zu der Taxe, die für
inländische Stuten zu zahlen ist, eine Er
höhung ein.
Ausser dem Deckgeld wird in der Regel
neben diesem noch eine andere Gebühr, das
sog. Stallgeld (s. d.) erhoben. Grassmann.
Sprunggelenk. (Anatomie.) Das Sprung
gelenk ist ein zusammengesetztes Gelenk,
welches in eine Anzahl von Abtheilungen
zerfallt, u. zw. 1. in das Rollenunterschenkel
beingelenk, 2. in das vom Rollbein und
Sprungbein einerseits und grossem schiff
förmigen Beine (Os centr.) und Würfelbeine
(O. t. 4) andererseits gebildete Gelenk in das
Gelenk zwischen grossem (Os centr.) und
kleinem schifförmigen (O. t. 3) Beine und in
das Gelenk zwischen der unteren Reihe der
Hinterfusswurzelknochen und dem Metatarsus,
und endlich 3. in die Zwischenknochengelenke.
Die letzteren sind wie die unter 2 ausge
führten straffe Gelenke, in welchen nur
minimale Verschiebungen möglich sind und
nur die Wiederkäuer, das Schwein und die
Fleischfresser machen hievon insofern eine
Ausnahme, als das Rollbein mit dem Würfel
kahnbein und dem Sprungbein ebenfalls ein
Wechselgelenk bildet.
Die wichtigste der vorhin angeführten
Abtheilungen ist jedenfalls das Gelenk zwischen
Unterschenkelbein und Rollbein, in welchem
bei dem Pferde ausschliesslich, bei den übri
gen Thieren zum Theil die Beugungen und
Streckungen des Sprunggelenkes ausgeführt
werden. Zur Bildung dieses Gelenkes tragen
die Rolle des Rollbeins und eine dieser ent
sprechende, tief ausgehöhlte Schraube am
unteren Ende der Tibia bei. Die Rolle besitzt
zwei kreisförmig gekrümmte, durch eine
Furche von einander getrennte Kämme, die
in die entsprechend vertieften Schrauben
gänge der Tibia eingreifen, wobei die Arti-
culationsebene der Rolle doppelt so gross
und noch grösser, wie die der Schraube ist.
Die Schraubengänge der beiderseitigen Sprung
gelenke convergiren nach aufwärts und sind
also von der Medianebene aus rechts nach
rechts, links nach links gewunden. Der
mediale Kamm der Rolle ist bei dem Pferde,
Rinde und Schafe etwas höher, wie der laterale,
u. zw. stellt sich nach Pütz bei dem Pferde
das Höhen verhältniss des medialen zum late
ralen Kamme wie 100 : 98 2; bei dem Hunde
sind beide Kämme von gleichem Durchmesser.
Die Drehachse des Gelenkes liegt bei
dem Pferde nicht horizontal, sondern in
schräger Richtung von unten und medial-
wärts nach oben und lateralwärts und bildet
mit der Sagittalebene der Gliedmasse einen
Winkel von 13° bis 17°; bei den Wieder

käuern, Schweinen und den Fleischfressern
liegt sie horizontal oder fast horizontal.
Das angeführte Gelenk gehört zu den
Wechselgelenken, in welchem nur Beugung
und Streckung möglich sind. Eine auffallende
Eigenschaft des Pferdesprunggelenkes ist
hiebei seine kräftige Federung. Sie findet in
der Weise statt, dass das Gelenk, wenn das
Unterschenkelbein in einem Abstande von
35° bis 40° vor der extremen Streckung sich
befindet, auf den leisesten Anstoss mit be
trächtlicher Kraft in die extreme Beuge- oder
Strecklage hinüberschnellt. Dieses Federn
fehlt im Sprunggelenke des Pferdefötus, ob
gleich hier die Configuration der Gelenk
flächen die gleiche ist, wie bei dem erwachsenen
Thiere und ebenso auch bei den übrigen
Hausthieren. Nach den Untersuchungen von
Pütz ist die Ursache der Federung die
excentrische Insertion sämmtlicher kurzer
Bänder des Sprunggelenkes (s. Bänder) in
Verbindung mit der festen Vereinigung des
Sprungbeines mit den übrigen Knochen der
Hinterfusswui'zel. Dieselbe bedingt, dass die
Spannung der Bänder bei dem Uebergang
der einen Gelenksstellung in die andere eine
Aenderung erfahren muss und dass jedes Band,
sich selbst überlassen, in die elastische Gleich
gewichtslage zu gelangen strebt und daher, so-
ferne es sich im gespannten Zustande befindet,
das Gelenk in diejenige Lage zu bringen sucht,
welche dieser Gleichgewichtslage entspricht.
Nach Pütz ist es vorzugsweise das tiefe innere
Seitenband (Fersenbeinportion), welches in
der Mittellage die stärkste Spannung erfährt
und durch Ueberführung des Gelenkes in die
extreme Beuge- oder Strecklage in gleicher
Weise entspannt wird und so hauptsächlich
das Federn bewirkt. Die Thatsache, dass das
Gelenk bei dem Pferdefötus und den übrigen
Hausthieren trotz gleicher Einrichtung hin
sichtlich der Bandinsertionen nicht federt,
lässt sich dadurch erklären, dass die Verbin
dung des Sprungbeins mit den benachbarten
Knochen eine sehr bewegliche ist und dass
namentlich dem angeführten Ligament der
untere unverrückbare Ansatzpunkt fehlt und
hiedurch eine Spannung desselben unmöglich
gemacht wird.
Neben diesem Gelenke kommt bei den
Hausthieren bezüglich der Beugung und
Streckung des Sprunggelenkes noch die ge
lenkige Verbindung zwischen Rollbein und
Würfelkahnbein in Betracht, von Pütz „unteres
Sprungbeingelenk“ genannt. Bei allen Paar
zehern wird diesem Gelenke der grössere Theil
der Beuge- und Streckbewegung übertragen.
Das Gelenk bildet ebenfalls eine Schraube,
deren Kämme einen gleichen Durchmesser
besitzen. Die Drehachse des Gelenkes steht
fast senkrecht auf der Längsachse der Glied
masse.
Literatur: Pütz, Beiträge zur Anatomie und
Physiologie des Sprunggelenkes. Zeitschrift für praktische
Veterinärwissenschaften, 1876. Eichbaum.
Sprunggelenksentzündung. Dieselbe kommt
bei unseren Hausthieren, namentlich dem
Pferde und dem Arbeitsvieh, nicht selten vor

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